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Holger Stanislawskis Paulianer sind daheim das drittschwächste Team der Liga © getty

Seit dem Derbysieg über den HSV ist die Stanislawski-Elf torlos. Jetzt kommt mit Stuttgart auch noch ein Kellerkind im Aufwind.

Hamburg - Seit dem Derbysieg geht nichts mehr.

Das 1:0 gegen den Hamburger SV war wie eine gefühlte Meisterschaft für den FC St. Pauli, doch die Feiern verursachten einen schmerzhaften Kater: Drei Spiele, null Tore, drei Niederlagen.

Abstiegskampf, da sind wir wieder. Das Spiel am Sonntag (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) gegen den Mitkontrahenten VfB Stuttgart ist deshalb schon so etwas wie "ein Endspiel", wie Torwart Thomas Kessler findet (363670DIASHOW: Der 26. Spieltag).

Bislang herrschte Ruhe rund um die Reeperbahn. Trainer Holger Stanislawski sitzt felsenfest im Sattel, die Spieler und Fans murren nicht. Man weiß, wo man herkommt und was man hat und kann die Situation realistisch einschätzen.

Eine komplette Viererkette verletzt

Wäre da nicht dieses unglaubliche Verletzungspech in der Abwehr, das für einen Aufsteiger mit Mini-Etat nur schwer bis gar nicht zu kompensieren ist. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

In Carsten Rothenbach (Patellasehne), Fabio Morena (Ermüdungsbruch), Carlos Zambrano (Sehnenriss) und Bastian Oczipka (Knöchelbruch) fällt eine gesamte Viererkette bis Saisonende aus.

Gegen Stuttgart steht außerdem der gesperrte Abräumer Matthias Lehmann nicht zur Verfügung.

Gerade erst hat sich Außenverteidiger Florian Lechner wieder im Training angemeldet.

"Die Verletzungsprobleme im Abwehrbereich sind außergewöhnlich", sagt der gesunde Verteidiger Markus Thorandt, "natürlich schwächt uns das erheblich". Stanislawski leistet die notwendige Flickschusterei ohne Murren, aber auch ohne Erfolg.

"Hinfallen" und "Wiederaufstehen"

Als sich Zambrano in Nürnberg nach sechs Minuten verletzte, musste Marcel Eger eingewechselt werden, der schon in der Zweiten Liga kein Stammspieler mehr gewesen war. Gegenspieler Christian Eigler schoss vier Tore beim 0:5.

Vom "Hinfallen" und dem "Wiederaufstehen", sprach Stanislawski anschließend. Sonntag ist die Gelegenheit.

"Vieleicht hatte diese Klatsche auch was Gutes, wen du immer nur knapp verlierst, denkst du, du seist nah am Sieg gewesen", sagt Mittelfeldspieler Max Kruse. Davon konnte zuletzt keine Rede mehr sein.

"Jeder, der sich nach dem Stadtderby in die Tasche gelogen hat, weiß, wo wir jetzt stehen", sagt Kessler, "es geht nicht darum, Hamburger Meister zu werden, sondern auch im nächsten Jahr das Derby spielen zu können."

Neuer Rasen am Millerntor

Noch liegen die Stuttgarter mit 25 Zählern drei Punkte hinter St. Pauli. Natürlich müssen die Hanseaten versuchen, die Schwaben auf Distanz zu halten.

Dafür wurde sogar ein neuer Rasen ins Millerntor verlegt, wo zuletzt gepflegter Fußball unmöglich gewesen war. "Sechser" Fabian Boll weiß: "Sonntag ist es ein richtungweisendes Spiel."

Auch für die Gäste selbstverständlich. "Unser Ziel ist ganz klar, in St. Pauli ein Ausrufezeichen zu setzen", fordert Sportchef Fredi Bobic: "Nach zuletzt zwei Siegen wollen wir nachlegen." Dabei muss der VfB auf Khalid Boulahrouz und weiterhin Cacau verzichten.

Kompakt, aggressiv, hochmotiviert

Die Negativserie des Aufsteigers schmeckt VfB-Trainer Bruno Labbadia übrigens gar nicht: "Sie werden sehr kompakt, aggressiv und hochmotiviert auftreten. Da wird eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen."

Trotzdem freut sich der ehemalige HSV-Coach auf das Spiel am Millerntor: "Im Stadion herrscht eine einzigartige Atmosphäre, die es so kein zweites Mal in der Bundesliga gibt."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

St. Pauli: Kessler - Volz, Thorandt, Gunesch, Kalla - Boll, Daube - M. Kruse, Takyi, Bartels - Asamoah

Stuttgart: Ulreich - Träsch, Niedermeier, Tasci, Molinaro - Gentner, Kuzmanovic - Harnik, Hajnal, Okazaki - Pogrebnyak

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer

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