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VfB-Verteidiger Serdar Tasci (r.) im Zweikampf mit Gerald Asamoah © getty

Mit einem Schmutz-Sieg auf St. Pauli demonstriert der VfB Stuttgart, dass Labbadia ihn effektiv auf Abstiegskampf getrimmt hat.

Von Martin Hoffmann und Jürgen Blöhs

Hamburg/München - Der Endorphinrausch hatte den Helden des Tages noch voll im Griff.

"Gefühlsmäßig herrscht hier heute Ausnahmezustand!", jubelte Sven Schipplock unmittelbar nach Abpfiff im Gespräch mit SPORT1.

Ein Ausnahmezustand, den er selbst ausgelöst hat: Dem Stuttgarter Stürmer war in seinem neunten Bundesliga-Einsatz sein erstes Tor gelungen - und was für ein wichtiges 363670(DIASHOW: Der 26. Spieltag).

Der Siegtreffer zum 2:1 beim FC St. Pauli beförderte den VfB herunter von den Abstiegsplätzen. Zum ersten Mal seit dem 12. Spieltag - und zum ersten Mal unter der Regie von Coach Bruno Labbadia (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Über Kampf pur"

Und die Schwaben verließen die rote Zone ironischerweise auf eine Art, die signalisiert, dass die Stuttgarter im Abstiegskampf angekommen sind: Mit einem Triumph, auf den die Fachfloskel "dreckiger Sieg" zutrifft.

Es war ein glücklicher, ein hässlicher Triumph über einen Keller-Konkurrenten, der spielerisch besser auftrat - und die Schwaben verhüllten das auch nicht.

"Wir kommen gerade über Kampf pur", erklärte Ausgleich-Schütze Zdravko Kuzmanovic gegenüber SPORT1: Das Fußballspielen in seinem Wortsinne sei aktuell zweitrangig.

Ungeschönte Bobic-Analyse

Sportdirektor Fredi Bobic beschrieb das Geschehen bei SPORT1 noch ungeschönter:

"Bis zum 0:1 war es grausam, danach nicht viel besser." Der Sieg sei "glücklich" gewesen, man sei mit "einem blauen Auge davongekommen".

Es gilt aber der Spruch mit dem Zweck und den geheiligten Mitteln. Auch für Bobic zählt am Ende das Resultat: "Wir haben uns in der Spitzengruppe der Abstiegszone etabliert."

Gesenkte Ansprüche

Labbadia kann es als sein Werk betrachten: Den Abstiegskampf, den sein für höhere Aufgaben zusammengestelltes Team nicht zu können schien, hat er ihm wohl eingeimpft.

Auch wenn das Dauermauern und das weiträumige Verstecken von spielerischem Niveau, das seine Spieler auf St. Pauli praktizierten, sich normalerweise nicht mit seinen Vorstellungen von Fußball deckt.

"Ich habe die Mannschaft mit zwölf Punkten übernommen", rief Labbadia den Reportern in Erinnerung: "Da muss man als Trainer seine Ansprüche zurückschrauben."

Joker Schipplock ohne Worte

Auch der Siegtorschütze bestätigte Labbadia in seinem Kurs.

Den 22 Jahre alten Schipplock, von den Vorgängern Christian Gross und Jens Keller zumeist ignoriert, wechselt Labbadia seit sieben Spielen in jeder Partie als Joker ein.

Wie es sich für ihn anfühlte, das erste Mal gestochen zu haben? "Das kann man nicht erklären. Das muss man erlebt haben."

Stanislawski enttäuscht

Die St. Paulianer erlebten es auf ihre Weise - und die emotionale Erschütterung war ihnen nach dem Schlusspfiff anzumerken.

Es war die vierte Niederlage in Folge nach dem historischen Derby-Triumph gegen den HSV und auf ihre Weise ähnlich bitter wie die 0:5-Abfuhr in Nürnberg.

"Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft", haderte ein enttäuschter Coach Holger Stanislawski bei LIGA total! mit dem neuerlichen Tiefschlag.

Hanseatischer Umgang

Spürbar war aber auch, dass Stanislawski hanseatisch mit der Niederlage und dem Sturz auf den Relegationsplatz 16 umging - also mit der größtmöglichen Dosis Gelassenheit.

"Wir dürfen nicht nervös und nicht unruhig werden", mahnte er. Ebenso sah es Ralph Gunesch: "Wer jetzt von Panik spricht, ist auf dem falschen Dampfer."

Dass sich die Kiez-Kicker nun aber auf einer Dampferfahrt der ungemütlicheren Sorte befinden, ist ihnen ebenso klar geworden.

Keeper Matthias Kessler sieht die Lage vor dem nächsten Keller-Gipfel in Frankfurt so: "Uns helfen ab sofort nur noch Drei-Punkte-Spiele."

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