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Felix Magath ist seit Sommer 2009 Trainer und Sportvorstand bei Schalke 04 © getty

Der Aufsichtsrat einigt sich schnell auf die Trennung - Magath kommt nicht mal zur Sitzung. Nachfolger soll Rangnick werden.

Von Martin Volkmar

München/Gelsenkirchen - Die Ära des bisherigen Alleinherrschers Felix Magath bei Schalke 04 ist nach nicht mal zwei Jahren beendet.

Der Aufsichtsrat der Königsblauen beschloss nach einer relativ kurzen außerordentlichen Sitzung am Mittwochmorgen einstimmig die sofortige Trennung vom bisherigen Sportvorstand, Trainer und Manager.

Nachfolger soll Ralf Rangnick werden, dem angeblich ein unterschrifstreifer Dreijahresvertrag vorliegt. 365260(DIASHOW: Das Trainer-Karussell)

"Aus Sicht des FC Schalke 04 gibt es sehr gute Gründe für diese Trennung. Wir werden diese in der Öffentlichkeit nicht kommunizieren, weil nun ein juristisches Verfahren bevor steht", erklärte Aufsichtsrats-Vorsitzender Clemens Tönnies:

"Wir sehen diesem Verfahren sehr gelassen entgegen. Inhaltlich ist das, was wir entschieden haben, für den FC Schalke 04 ein gutes Ergebnis."

Heldt der neue starke Mann

Gleichzeitig wird der Vorstand neu geordnet: Als neuer starker Mann übernimmt Horst Heldt den sportlichen Bereich und die Kommunikation.

Peter Peters verantwortet die Bereiche Finanzen, Verwaltung und Marketing.

"Der Aufsichtsrat hat den Vorstand beauftragt, eine Toplösung zu finden", sagte Tönnies und fügte an:

"Wir werden einen Neuanfang machen. Es geht hier nicht um einen FC Tönnies oder FC Magath. Es geht hier um den FC Schalke 04."

Magath verzichtet auf Sitzung

Magath, der 2009 vom Meister VfL Wolfsburg zu den Königsblauen gekommen war, hatte den Kampf um seinen Job schon vorher aufgegeben und war entgegen seiner Ankündigung nicht zur Sitzung in der Schalker Arena erschienen.

Somit verzichtet der bisherige Sportchef auf sein Widerspruchrecht, so dass die Abstimmung des Kontrollgremiums über seine Absetzung nur noch Formsache war.

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"Herr Magath wird an der heutigen Aufsichtsratssitzung nicht teilnehmen, da eine Teilnahme keinen Sinn ergibt. Der Verein hat Herrn Magath gestern nur eine unvollständige, stichwortartige Tagesordnung des Treffens geschickt. Das genügt nicht", schrieb Magaths neuer Medienanwalt Ralf Höcker am Mittwoch in einer Stellungnahme:

"Denn wenn Herr Magath die Gelegenheit zur Aussprache erhalten soll, muss er wissen, worum es in der Sitzung überhaupt geht. Wir haben den Verein deshalb aufgefordert, uns endlich mitzuteilen, ob und welche konkreten Vorwürfe im Raume stehen und uns die entsprechenden Unterlagen zur Verfügung zu stellen."

Vorwurf: Verstoß gegen Satzung

Die Schalker Führung wirft Magath unter anderem Verstöße gegen die Satzung vor, da er mehrere Zahlungen eigenmächtig und ohne die nötige Absprache mit dem Aufsichtsrat angewiesen haben soll.

Dabei geht es angeblich um einige Transfers über 300.000 Euro, die er sich genehmigen lassen müsste, sowie millionenschwere Prämienzahlungen an Spieler und Spielerberater.

Mit zwei Rechtgutachten von Professoren aus Köln und Bochum will der Klub das belegen.

Dadurch erhoffen sich die mit 250 Millionen Euro verschuldeten Schalker, dass das restliche Gehalt von rund zwölf Millionen Euro bis zu Magaths Vertragsende 2013 nicht gezahlt werden muss. (Keine Abfindung für Magath?).

"Wir haben Revisionen gemacht und dabei Dinge nicht so vorgefunden, wie wir sie vorfinden müssen", sagte Tönnies.

Zudem sei das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft zerstört gewesen.

Magath widerspricht

Magath bestreitet alle Vorwürfe: "Ich habe mir nicht vorzuwerfen und mich immer an die Regeln gehalten. Diese Vorwürfe müssen bewiesen werden." (Magaths Zeit läuft ab - Aufsichtsratssitzung folgt)

Doch stattdessen seien dem 57-Jährigen keine Gründe für die Entlassung genannt worden, monierte sein Anwalt Höcker.

"Welche Regelverstöße allerdings Herr Magath begangen haben soll, darüber rätseln wir noch immer", sagte er.

Nun droht die von vielen vermutete juristische Schlammschlacht.

Rangnick soll spätestens im Sommer kommen

Die Nachfolge auf der Trainerbank soll bereits geregelt sein: Laut "Bild" ist sich der Vize-Meister mit Ralf Rangnick weitgehend einig über eine Übernahme zur neuen Saison.

Möglicherweise wird der 52-Jährige, der Schalke schon von September 2004 bis Dezember 2005 trainierte, aber sogar am 1. April gegen St. Pauli sein Comeback feiern.

Unter anderem könnten den Ex-Coach von 1899 Hoffenheim die Aussicht aufs Viertelfinale der Champions League und das DFB-Pokalfinale locken.

Eichkorn oder Rehhagel als Interimslösung

Ansonsten gibt es zwei Modelle: Entweder betreut der bisherige Co-Trainer Seppo Eichkorn, der sich von Magath anscheinend gelöst hat, das Team bis zum Sommer.

Oder Trainer-"Oldie" Otto Rehhagel feiert sein Bundesliga-Comeback. Der 72-Jährige soll dem mit ihm befreundeten Tönnies diese Hilfe zusagt haben.

Das erste Training nach der Trennung am Mittwochnachmittag übernehmen Magathas bisherige Assistenten Eichkorn, Bernd Hollerbach und Bernd Dreher.

Ob sie darüber hinaus eine Zukunft bei Schalke haben, ist ebenso wie bei den weiteren von Magath geholten Mitarbeitern offen.

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