vergrößernverkleinern
Claudio Pizarro hat in zehn Ligaspielen sieben Mal getroffen © getty

Wer das Nordderby vor Ort erleben will, muss tief in die Tasche greifen. Ob der HSV und Werder derzeit das Geld wert sind, ist fraglich.

Von Martin van de Flierdt

München ? Es ist ein Pflichttermin für die Fans des Hamburger SV und solche von Werder Bremen.

Das Nordderby im Stadion mitzuerleben dürfte für einige von ihnen in diesem Jahr allerdings kaum erschwinglich sein.

Bis zu 97 Euro kostet eine Tribünenkarte, pro Spielminute bei Wind und Winterwetter darf der gemeine Anhänger also knappe 1,08 Euro berappen. Ein stolzer Preis angesichts des Umstands, dass sich beide Mannschaften derzeit nicht auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft befinden.

Der HSV ist nach Pleiten in den vergangenen drei Auswärtsspielen von Platz eins auf Rang fünf zurückgefallen. Würden sich die "Rothosen" nun auch noch die erste Heimniederlage einfangen, fielen sie gar hinter die Bremer zurück.

Deren Ausbeute von 20 Punkten aus 13 Spielen ist so dürftig wie seit acht Jahren nicht mehr. Dennoch befindet sich Werder ? statistisch betrachtet ? mit sieben Punkten aus den jüngsten drei Spielen im Aufwind.

Dass die Grün-Weißen nur eines der vergangenen zehn Duelle mit den Hamburgern verloren, ist eine weitere nette Zahlenspielerei, die prinzipiell für die Gäste spricht, auf das Spiel am Sonntag (ab 16.30 Uhr LIVE) aber ernsthaft betrachtet keine Auswirkungen hat.

Mittelfeldzentrale nicht dabei

Vielmehr könnte ins Gewicht fallen, dass die Hamburger auf ihre eingespielte Mittelfeldzentrale verzichten müssen. Da neben dem verletzten Nigel de Jong (Innenbandriss) auch der gelbgesperrte David Jarolim fehlt, wird Innenverteidiger Joris Mathijsen (Spielerporträt) den HSV erstmals als Kapitän aufs Feld führen.

"Das ist eine große Ehre für mich. Die Spiele gegen Werder sind etwas ganz Besonderes", ist sich der Niederländer der Verantwortung bewusst. "Wir werden ohne Ende kämpfen, um unsere Fans glücklich zu machen."

Auf ihn selbst kommt eine besonders knifflige Aufgabe zu, denn der HSV ist der erklärte Lieblingsgegner von Claudio Pizarro. In 13 Spielen gegen Hamburg traf Bremens Angreifer elfmal. "Er ist ein Klassestürmer mit einem tollen Torriecher", zollt sogar HSV-Coach Martin Jol dem Peruaner Respekt.

Hoffnungen ruhen auf Petric

Mit Mladen Petric hat er auch in seinen Reihen einen Toptorjäger. "Wenn er nicht da wäre, hätten wir vielleicht mehr Probleme", schwant Jol. Der Kroate wird wohl auch gegen Werder zu seinen Chancen kommen.

Nicht zuletzt, weil die Bremer ihre Dauerbaustelle Außenverteidigung nicht in den Griff bekommen. Clemens Fritz und Sebastian Boenisch sind nach ihren Muskelfaserrissen noch nicht wieder fit, Sebastian Prödl war zuletzt völlig von der Rolle.

So könnte Peter Niemeyer, der an der Weser bislang über eine Statistenrolle kaum hinausgekommen ist, eine neue Chance auf der Rechtsverteidigerposition bekommen. Für die linke Abwehrseite hat sich Dauernotlösung Petri Pasanen rechtzeitig fit gemeldet.

"Wir sollten beim HSV gewinnen"

Die Langzeitverletzten Daniel Jensen und Martin Harnik sind dagegen wie der gesperrte Mesut Özil (Spielerporträt) nicht mit von der Partie. "Um bei der Frage nach der Nummer eins im Norden sicherzugehen, sollten wir beim HSV gewinnen", formuliert Sportdirektor Klaus Allofs Werders Anspruch.

Torsten Frings erwartet ein Spiel, "in dem viel gefoult wird". Eine besondere Begrüßung durch das Hamburger Publikum dürfte zudem Tim Wiese erwarten, der sich bei Ivica Olic für seine wüste Attacke beim jüngsten Nordderby längst entschuldigt hat.

"Ich weiß, was auf mich zukommt", sagte der frisch gebackene Nationaltorwart der "Syker Kreiszeitung". "Unabhängig von der Sache mit Olic wurde ich in Hamburg in den letzten Jahren beleidigt oder mit Gegenständen wie Feuerzeugen oder abgebrochenen Jägermeister-Flaschen beworfen. Ich muss das einfach ausblenden."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel