vergrößernverkleinern
Ralf Rangnick führte Hoffenheim von der Regionalliga ins Oberhaus © getty

Der frühere Hoffenheim-Coach heuert für eine zweite Amtszeit auf Schalke an. Er nimmt schon kommende Woche seine Arbeit auf.

Von Martin Hoffmann

München - Die Nachfolge des spektakulär entlassenen Schalke-Trainers Felix Magath ist geklärt.

Ralf Rangnick hat einen Drei-Jahres-Vertrag bei den Königsblauen unterschrieben. Er wird am Montag offiziell vorgestellt und soll dann auch das erste Training leiten.

S04-Manager Horst Heldt bestätigte am Donnerstagmittag entsprechende SPORT1-Informationen. Folglich muss der bisherige Magath-Assistent Seppo Eichkorn nur am Sonntag gegen Bayer Leverkusen einspringen.

Rangnick sitzt am 1. April beim FC St. Pauli erstmals auf der Bank.

"Eigentlich kann er nur gewinnen"

Heldt, der nach Magaths Aus am Mittwoch dessen Manager-Aufgaben übernommen hatte, war vom Aufsichtsrat mit der Trainersuche beauftragt worden. Er entschied sich für eine große Lösung.

"Mein Ziel war es, zeitnah einen Cheftrainer zu finden, der über die Saison hinaus für Schalke arbeitet", sagte der ehemalige Stuttgarter: "Das hat den Vorteil, dass er in die Kaderplanung für die nächste Spielzeit eingebunden ist. Und er kann persönlich die aktuellen Spieler beurteilen. Eigentlich kann er nur gewinnen."

Sogar seinen ersten Titel: Im DFB-Pokal-Finale gegen den Zweitligisten MSV Duisburg ist Schalke Favorit, zudem stehen die Königsblauen im Champions-League-Viertelfinale - als letzter Bundesliga-Klub.

2005: Ende mit Ehrenrunde

[kaltura id="0_0txzytou" class="full_size" title="T nnies Haben den Lokf hrer ausgewechselt "]

Für Rangnick - der schon Ulm in die Bundesliga führte und in der höchsten deutschen Spielklasse den VfB Stuttgart und Hannover trainiert hatte - ist es die zweite Amtszeit auf Schalke.

Die erste hatte er 2005 mit der berühmt-berüchtigten Ehrenrunde abgeschlossen.

Der 52-Jährige hatte von September 2004 bis Dezember 2005 bei S04 an der Seitenlinie gestanden und den Klub zur Vize-Meisterschaft, ins Finale des DFB-Pokals gegen Bayern München (1:2) und in die Champions League, in der die Gelsenkirchener knapp die K.o.-Runde verpassten.

"Mein Herz hängt an Schalke"

Bis heute ist Rangnick der Schalker Coach mit dem besten Punkteschnitt (2,00) im Oberhaus.

Rangnick hatte schon bei seinem ersten Engagement auf Schalke immer wieder erklärt, er fühle sich als Arbeiterkind dem Traditionsklub besonders verbunden. "Mein Herz hängt an Schalke", hatte er stets betont.

"Ich wollte den besten Trainer bekommen, der sich mit dem Verein zu 100 Prozent identifiziert und die Werte des Vereins mitträgt", sagte Heldt.

Rehhagel-Plan hinfällig

Rangnick trainierte zuletzt 1899 Hoffenheim, wo er Anfang Januar wegen schwerer Differenzen mit Klub-Mäzen Dietmar Hopp seinen Posten als Coach niedergelegt hatte.

Der Verein, den er von einem Regionalliga-Team zum Bundesliga-Herbstmeister 2008 formte, hatte hinter Rangnicks Rücken den Spieler Luiz Gustavo an Bayern München verkauft.

Nach seinem Abgang hatte Rangnick erklärt, in dieser Saison keinen Klub mehr trainieren zu wollen.

Diese Aussage ist nun ebenso hinfällig wie Schalkes Notfallplan, bis zum Ende der Saison Otto Rehhagel als Interims-Coach zu verpflichten.

Demontiert von Assauer

Rangnicks Entlassung im Dezember 2005 - der Klub stand damals auf Platz vier - wurde seinerzeit vor allem von Rudi Assauer betrieben.

Dem damaligen Manager war unter anderem die Kontrollwut des Coachs ein Dorn im Auge ("Wir haben dich nicht eingekauft, um das Hotel zu buchen und den Bus zu bestellen").

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies soll den Schritt später bedauert und bereut haben, sich Assauer nicht entschiedener entgegengestellt zu haben.

Thon begrüßt Verpflichtung

Schalke-Legende Olaf Thon, der damals mit Tönnies im Aufsichtsrat saß, begrüßt bei SPORT1 Rangnicks Verpflichtung:

"Er hat auf Schalke keine verbrannte Erde hinterlassen und ich finde es gut, wenn so ein Mann die Chance bekommt."

Rangnick habe in Gelsenkirchen wie in Hoffenheim "bewiesen, dass er ein Konzept hat und etwas aufbauen kann".

Thon hofft, dass Schalke in Rangnick einen Coach gefunden hat, "der länger als ein, zwei Jahre durchhält und mal über etliche Jahre a la Werder Bremen etwas aufbauen kann".

Heldt distanziert sich vom "Meister-Plan"

Nach dem abrupten Ende der Ära Magath soll aber nicht nur der Trainer anders arbeiten. Auch Manager Heldt hat andere Vorstellungen als sein Vorgänger.

Vom Magathschen Ziel, in den nächsten zwei Jahren Meister zu werden, nimmt er Abstand:

"Wir müssen uns davon verabschieden, permanent in irgendwelchen Zeitplänen zu denken mit dem Ziel, Deutscher Meister zu werden", sagte der 41-Jährige: "Für den Verein gibt es auch wichtige andere Ziele, zum Beispiel dass wir uns weiter wirtschaftllich konsolidieren."

Natürlich müsse der "zweitgrößte Verein in Deutschland" den Anspruch haben, "immer ein Wörtchen um die internationalen Plätze mitzureden" oder "auch mal einen Titel zu gewinnen, aber mit der nötigen Balance."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel