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Bedient: Schon zum vierten Mal in dieser Saison kassierten die 96er eine deftige Klatsche © getty

Hannover reif für Europa? Köln widerlegt eindrucksvoll Mirko Slomkas Annahme. Der FC ist im Schaefer-Rausch.

Köln - Der großen Bayern-Sause mit Champions-League-Träumen folgte das böse Erwachen.

Hannover 96 fiel im Verlauf der 0:4 (0:1)-Niederlage beim 1. FC Köln nach starkem Beginn wie ein Kartenhaus in sich zusammen und bewies eindrucksvoll: Zur Champions-League-Reife fehlt noch ein großes Stück Stabilität.

Nicht auszumalen, was Weltstars wie Lionel Messi in der zweiten Halbzeit mit den 96ern veranstaltetet hätten, als diese - so Mittelfeldspieler Konstantin Rausch - "brutal schlecht" waren. 363670(DIASHOW: Der 26. Spieltag)

Die Gründe hierfür waren schnell gefunden. Die Überflieger der Saison, die sich vor dem Anpfiff von den Fans in der Kurve feiern ließen und dann eine halbe Stunde ein kleines Fußball-Feuerwerk abbrannten, sind es nicht mehr gewohnt, mit Rückschlägen umzugehen.

96 ergibt sich eigenem Schicksal

Der erste, das unverdiente 0:1 durch einen Freistoß von Petit (36.), nahm dem Team von Trainer Mirko Slomka mit einem Schlag jede Euphorie und jedes Selbstvertrauen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ganz als wäre man auf das Szenario, tatsächlich in dieser Saison noch ein Spiel verlieren zu können, nicht eingestellt gewesen, zerbrach der Tabellendritte und ergab sich in sein Schicksal.

"0:4 ist schon ein starkes Stück", sagte Ex-Nationalspieler Christian Schulz ratlos: "Aber so kenne ich uns normal gar nicht. Wir haben komplett den Faden verloren."

Rausch fügte noch deutlicher an: "Wir sind selbst schuld, dass wir eine Packung bekommen haben, denn wir haben uns hängenlassen."

Slomka: "So wird es eng"

Zwar belegt 96 auch acht Spieltage vor dem Saisonende den Champions-League-Qualifikationsrang.

Doch Slomka, der sein Team nach dem 3:1-Sieg gegen Rekordmeister Bayern München als "reif für Europa" bezeichnet hatte, musste nun konstatieren: "So wird es eng."

Auch der Coach stand nach dem Spiel vor einem Rätsel. "Ich bin enttäuscht, dass wir das Engagement haben vermissen lassen", sagte er. Die Ernüchterung nach dem Rückstand sei erkennbar gewesen, "aber da muss man sich zusammenreißen und durchbeißen".

Normalerweise, so Slomka, habe sein Team immer eine Antwort - was so nicht ganz stimmt.

Immer wieder Nackenschläge

Das Debakel von Köln war schon die vierte deutliche Niederlage in dieser erfolgreichen Saison nach dem 0:3 in München und den beiden vorherigen 0:4-Pleiten gegen Dortmund und in Hoffenheim.

"Wir müssen stabiler werden, damit wir auch nach Nackenschlägen zurückkommen", stellte Jan Schlaudraff treffend fest.

Der Stürmer war das Sinnbild der 96er am Freitag: Bärenstark in der ersten Halbzeit, mit hängenden Schultern über den Platz schlurfend in der zweiten. "Ich bin sicher, dass wir zurückkommen", sagte Slomka.

Und auch Sportdirektor Jörg Schmadtke blieb gelassen: "Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass nun alles anders wird."

Kölner Karneval verlängert

Die gibt es auch bei den Kölnern derzeit nicht, denn in Heimspielen eilen die Rheinländer derzeit von Rausch zu Rausch.

Zwei Tage nach dem Aschermittwoch wurde der Karnaval kurzerhand verlängert.

Zahlreiche Statistiken des 2010 teilweise so desolaten FC - Trainer Zvonimir Soldo wurde nach dem Hinspiel in Hannover als Tabellenletzter entlassen - lesen sich plötzlich wie die eines Spitzenteams.

Sechs Heimsiege in Folge hatte es zuletzt 1987 unter Christoph Daum gegeben, der neue Trainer Frank Schaefer weist mit 27 Punkten nach seiner ersten Halbserie die Bilanz eines Europacup-Anwärters auf.

Poldi: erst Kamelle, dann drei Punkte

Das Sturmduo Milivoje Novakovic (79./89.) und Lukas Podolski (59.) steht nach seinen Treffern am Freitag mit sechs bzw. sieben Toren in der Schützenliste der Rückrunde ganz oben.

"Das ist einfach Wahnsinn, was hier passiert ist", sagte Torhüter Michael Rensing, der seinem Team mit einer erneuten Klasseleistung in den Sattel half: "Im Winter-Trainingslager war die Stimmung noch ganz schlecht, und jetzt das, das ist unglaublich."

Und Podolski, zu Wochenbeginn Teilnehmer des Rosenmontags-Zuges, bilanzierte nach seinem 50. Bundesligator: "Erst Kamelle geschmissen, dann drei Punkte geholt - das war eine tolle Woche."

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