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Bernd Hoffmann war seit 2003 Vorstands-Vorsitzender des Hamburger SV © getty

Der HSV löst die Verträge des Vorstandsbosses und seiner Kollegin Kraus auf. Damit bestätigten sich die SPORT1-Informationen.

Hamburg - Beim Hamburger SV geben sich die Verantwortlichen weiter die Klinke in die Hand.

Drei Tage nach der Trennung von Trainer Armin Veh verkündete der Aufsichtsrat der Hanseaten am Mittwoch die vorzeitigen Vertragsauflösungen von Klubchef Bernd Hoffmann und dessen Vorstandskollegin Katja Kraus.

Damit bestätigten sich die SPORT1-Informationen vom Mittwochmorgen, dass der Vertragsauflösung mit Hoffmann und Kraus bereits beschlossene Sache sei.

Hoffmann, der den Verein gut acht Jahre lang führte, folgt auf Interimsbasis der Unternehmer Carl Edgar Jarchow nach.

Als Ersatz für Kraus bestellte das Kontrollgremium für die kommenden zwei Jahre den Marketingexperten Joachim Hilke. Damit hat der HSV nach der Entmachtung Hoffmanns vorerst seine Handlungsfähigkeit zurückgewonnen.

Hoffmann und Kraus werden Abfindungen erhalten.

Hoffmann: "Werde Teil der HSV-Familie bleiben"

"Es war mir an jedem Tag eine Freude und Ehre, für diesen fantastischen Klub zu arbeiten. Auch an schwierigen Tagen. Ich bedauere sehr, dass aufgrund der Entwicklung der vergangenen Wochen eine Fortsetzung der erfolgreichen Entwicklung nicht möglich ist", sagte Hoffmann.

Er war eigentlich noch bis zum 31. Dezember an den Verein gebunden, nach der verweigerten Vertragsverlängerung durch den Aufsichtsrat vor rund eineinhalb Wochen aber kaum mehr als ein Klubboss auf Abruf.

"Ich bin sicher, wir hätten noch viel bewegen können. Ich wünsche dem HSV und allen HSVern alles Gute und werde Teil der HSV-Familie bleiben", sagte Hoffmann.

Jarchow: Ohne Bammel, aber mit Respekt

Interimschef Jarchow und Hilke sind im HSV keine Unbekannten.

FDP-Politiker Jarchow, der im vergangenen Monat in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt worden war, gehörte von 2001 bis 2004 dem Aufsichtsrat an.

[kaltura id="0_wcq9ob2y" class="full_size" title="Kahlschlag beim HSV"]

Hilke war bereits von 1998 bis 2001 Mitglied im Vereinsvorstand.

"Das ist ein besonderer Tag für mich. Seit ich lebe, bin ich Fan des HSV. Es gilt jetzt, Ruhe in den Verein zu bringen", sagte Jarchow, der sich nach Benennung eines dauerhaften Nachfolgers für Hoffmann wieder auf seinen "Dauerkartenplatz zurückziehen" will.

"Ich habe keinen Bammel vor dieser Aufgabe, aber großen Respekt. Der HSV ist ein großes Wahrzeichen dieser Stadt", führte Jarchow aus.

Kein Statement zu Oennings Zukunft

Nach seiner offiziellen Vorstellung suchte der neue HSV-Boss das Gespräch mit Sportchef Bastian Reinhardt und Trainer Michael Oenning, der am Sonntag die Nachfolge Vehs angetreten hatte.

Zu der Frage, ob der Coach auch über das Ende der Saison hinaus auf der Hamburger Bank sitzen werde, wollte Jarchow keine Stellung beziehen.

Am Nachmittag stellte sich der 55-Jährige dann der Mannschaft vor. Auch ein Gespräch mit dem künftigen Sportchef Frank Arnesen war geplant.

Rieckhoff nach "unerträglichen Wochen" erleichtert

HSV-Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckhoff zeigte sich nach der Umbesetzung des Vorstandes erleichtert.

"Die vergangenen Wochen waren für alle unerträglich. Da kommt man an seine Grenzen. Dieses Gefühl hatten Katja Kraus, Bernd Hoffmann und ich", sagte der 59-Jährige, der sich mit den bisherigen Führungskräften "einvernehmlich" auf die Trennung einigte:

"Wir sind gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass es die beste Lösung ist. Ich bedauere die Entwicklung der vergangenen Wochen, sehe sie aber auch als große Chance für den HSV an."

Hoffmanns Bilanz: Acht Trainer - kein Titel

Hoffmann hatte die Führung des HSV am 1. Februar 2003 übernommen. In seiner Amtszeit entwickelte sich der Verein zum umsatzstärksten Bundesligisten nach Rekordmeister Bayern München, der erste Titelgewinn seit 1987 gelang aber nicht.

Stattdessen wurden in Hoffmanns Ägide acht Trainer verschlissen.

Am vergangenen Sonntag entließ der Klubchef als letzte große Amsthandlung Coach Veh.

Rieckhoff will die künftigen Personalentscheidungen nun in der gebotenen Gelassenheit angehen.

Jarchow will nicht dauerhaft bleiben

"Wir befinden uns jetzt in einer komfortablen Situation und können das in Ruhe inhaltlich vorbereiten", sagte der Chefkontrolleur und fügte mit Blick auf den kommenden Klubboss hinzu: "Das macht auch die Gesprächen mit möglichen Kandidaten einfacher."

Jarchow, der dem HSV ab sofort hauptamtlich vorsteht, schloss einen dauerhaften Verbleib an der Spitze des Klubs aus.

Hilke, der künftig eine Konstante in der Führung des Vereins sein wird, tritt seine Aufgabe selbstbewusst an. "Ich werde das

operative, kommerzielle Geschäft verantworten. Das ist eine Rolle, die mir auf den Leib geschneidert ist. Ich gehe diese Aufgabe mit riesengroßer Motivation und einer Portion Respekt an", meinte der 43-Jährige.

Deutliche Worte von Veh

Währenddessen hat Oennings Vorgänger Veh mit dem HSV abgerechnet.

"Dieser Verein steht sich selbst im Weg", sagte Veh im Interview mit der "Sport Bild": "Untereinander wird beim HSV sehr viel Politik gemacht, es werden Einzelinteressen verfolgt. So was gehört eigentlich in die Berliner Politik und nicht in einen Verein. Wenn das nicht aufhört, werden sie nie Erfolg haben."

Den Ex-Trainer störte vor allem, dass immer wieder Interna aus dem Klub an die Öffentlichkeit gelangten.

"Das kann nie im Leben gut gehen"

"Es ist der Wahnsinn, wie hier selbst Geheimnisse in die Öffentlichkeit gelangen. Ich weiß, dass bei großen Klubs immer viel erzählt wird", sagte Veh.

"Aber dann ist jedenfalls nicht alles wahr", erklärte der Trainer, der letzte Woche entlassen worden war, weiter: "Beim HSV stimmten die Dinge immer alle, die in der Zeitung standen. Und ich habe vieles gar nicht gewusst, von dem ich aus der Zeitung erfahren habe. Einmalig. Das kann nie im Leben gut gehen."

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