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Seit der Saison 2010/11 war Oenning beim HSV Co-Trainer unter Armin Veh © getty

Der neue HSV-Cheftrainer setzt auf Einzelgespräche und bekennt sich zu Torwart Rost. Ein Ex-HSV-Profi spricht sich für Hrubesch aus.

Hamburg - Ein Neuanfang? Oder die Fortsetzung des bisherigen Chaos mit einem neuen Gesicht?

Am Montag stellte sich Michael Oenning als neuer Cheftrainer des Hamburger SV vor.

Seit 1. Juli war der 45-Jährige als Assistent für den am Sonntag beurlaubten Armin Veh Entlassung tätig, er leitete überwiegend das Training für den Augsburger.

"Hängt von Ergebnissen ab"

"Ich bin Teil der Arbeit von Armin Veh", sagte Oenning, "dass ich jetzt sein Nachfolger werde, ist eigentlich nicht normal, gehört aber im System Profifußball dazu."

Eigentlich kann der HSV die Trainersuche für die neue Saison nun einstellen, denn Oenning steht noch bis 30. Juni 2012 unter Vertrag und die Beförderung gilt unbegrenzt.

"Ob er das tun wird, weiß ich nicht. Ich will meine Chance nutzen", betonte Oenning. "Meine Zukunft wird davon abhängen, ob wir in der Lage sind, Ergebnisse zu schaffen. Ich bin ja nicht blauäugig."

Der Klub sah sich wegen Spekulationen, Oenning solle bis 2012 das Amt übernehmen, zu einer Stellungnahme genötigt.

"Er hat einen laufenden Vertrag bis 2012, den er im letzten Sommer unterschrieben hat. Im Zuge dieses Vertrages übernimmt er zunächst bis Saisonende die Aufgaben als Cheftrainer", hieß es da.

Viele Einzelgespräche geplant

Oenning holte an seinem ersten Tag als Chef die Fibel "Sofortmaßnahmen bei Trainerwechsel" heraus und begann mit dem Standardprogramm, Kapitel eins:

"Ich werde viele Einzelgespräche führen." Denn natürlich glaubt er an seine Spieler:

"Die Köpfe sind vielleicht nicht so frei durch die besondere Situation im Klub", meint der neue HSV-Coach, "wir müssen es schaffen, unseren Bereich Sport abzudecken."

Klares Bekenntnis zu Rost

Das ist offenbar Oennings Credo: Wir hier im Sport und die da im Vorstand.

Er hat sich deshalb auch klar zu Torwart Frank Rost bekannt, der am Wochenende öffentlich den Vorstand und insbesondere Hoffmann in nie dagewesener Weise an den Pranger stellte.

Rost soll dennoch am Samstag gegen den 1. FC Köln spielen.

[kaltura id="0_rksciume" class="full_size" title="Oenning soll der Retter werden"]

"Ich habe mit Frank ein langes Gespräch geführt, wir sind beide der Meinung, dass wir dem Verein noch etwas geben können", sagte der Trainer:

"Im sportlichen Bereich ist der Fall geklärt. Es gibt aber noch die vereinspolitische Ebene." Da droht noch eine Geldstrafe für den renitenten Keeper.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Kapitel zwei der Trainerfibel: Optimistisch in die Zukunft schauen:

"Wir haben noch acht Spiele, da ist noch eine Menge möglich. Lasst uns aber am Samstag erst einmal eine Reaktion zeigen und das 0:6 beim FC Bayern363670(DIASHOW: Der 26. Spieltag) nicht auf uns sitzen lassen", forderte Oenning (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Dienstag um 10.15 Uhr wird er erstmals mit seinem neuen Assistenten Rodolfo Esteban Cardoso das Training auf dem Platz leiten.

Schon in Nürnberg befördert

Beim 1. FC Nürnberg wurde der ausgebildete Sportlehrer ähnlich wie jetzt beim HSV am 12. Februar 2008 als Nachfolger von Thomas von Heesen vom Assi zum Chef befördert und schaffte mit dem Club den Aufstieg in die Bundesliga.

Nach der Hinrunde 2009 wurde er dort aber beurlaubt.

Beckenbauer: "Hrubesch wäre der ideale Trainer"

Für den Fall, dass Oenning in Hamburg keinen Erfolg haben sollte, hat der ehemalige HSV-Profi Franz Beckenbauer einen Vorschlag.

"Horst Hrubesch wäre der ideale Trainer - er ist zwar Westfale, aber er ist ein HSVler durch und durch und noch in vollster Erinnerung beim Publikum", sagte Beceknbauer bei "Sky 90".

Als Team beim DFB

"Er kann es und würde 100-prozentig zum HSV passen. Das würde ich sofort unterschreiben. Ob er sich das antun will, ist die andere Sache. Für den HSV wäre er die beste Lösung", meinte Beckenbauer.

Dass Hrubesch einer derartigen Aufgabe gewachsen sei, habe er beim DFB bewiesen, indem er mit der Nachwuchsmannschaft Europameister geworden ist.

Beim DFB arbeitete Hrubesch übrigens mit Oenning zusammen.

Von 2000 bis 2004 war Oenning Co-Trainer von Horst Hrubesch und Uli Stielike mit den U18- und U20-Nationalmannschaften, davor war er Verbandsfußballlehrer im Württembergischen Fußballverband.

Oenning als Talentförderer geplant

Unter Oenning schafften in Nürnberg Toptalente wie Ilkay Gündogan, Dennis Diekmeier (jetzt HSV) und Stefan Reinartz (jetzt Leverkusen) den Durchbruch.

Eine ähnliche Förderung von Youngstern erhofft sich der HSV nun auch.

Dass dort ein großer personeller Umbruch bevorsteht, ist klar. Ebenso klar ist, dass sich Oenning mit dem designierten Sportchef Frank Arnesen verständigen muss.

"Meine Chance liegt darin zu zeigen, dass es nicht nötig ist, einen neuen Cheftrainer zu suchen", sagt Oenning. Und hofft, dass er diese Chance wirklich erhält -von wem auch immer.

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