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Schlechte Stimmung bei den Bayern: Die Stars gehen aufeinander los © getty

Bei Bayern brechen die Dämme: Abwehr und Angriff streiten, Spieler wollen weg. In Freiburg zählt nur ein Sieg.

Von Christian Paschwitz

München - Es ist der kürzlich noch für unmöglich gehaltene Total-Absturz:

Vor knapp einem Jahr begeisterte der FC Bayern ganz Fußball-Europa, gewann neben Meisterschaft und DFB-Pokal fast die Königsklasse.

Nach dem bitteren Aus nun auch in der Champions League mit dem 2:3 (2:1) im Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand gleicht der Rekordmeister dagegen einem Dampfkessel kurz vor der Explosion. (365846die Bilder)

Enormer angestauter Druck entweicht bereits.

SPORT1 nennt die Brennpunkte.

Zoff zwischen Abwehr und Sturm

Es kommt nicht von ungefähr, dass die gegenwärtige Mannschaft angesichts des Abwehrchaos übereinander herfällt. 365696(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Allen voran Arjen Robben schimpft über die Defensive nach dem K.o. gegen Inter: "Es kann nicht sein, dass wir zuhause drei Tore kriegen. Die Abwehr genügt momentan nicht den hohen Ansprüchen." (EINWURF: Bayerns Debakel ist van Gaals Debakel)

Die Gescholtenen schießen zurück, besonders Kapitän Philipp Lahm:

"Wir lassen im ganzen Spiel zwei große Chancen zu. Und offensiv haben wir sieben Chancen. Man macht es uns in der Abwehr nicht leicht, wenn man in der entscheidenden Phase nicht die Tore macht."

Abwanderungsgedanken bei den Stars

Auch in der Kabine soll es zu einer lautstarken Aussprache gekommen sein.

Die gegenseitigen Vorwürfe lassen tief blicken, wie es um das interne Betriebsklima bestellt ist, durch das bei den Akteuren offenbar auch handfeste Abwanderungsgedanken reifen.

Breno, vielkritisierter Innenverteidiger, twitterte nach dem Champions-League-Aus zu nächtlicher Stunde: "Ich denke, es ist Zeit, zur besten Mannschaft der Welt zurückzukehren. Das ist der FC Sao Paulo."

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Darüber hinaus ist klar, dass die Bankdrücker Hamit Altintop, Miroslav Klose und möglicherweise auch Anatoly Tymoshchuk ebenfalls weg wollen.

Und auch Robben nährt Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied mit dem Verweis, es sei undenkbar für ihn, bald womöglich eine Saison ohne Königsklasse spielen zu müssen. (365718die Einzelkritik).

"Europa League? Das kann ich mir nicht vorstellen", so der Niederländer. "Das ist nicht der Titel, den man gewinnen will. Das ist nicht mein Anspruch." (241095DIASHOW: Planspiele des FC Bayern)

Auch Franck Ribery dürfte kaum zu halten sein - doch Sportdirektor Christian Nerlinger wiegelt noch ab: "Wir wollen in die Champions League und werden das schaffen."

Bosse unter Druck

Auch die Bayern-Bosse stehen mit dem Rücken zur Wand, zumal als Tabellen-Vierter das sportliche Minimalziel Platz drei kein Selbstläufer wird.

Es droht das Total-Fiasko, weil ohne Teilnahme im Europas Zirkel der Besten zweistellige Millionen-Einnahmen wegbrechen würden.

Vom Prestige-Verlust, um das "eigene" Champions-League-Finale 2012 in München nicht mal mitspielen zu dürfen, ganz zu schweigen.

"Klar ist, dass wir im Sommer diese Defensive verstärken müssen, wir müssen hinten etwas tun", wird Nerlinger im "kicker" deutlich.

Handlungsbedarf in der Defensive

Nach dem desolaten Saisonverlauf dürfte der Sportdirektor gleich zwei Innen- und einen Außenverteidiger im Auge haben und die krasse Fehleinschätzung des Sommers bereuen.

Da hatten sich die Klub-Oberen auf Trainer Louis van Gaal verlassen, der Verpflichtungen für die Defensive rundweg ablehnte.

Der von Manchester United angebotene Nemanja Vidic landete ebenso wenig an der Säbener Straße wie Gregory van der Wiel (Ajax Amsterdam) und Fabio Coentrao (Benfica Lissabon).

Weil der Trainer allein auf David Alaba (inzwischen an Hoffenheim ausgeliehen) und Diego Contento (wieder bei den Reserven) baute.

Freiburg van Gaals nächstes Finale

An van Gaal, der am Saisonende ohnehin gehen muss, wächst unterdessen die Kritik.

"Die Abwehr ist nicht Champions-League-tauglich. Da hat man einiges versäumt, da war man zu blauäugig", schimpfte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer auf "Sat.1".

Eine Spitze gab es vom "Kaiser" auch hinsichtlich der Rotation zwischen den Pfosten:

"Man hat ohne Not den Torhüter gewechselt und einen jungen Mann gebracht. Aber vor ihm eine unsichere Abwehr, er ein Neuling. Das hat natürlich nicht gepasst."

Die Jobgarantie von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach der Inter-Pleite ("Na sicher bleibt der Trainer im Amt") könnte schon bei einer weiteren Niederlage beim SC Freiburg am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) hinfällig sein.

Vermutlich müssten die Assistenten Herrmann Gerland und Andries Jonker versuchen, zu retten was noch zu retten ist.

Denn Wunschkandidat Jupp Heynckes, der laut SPORT1-Informationen wohl sicher im Sommer nach München zurückkommt, steht noch bis Saisonende bei Bayer Leverkusen unter Vertrag.

Dann soll alles besser werden. Wenn es nicht zu spät ist.

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