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Nach Magaths Entlassung leitete Seppo Eichkorn (l.) das Training © getty

Nach seinem Rauswurf reagiert Schalkes Ex-Coach mit einer überraschenden Maßnahme. Sein bisheriger Assistent übernimmt vorerst.

Von Martin Volkmar und Christian Stüwe

München - Nur wenige Stunden nach seinem Rauswurf bei Schalke 04 hat Felix Magath zum Gegenschlag ausgeholt.

Der am Mittwochmorgen von seinen Aufgaben entbundene Sportvorstand, Trainer und Manager erklärte seinerseits schriftlich seine sofortige Kündigung. 342788(DIASHOW: Von Stevens bis Magath)

"Herr Magath hat die unberechtigte und unwirksame Abberufung als Vorstand zum Anlass genommen, seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen", teilte sein neuer Medienanwalt Ralf Höcker mit.

Magath selber äußerte sich ebenfalls:

"Bedauere das unschöne Ende"

"Ich bedauere sehr, dass meine erfolgreiche Tätigkeit für Schalke 04 ein solch unschönes Ende nehmen musste und wünsche dem Verein, der Mannschaft und den Fans für die Zukunft von Herzen alles Gute und viel Erfolg."

Die Frage, ob die Kündigung gleichbedeutend mit einem Verzicht auf jegliche Abfindungsansprüche ist, verneinte Magath im "kicker": Der Anspruch bleibe unberührt: "Mein Vertrag beinhaltet ein Sonderkündigungsrecht, das ich unter diesen Umständen nutzen konnte."

Dem Vernehmen nach könnte Magath zwischen zwölf und 20 Millionen Euro für seinen ursprünglich bis 2013 laufenden Vertrag einfordern.

Allerdings hoffen die mit rund 250 Millionen Euro verschuldeten Schalker, die Zahlungen nicht leisten zu müssen.

Sie werfen Magath unter anderem Verstöße gegen die Satzung vor, da er mehrere Zahlungen eigenmächtig und ohne die nötige Absprache mit dem Aufsichtsrat angewiesen haben soll.

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Profi-Etat angeblich auf 70 Millionen Euro erhöht

Dadurch sollen sich die Kosten für den Profi-Kader auf rund 70 Millionen Euro sogar deutlich erhöht haben, obwohl Magath bisher immer das Gegenteil behauptet hatte.

Offen bleibt derweil, wer neuer Coach auf Schalke wird. Vorerst übernahmen Magaths bisherige Assistenten die Trainingsarbeit, am Sonntag bei Bayer Leverkusen fungiert der langjährige Magath-Co Seppo Eichkorn als Interimscoach. (Keine Abfindung für Magath?).

Neuer Chefcoach bis 1. April - Rangnick bestätigt Gespräche

Ein neuer Cheftrainer soll bis zum ersten Spiel nach der Länderspielpause am 1. April beim FC St. Pauli gefunden werden. 365260(DIASHOW: Das Trainer-Karussell)

Angeblich liegt Ralf Rangnick, der bereits von September 2004 bis Dezember 2005 bei den Königsblauen arbeitete, ein unterschriftsreifer Dreijahresvertrag vor.

Inzwischen hat Rangnick bestätigt, dass er mit S04 in Kontakt steht. "Es gab Gespräche", sagte er der "dpa".

Sollte der Ex-Hoffenheimer erst zur neuen Saison kommen, könnte entweder Eichkorn länger bleiben oder Trainer-Routinier Otto Rehhagel bis dahin ein Comeback in der Bundesliga geben.

Zu dieser und allen anderen Fragen rund um den Rauswurf Magaths nach nur 623 Tagen äußerte sich Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies nach der entscheidenden Sitzung des Gremiums ausführlich.

SPORT1 hat die interessantesten Aussagen zusammengefasst.

Clemens Tönnies über...

die Gründe für die Entlassung Magaths:

"Es gab in den letzten Tagen ein Schlüsselerlebnis, das mich um 180 Grad hat drehen lassen. Wenn Felix Magath behauptet, dass der Verein jetzt wirtschaftlich besser dasteht als vor seiner Amtszeit, dann hat er wohl nicht ganz genau hingeguckt.

Wir haben Revisionen gemacht und dabei Dinge nicht so vorgefunden, wie wir sie vorfinden müssen.

Aus Sicht des FC Schalke 04 gibt es sehr gute Gründe für diese Trennung. Wir werden diese in der Öffentlichkeit nicht kommunizieren, weil nun ein juristisches Verfahren bevorsteht.

Wir sehen diesem Verfahren sehr gelassen entgegen. Inhaltlich ist das, was wir entschieden haben, für den FC Schalke 04 ein gutes Ergebnis."

die angeblich reduzierten Gehaltskosten der Schalker Mannschaft:

"Dass nachhaltig die Kosten für die Mannschaft reduziert wurden, halte ich für die Aussage von jemandem, der vielleicht nicht ganz genau hingeguckt hat."

das Verhältnis von Magath zur Mannschaft:

"Es gab ein weiteres Gespräch mit dem Mannschaftsrat. Dieser hat betont, dass die Situation immer schlimmer geworden ist. Dann habe ich wiederum mit Magath ein Gespräch geführt.

Es war eine ziemliche Auseinandersetzung zwischen uns beiden. Ich habe ihm gesagt: 'So funktioniert Schalke 04 nicht! Man muss auf die Menschen zugehen und sie mitnehmen. Sie verlieren diese Mannschaft - zumindest innerlich!'"

Magaths direkte Ansprache an die Fans:

"Ich finde es in hohem Maße verwerflich, die Fans zu instrumentalisieren und Entscheidungen, die in jedem Fall zu treffen sind, zu manipulieren."

sein Festhalten an Magath nach dem schwachen Saisonstart:

"Ich habe den Kopf aus dem Fenster gehalten, alle haben draufgehauen. Aber ich habe gesagt: Wir machen mit diesem Meistertrainer weiter."

das Modell des "Alleinherrschers":

"Das künftige Modell wird wieder das herkömmliche sein. Es gibt einen Vorstand, der für den sportlichen Bereich verantwortlich ist und die Entscheidung über den Trainer trifft."

den möglichen Nachfolger Magaths:

"Der Aufsichtsrat hat den Vorstand beauftragt, eine Toplösung zu finden. Daran arbeitet er und wird sie bekannt geben."

die Zukunft des Klubs:

"Die Schalker Familie wird wieder zusammenwachsen und die Gräben zuschütten. Es sind Kaiser und Könige gestorben, aber es ist immer weiter gegangen. Schalke wird es auch ohne Felix Magath geben."

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