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Clemens Tönnies (l.) warb Felix Magath 2009 aus Wolfsburg für Schalke ab © imago

Was wird ihm vorgeworfen? Warum hat er gekündigt? Was sagen die Spieler? Die vier wichtigsten Antworten zum Magath-Rauswurf.

Von Martin Hoffmann und Thorsten Mesch

München - Felix Magath, der Meistertrainer, und Clemens Tönnies, der allmächtige Aufsichtsratschef von Schalke 04.

Als die beiden im Frühjahr 2009 auf einem Bauernhof zusammenfanden, erschien das wie eine Märchenhochzeit.

Weniger als zwei Jahre später folgte die "schmutzige Scheidung" ("Bild") samt anschließender "Schlammschlacht" ("kicker").

Zwar hat Schalke 04 in Ralf Rangnick schnell ein neuen Coach gefunden - aber der entlassene Ex wird den Klub noch eine Weile beschäftigen.

SPORT1 beantwortet die fünf wichtigsten Fragen zur Auseinandersetzung zwischen Schalke und Magath 342788(DIASHOW: Von Stevens bis Magath).

Was wird Magath vorgeworfen?

Im Zentrum der Anschuldigungen steht Tönnies' Satz: "Wir haben Revisionen gemacht und dabei Dinge nicht so vorgefunden, wie wir sie hätten vorfinden müssen."

Um falsch geordnete Aktendeckel geht es nicht: Schalkes Aufsichtsrat - der einstimmig hinter Chef Tönnies steht - führt die Anschuldigungen auf anwaltliches Anraten nicht öffentlich aus, hinter ihnen stehen aber drei Gutachten von Wirtschaftsprüfern und Juristen.

Laut "Bild" ist die Rede von 3,1 Millionen Euro Champions-League-Prämien und rund vier Millionen Euro für "Nebenabsprachen mit Spielerberatern", die unter Magath geflossen sein sollen - ohne die vorgeschriebene Zustimmung des Aufsichtsrats

Die "WAZ" berichtet von Spielertransfers, bei denen Magath mehr Geld ausgab, als es ohne Zustimmung der Kontrolleure erlaubt gewesen wäre.

Die sahen sich durch Magath angebliche Verstöße zum Handeln gezwungen, um sich nicht selbst rechtlich für Versäumnisse bei ihrer Kontrollpflicht haftbar zu machen.

Gegenüber dem "Stern" kontert Magath: "Meines Wissens sind alle Transfers von mir und meinen Mitarbeitern korrekt abgewickelt worden. Ich habe immer alles mit Clemens Tönnies besprochen, der für Transfers mein Ansprechpartner war."

Olaf Thon, selbst früher im Aufsichtsrat der Königsblauen, wünscht sich im Gespräch mit SPORT1, dass der Verein die Karten auf den Tisch legt: "Ich wäre als Schalke-Mitglied erfreut, möglichst schnell zu erfahren, was dazu geführt hat, dass Magath entlassen wurde."

Der Verein täte gut daran "aufzuklären und grobe Verfehlungen, die jemand an den Tag gelegt haben soll, auch öffentlich darzustellen. Sonst gibt es die wildesten Gerüchte."

[kaltura id="0_pboke5fb" class="full_size" title="Fans freuen sich auf Rangnick"]

Warum hat Magath selbst gekündigt?

Magaths Vertrag soll ein Sonderkündigungsrecht für den Fall seiner Abberufung als Vorstand beinhalten.

Dem Vernehmen nach steht ihm nach der Abrufung als Vorstandsmitglied im Falle einer eigenen Kündigung eine millionenschwere Abfindung zu.

Magath verzichtet also nicht auf die weiteren Bezüge beziehungsweise eine Abfindung, sondern beharrt im Gegenteil darauf.

Schalke allerdings hat Magath nicht nur abberufen, sondern nach eigenen Angaben selbst gekündigt - während Magaths Seite behauptet, man sei ebendieser Kündigung zuvorgekommen.

Der Klub sieht sich dagegen durch Magaths Schritt in seinem Handeln "bestätigt" und sieht die Lage nun so, "dass er keine Ansprüche mehr gegen Schalke 04 hat".

Magath betont, er sei "von einem Schuldeingeständnis ganz weit entfernt. Ich habe mir nämlich nichts zuschulden kommen lassen."

Einen von Schalke angebotenen Vergleich zur diskreten Beilegung der Kontroverse hat Magath deshalb auch abgelehnt.

Was wird aus Magaths Hofstaat?

Pressesprecher Rolf Dittrich, dem vorgeworfen wird, eine T-Shirt-Aktion für Magath und gegen Tönnies ("Clemens, du Wurst") finanziert zu haben, angeblich gar aus Vereinsmitteln, ist schon gefeuert - obwohl er die Anschuldigungen bestreitet.

Co-Trainer Seppo Eichkorn beerbt Magath vorerst als Interims-Coach und hat sich bereit erklärt, seinen Vertrag auch ohne Magath zu erfüllen - wenn Rangnick es will.

Auch Torwarttrainer Bernd Dreher ist laut "kicker" gewillt zu bleiben.

Bei Co-Trainer Bernd Hollerbach, der Magaths Entlassung eine "Riesen-Enttäuschung" nannte, und Konditions-Coach Werner Leuthard ist die Lage wohl anders. Beide waren am Donnerstagmorgen nicht mehr beim Training.

Auf Abschied stehen die Zeichen offenbar auch bei Ronny Gersch. Der Chef der Lizenzspielerabteilung wurde ebenfalls von Magath geholt.

Was sagt die Mannschaft?

"Es gibt keinen Grund fröhlich zu sein", sagt Christoph Metzelder über Magaths Aus: "Die Demission eines Trainers ist eine gefühlte Niederlage für die Mannschaft."

Die habe "nicht gegen den Trainer opponiert. Die Trennung hat eher andere Gründe."

Metzelder, der zusammen mit Raul als letzter Magath-Vertrauter im Team galt, hat insofern recht, dass die "anderen Gründe" wohl tatsächlich noch schwerer wogen.

Dass zwischen Trainer und Team aber sehr wohl etwas im Argen lag, macht Abwehrkollege Benedikt Höwedes deutlich: "Wir haben versucht, das Verhältnis zum Trainer zu verbessern. Aber es ist nicht besser geworden." ähnlich äußerte sich Kapitän Manuel Neuer.

Schalke-Legende Thon ist "mehr als überrascht, dass der Graben zwischen Mannschaft und Trainer so groß war, wo doch die Leistungen in den letzten Wochen immer besser wurden".

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