Ralf Rangnick ist in seinem zweiten Engagement als Schalke-Coach eine Risiko-Besetzung - auch weil er Magath nicht unähnlich ist.

Es ist die Ehrenrunde nach der Ehrenrunde.

Ralf Rangnick ist wieder Trainer auf Schalke 04: Es ist die Wiederauffrischung einer sportlich durchaus erfolgreichen Verbindung.

Eines, über dem aber von beginn an dieselbe Frage schwebt wie bei allen anderen Liebes-Revivals: Kann das gut gehen?

Oder kommt bei der aufgewärmten Liaison doch nur dasselbe raus wie bei einer aufgewärmten Pizza?

Die Frage ist berechtigt, gerade wenn man bedenkt, dass beide Seiten für eine - vorsichtig ausgedrückt - lebhafte Beziehungsführung bekannt sind.

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Das kann von Vorteil sein: Der emotionale Rangnick passt in der Grundanlage sicher besser zu dem emotionalen Klub als ein Felix Magath, der Schalke nicht zuletzt wegen seiner kühl-distanzierten Art immer fremd blieb.

Andererseits: Auch das Engagement von Rangnick droht eher an dessen Persönlichkeit als an dessen unbestrittener Fachkompetenz zu scheitern.

So wie Rangnicks vorheriges Gastspiel auf Schalke, bei dem er schließlich genervt selbst seinen Abschied verkündete - und diesen dann mit der erwähnten Ehrenrunde beschleunigte.

Das Grundproblem damals war, dass ein Trainer, dessen Ideal der englische Teammanager ist, bei dem "alles in einer Hand ist", auf einen Klub und einen Manager Rudi Assauer traf, der selbst zu gerne die Hände an vielen Dingen hatte.

Assauer ist zwar nicht mehr - aber hat sich das Klubmilieu seitdem so sehr geändert?

Und ist es nicht eben spektakulär an einem Trainer gescheitert, der Rangnick bei allen Unterschieden in der erwähnten Denke überaus ähnlich ist?

In der Hinsicht ist Schalkes Trainerwahl bemerkenswert.

Ebenso wie Rangnicks Arbeitsplatzwahl bemerkenswert ist.

Hat er sich nicht eben erst auseinandergelebt von einem Verein, in dem er anfangs schalten und walten konnte wie er wollte - ehe auch dort mit dem Erfolg die Zahl der Mitreder und Streitigkeiten gewachsen ist?

Und jetzt Schalke?

Wahrscheinlich will Rangnick jetzt auch dorthin, um das Vorurteil zu widerlegen, dass er nur dann ein guter Trainer ist, wenn alles nach seinem Gusto läuft.

Eine Mission mit hohem Schwierigkeitsgrad: Das Erbe von Felix Magath belastet und hat viele Verärgerte hinterlassen - die eine Hälfte verärgert wegen Magath und seiner Art, die andere wegen Magaths Rauswurf.

Zuschütten kann Rangnick die Gräben nur mit Erfolgen. Er hat in der Champions League und im Pokalfinale gegen Duisburg zwar schnelle Gelegenheit, erste Erfolge einzufahren.

Aber auch das Risiko, sich mit einer Pokalpleite gegen einen Zweitligisten gleich den Geschmack von aufgewärmter Pizza einzuhandeln.

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