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Frank Rost (r.) spielt seit 2006 für den HSV - Armin Veh (Mi.) ist schon weg © imago

Der HSV kommt nach der Trainer-Entlassung nicht zur Ruhe: Dem Keeper könnte seine Verbal-Attacke zum Verhängnis werden.

Von Christian Paschwitz

Hamburg - Eine Fülle ungeklärter Fragen bleiben beim Hamburger SV - und womöglich fliegt nun auch Keeper Frank Rost:

Nur Armin Vehs Entlassung überraschte niemanden mehr wirklich am Sonntagmorgen.

Es war 10.20 Uhr, als der 50-Jährige die Stadion-Katakomben verließ und seinen strahlend-weißen Audi bestieg, der einen bemerkenswerten Kontrast zu dem gerade entlassenen Trainer bot.

Noch grauer als sonst sah Veh aus: Seine Haare, die Bartstoppeln, tiefe Ringe unter den Augen verstärkten den Eindruck noch.

Achter Trainer binnen acht Jahren

Letzte Abfahrt HSV quasi - Vehs Laune war entsprechend trübe.

"Ich sage heute nichts. Kein Kommentar. Das wäre ja noch mal schöner", war das Einzige, was Veh sich noch abrang, ehe er entschwand.

Mit Veh scheiterte binnen acht Jahren nunmehr der achte Trainer, der seinen Vertrag beim Bundesliga-"Dino" nicht erfüllen durfte oder wollte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bayern-Pleite bringt Fass zum Überlaufen

Nach dem 0:6 (0:1)-Offenbarungseid beim FC Bayern sah der Klub keine Alternative mehr zur sofortigen Trennung von Veh, der von sich aus schon seinen Abschied zum Saisonende angekündigt hatte.

Der bisherige Co-Trainer Michael Oenning, assistiert von Regionalliga-Coach Rodolfo Cardoso, übernimmt nun bis Saisonende 363670(DIASHOW: Der 26. Spieltag).

Mit Veh musste außerdem dessen Assistent Reiner Geyer gehen.

Hoffmann unterbricht Ski-Urlaub

Auch von Oenning war am Sonntag vorerst kein Statement zu bekommen - wie sich auch Bernd Hoffmann hinsichtlich der neuesten Episode im Klub-Chaos zurückhielt.

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Der noch amtierende Vorstandschef, erst vor wenigen Tagen entmachtet vom Aufsichtsrat und dann weg wie Veh, hatte angesichts der sich verschärfenden Krise seinen Ski-Urlaub unterbrochen und war zurück in die Hansestadt gejettet.

Wer zu Vehs Aus redete, war hauptsächlich Bastian Reinhardt, pikanterweise genauso nur noch bis Saisonende im Amt.

Reinhardt: "Mussten Schnitt jetzt machen"

"Aufgrund des schon feststehenden Abschiedes und des Einbruchs in den letzten beiden Spielen hat der Vorstand entschieden, sich mit sofortiger Wirkung von Armin Veh zu trennen", so Reinhardt, der in der neuen Spielzeit von Frank Arnesen abgelöst wird.

Und weiter: "Wir mussten jetzt den Schnitt machen. Wir haben noch acht Spiele, die wir nicht abschenken wollen. Oenning hat jetzt die Chance, sich zu präsentieren."

Fraglich nur, was der 45-Jährige tatsächlich noch retten kann in einem Klub, der auf Selbstzerstörung programmiert wirkt. (EINWURF: Demontage eines Riesen)

Was kann Oenning noch bewirken?

Immerhin: Oenning, der niemals Fußball-Profi war, dafür aber Deutschlehrer, Klavierspieler und überdies Grimme-Preisträger, sind Krisen-Situationen keineswegs fremd.

Bei Borussia Mönchengladbach (2004-2005) wirkte er unter vier Trainern und zwei Sportdirektoren. In Wolfsburg (2005-2007) spielte Oenning für eine Partie den Chefcoach-Nachfolger für den erfolglosen Klaus Augenthaler.

Beim 1. FC Nürnberg (2008-2009) wiederum beerbte der Chopin-Liebhaber als Co-Trainer im August 2008 den gefeuerten Thomas von Heesen und schaffte mit dem Club den Wiederaufstieg.

Rauswurf beim Club

Nach einer desolaten Hinrunde ereilte im Dezember 2009 dann aber auch Oenning der Rauswurf, ehe er ab der aktuelle Saison beim HSV als Vehs Statthalter beim HSV anlandete.

Ob er nun womöglich bis über die aktuelle Spielzeit hinaus in Hamburg als Chef eine Chance bekommt, lässt sich schwer vorhersagen.

Reinhardt erklärte: "Michael Oenning besitzt das Format, Trainer des HSV zu sein. Es ist noch keine Entscheidung über die Besetzung des Trainerpostens für die kommende Saison gefallen."

Fliegt nach Veh auch Rost?

Womöglich fällt aber bereits in den kommenden Tagen eine Entscheidung gegen Frank Rost:

Dem Keeper könnte nach seinen ungemein scharfen Verbalattacken auf Klub und Hoffmann die Entlassung drohen.

"Bei allem Verständnis für Frank Rost nach dem Bayern-Spiel kann es nicht sein, dass er immer dazu beiträgt, diesen Verein zu beschädigen und Öl ins Feuer zu gießen?, so Reinhardt. "Von einem Führungsspieler des Hamburger SV erwarte ich ein anderes Verhalten. Wir werden sicherlich mit Frank darüber reden."

Verbal-Attacke auf Hoffmann

Ob Rost am nächsten Sonnabend gegen Köln im Tor steht, ist ungewiss - und Rost ohnehin einerlei: "Scheißegal, dann sollen sie mich wegfackeln?, sagte er bei LIGA total!.

Nach der Bayern-Blamage hatte der wütende 37-Jährige Hoffmann ("Ich habe die Äußerungen zur Kenntnis genommen") Egoismus sowie fehlende sportliche Kompetenz und Geradlinigkeit vorgeworfen:

"Ich muss die Dinge aktiv regeln und nicht aussitzen. Stellen Sie sich mal vor, jeder Spieler, bei dem der Vertrag ausläuft, macht jetzt Urlaub."

Im Sommer wohl ohnehin weg

Vehs Entlassung kommentierte Rost nun so: "Meine Enttäuschung ist riesengroß. Es ist sehr schade, dass der Trainer weg ist. Ich möchte mich bei Armin Veh bedanken. Er war immer aufrichtig und ehrlich. Doch so etwas ist offenbar nicht mehr gefragt."

Im Sommer dürfte der Keeper, dessen Vertrag ausläuft, ohnehin das Weite suchen:

"Man muss den Anderen schon viel Glück für die nächste Saison wünschen. Bei diesem Verein kannst du nur verlieren. Ich fühle mich fit. Aber man muss woanders hingehen."

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