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Ob Felix Magath noch einmal auf der Schalker Bank sitzen wird, ist unklar © imago

Schalke hat angeblich eine Möglichkeit gefunden, den Trainer ohne weitere Zahlungen loszuwerden. Drei Nachfolge-Kandidaten sind im Gespräch.

Von Thorsten Mesch

München - Als Felix Magath im Sommer 2009 als frisch gekürter Meistertrainer vom VfL Wolfsburg zu Schalke 04 wechselte, träumten Verantwortliche und Fans der Königsblauen von einer goldenen Ära.

Magath wurde Vorstandsmitglied, Trainer und Manager in einer Person und bekam einen Vertrag bis 2013.

Doch nach nicht einmal zwei Jahren ist die Ära Magath auf Schalke wohl schon wieder vorbei.

Stillschweigen nach "Gespräch unter Männern"

Am Sonntag traf sich Aufsichtsratschef Clemens Tönnies in Düsseldorf mit Magath zu einem "Gespräch unter Männern" und erklärte anschließend:

"Wir haben die Probleme sachlich diskutiert. Felix Magath kann sich in der Aufsichtsratssitzung äußern. Ansonsten haben wir Stillschweigen vereinbart."

Dass der Riss zwischen den Schalke-Bossen und "Felix allmächtig" nicht mehr zu kitten ist, lässt sich daraus ableiten, dass Tönnies zum Gespräch am Sonn- tag in Begleitung von Aufsichtsrats- mitglied Dr. Jens Buchta, einem Rechtsanwalt, erschien und auch Magath einen Juristen an seiner Seite hatte.

Zwar stand das Thema Magath bei der Aufsichtsratssitzung am Montag nicht auf der Tagesordnung. "Es war eine turnus- mäßige Sitzung, in der Felix Magath keine Rolle gespielt hat", sagte Tönnies nach der vierstündigen Zusammenkunft., aber:

"Das haben wir am Mittwoch auf der Pfanne." Auf der außerordentlichen Aufsichtsratsitzung soll Magath zunächst als Vorstandsmitglied abgelöst werden. Als nächster Schritt würde die Entbindung von seinem Trainerposten folgen.

Aufsichtsratssitzung am Mittwoch

Als seinerzeit die Ex-Manager Rudi Assauer und Andreas Müller ihren Hut nehmen sollten, erschienen diese nicht zur Anhörung.

Magath hingegen will sich den Kontrolleuren stellen. "Der nächste Termin ist am Mittwoch, ansonsten gibt es nichts zu sagen", sagt er dem "kicker".

Nach Informationen des Magazins muss der 57-Jährige möglicherweise auf seine Millionenabfindung verzichten.

[kaltura id="0_58eiahlt" class="full_size" title="Hat Magath noch eine Zukunft?"]

Magath soll mehrfach gegen die Satzung verstoßen haben, indem er sich bei Transfers (ab 300.000 Euro) die nötige Genehmigungspflicht des Aufsichtsrats nicht einholte.

Das Gremium soll die Vorwürfe bereits einer juristischen Prüfung unterzogen haben und sieht diese bestätigt. Der Verein könnte sich demnach bis zu zwölf Millionen Euro sparen.

"Traumehe vor dem Scheidungsrichter"

"Eine Beziehung, die einst als Traumehe angepriesen wurde, endet vor dem Scheidungsrichter", schrieb die "WAZ", die am vergangenen Dienstag mit der Meldung Meldung, Schalke trenne sich von seinem Coach, das Thema Magath an die Öffentlichkeit gebracht hatte.

Pikant hierbei: Schalkes stellvertretender Aufsichtsrats-Vorsitzender Peter Lange ist Mitglied der Geschäftsführung der WAZ-Mediengruppe.

Unklar sei einzig, "wer die Kosten des Verfahrens trägt und ob die beiden Ehepartner nun eine ganze Ladung voller Schmutzwäsche auspacken oder sich die Parteien auf einen öffentlichen Waffenstillstand einigen."

Trainersuche läuft auf Hochtouren

Magath hatte sich am Samstag am Rand des 2:1-Sieges gegen Frankfurt 363670(DIASHOW: Der 26. Spieltag) noch kämpferisch gegeben und auf die Frage, ob er glaube, dass er in der kommenden Saison noch Trainer auf Schalke sei, geantwortet: "Wer denn sonst?" (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch die Suche nach einem neuen Trainer läuft längst auf Hochtouren.

Heldt trifft sich mit Rehhagel

Otto Rehhagel gilt als erster Kandidat, den Platz bis zum Saisonende zu übernehmen und könnte bereits am Wochenende im Spiel bei Bayer Leverkusen auf der Bank sitzen.

Sportdirektor und Vorstandsmitglied Horst Heldt soll sich mit dem 72-Jährigen bereits getroffen haben.

Rehhagel arbeitete bis zum Ende der WM 2010 als Nationaltrainer Griechenlands. In der Bundesliga stand er unter anderem in Kaiserslautern, München, Bremen und pikanterweise auch Dortmund unter Vertrag.

Eichkorn: Trennung von Magath

Ein weiterer Anwärter auf den Trainerstuhl ist Magaths bisheriger Co-Trainer Seppo Eichkorn.

Zwar arbeitete der 54-Jährige seit 2001 in Stuttgart, München, Wolfsburg und bei Schalke an der Seite von Magath. Doch wie es scheint, hat sein langjähriger Gefolgsmann sich von Magath losgesagt.

Nach der Entlassung von Pressesprecher Rolf Dittrich, einem engen Magath-Vertrauten, wäre dies für den Manager-Coach, der in Heldt einen Gegenspieler hat, der einst in Stuttgart erfolgreich mit ihm zusammenarbeitete, ein weiterer Rückschlag.

Eichkorn soll bereits seine Bereitschaft signalisiert haben, bei einer Entlassung Magaths auf Schalke zu bleiben.

Rangnick bekundet Interesse

Gerne zurückkehren nach Gelsenkirchen würde offenbar Ralf Rangnick.

Der 52-Jährige, der in dieser Saison bei 1899 Hoffenheim entlassen wurde, war bereits von September 2004 bis Dezember 2005 Schalke-Coach.

Rangnick, der sich selbst einst als "Schalke-Fan" bezeichnete, soll sogar bereit sein, das Ruder noch in der laufenden Saison zu übernehmen.

Alleinherrscher Magath hingegen muss sein Zepter wohl abgeben.

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