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Felix Magath ist seit Spmmer 2009 Trainer des FC Schalke 04 © getty

Felix Magath rechnet nach dem Sieg gegen Frankfurt mit seinen Kritikern ab. Seine Entlassung scheint dennoch festzustehen.

Von Nikolai Kube

München/Gelsenkirchen - Es war die 84. Spielminute. Die Nummer 15 leuchtete auf der Anzeigetafel des vierten Offiziellen auf.

Ein Raunen ging durch die Arena auf Schalke. "Was will Felix Magath nur mit dem jetzt?", grübelten die meisten der 61.000 Zuschauer.

Eine Minute später bekamen sie die Antwort: Angelos Charisteas vollstreckte eiskalt und schoss Schalke gegen Eintracht Frankfurt zum 2:1-Sieg.

Die Genugtuung war Felix Magath ins Gesicht geschrieben. "So ist das halt, wenn man Spieler zu früh und zu schnell be- und verurteilt", sagte der Trainer nach der Partie bei LIGA total!.

Gespaltene Stimmung im Stadion

Stürmer Charisteas, der zu seinen ersten Bundesliga-Minuten für Königsblau kam, wurde in der Vergangenheit stets als Kronzeuge für die schlechte Einkaufspolitik von Magath bemüht.

"Es ist halt so, dass er heute kam, sah und siegte!", entgegnete Magath seinen Kritikern. Die gibt es aber weiterhin zuhauf.

Die Stimmung im Stadion war gespalten. Es gab Transparente gegen Magath ("Niemals FC Magath", "Magath raus!!!", "Schalke 04 statt Magath 04"), aber auch Sympathiebekundungen für den Coach.

Für Aufsehen in der Arena sorgte vor dem Anpfiff ein kurioses Bild auf dem Video-Würfel.

Tönnies krank

Zu sehen war ein Schalke-Fan, der ein Plakat in den Händen hielt: "Pro Felix - Tönnies geht gar nicht!"

Der bekam davon nichts mit. Denn Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender war wegen einer Erkrankung nicht im Stadion.

Am Sonntag soll ein Gespräch zwischen Tönnies und Magath stattfinden - auch wenn der Trainer süffisant anmerkte: "Wenn der Herr Tönnies krank ist, fällt das Gespräch ja vielleicht aus und wir müssen erst mal so weitermachen!"

Ob Magath allerdings weitermachen darf, ist - trotz des zweiten Sieges innerhalb von einer Woche - weiter fraglich. Der Erfolg gegen Frankfurt brachte ihm allerdings weitere Pluspunkte ein.

Zweite Aufsichtsratsitzung Mitte der Woche?

Auf die Frage, ob dies sein letztes Spiel als Schalke-Trainer gewesen sei, entgegnete der Trainer: "Nicht dass ich wüsste?"

Fakt ist: Der Schwebezustand auf Schalke muss beendet werden. Das "Gespräch unter Männern" soll Klarheit bringen.

Eine Entlassung Magaths kann aber weder morgen noch am Montag über die Bühne gehen.

Denn: Bei der Aufsichtsratsitzung am Montag steht dieser Punkt nicht auf der Tagesordnung. Nach Informationen des "Sport-Informationsdienstes" soll Mitte der Woche aber eine zweite Versammlung stattfinden. Schalke bestätigte dies bislang nicht.

Fährmann einsichtig

Die satzungsgemäßen Fristen würden dies zulassen: Zwischen Einladung und Sitzung müssen drei Tage liegen. Wird Magath dann entlassen?

Viel Wirbel auf Schalke. Und auch der Mannschaft war das Tohuwabohu in der ersten Halbzeit gegen die Eintracht anzumerken.

Nur wenig lief zusammen, ehe der Aussetzer von Frankfurts Torhüter Ralf Fährmann Schalke auf die Siegsstraße brachte. 363670(DIASHOW: Der 26. Spieltag)

"Das war mein Fehler. Ich habe ihn einfach nicht gesehen im Augenwinkel", sagte Fährmann. Mit "ihn" meinte er Raul, der sich hinter dem Torhüter anschlich und - als sich Fährmann den Ball vorlegte - selbigen stibitze.

Gekas irritiert Neuer

Die Folge: Elfmeter und die Führung durch Jose Manuel Jurado für Schalke.

Weil auch sein Gegenüber Manuel Neuer patzte, wurde die Partie noch einmal spannend. Der Nationalkeeper ließ einen Pass von Georgios Tzavellas aus 73 Metern (!) passieren.

"Das 1:1 geht auf meine Kappe. Ich habe mich an Gekas orientiert und bin dessen Bewegung mitgegangen", sagte Neuer. In der Tat sorgte der eingewechselte Grieche vor dem Tor für Verwirrung. Eine Tatsache, die den Fehler Neuers etwas relativierte.

Zudem machte er diesen wenig später wieder wett. Denn Neuer lieferte mit einem Pass aus dem eigenen Strafraum die Vorlage für das entscheidende Tor durch Charisteas.

"Es ist total unbefriedigend"

Ein Treffer, der die engagierte, aber über weite Strecken einfallslose Eintracht mitten ins Herz traf. Neun Spiele, zwei Punkte, ein Tor - so lautet die erschreckende Bilanz des Teams von Trainer Michael Skibbe in der Rückrunde.

Nur zwei Punkte sind es noch bis zu Relegationsplatz 16. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es ist total unbefriedigend, dass wir noch verloren haben", sagte Skibbe und haderte mit dem Schicksal: "Was für kuriose Tore! Das letzte hat uns das Genick gebrochen." Die Luft für Skibbe wird immer dünner.

Rückendeckung für Skibbe

Immerhin: Vereinsboss Heribert Bruchhagen spricht seinem Coach weiter das Vertrauen aus.

"Michael ist unser Trainer und mit Michael haben wir eine erfolgreiche Hinserie gespielt. Wir müssen wieder an diese Leistung anknüpfen. Und da müssen wir alles tun, um die Mannschaft und den Trainer stark zu machen!", sagte Bruchhagen bei LIGA total!.

Hört sich nicht nach einer Entlassung in der kommenden Woche an.

Kein Wunder: Denn erst einmal in seinen mehr als 20 Jahren als Bundesliga-Manager beurlaubte Bruchhagen einen Trainer vorzeitig.

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