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Robert Lewandowski erzielte bislang sieben Pflichtspieltore für Borussia Dortmund © getty

Robert Lewandowski spricht im Interview über seine Rolle bei Dortmunds "Torschusspanik" und blickt auf die Champions League.

Von Jakob Gajdzik

München - Es war eine Szene wie ein Sinnbild für die Dortmunder "Torschusspanik" der letzten Wochen.

Robert Lewandowski fällt beim Auswärtsspiel in Hoffenheim (0:1) eine Flanke von links sechs Meter vor dem Tor auf den rechten Fuß.

Statt ins Tor und zur Führung zimmert der Pole den Ball aber zwei Meter über das Hoffenheimer Gehäuse.

Nur beim richtungsweisenden 3:1-Erfolg bei Bayern München verwertete Tabellenführer BVB in den letzten Wochen konsequent seine Chancen, in den restlichen Partien wurde ein ganzes Bündel Hochkaräter ausgelassen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vielen kommt beim Gedanken daran der manchmal etwas überhastete Lewandowski in den Sinn, auch wenn er mit entscheidenden Treffern wie beim 1:0 gegen Köln seine Klasse immer wieder nachweist.

Deshalb lässt der Nationalspieler Kritik an seiner Chancenverwertung im SPORT1-Interview vor dem Spitzenspiel gegen den FSV Mainz 05 (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) auch nicht gelten.

"Ich sehe das anders. Hätte jemand anders gespielt, hätte er diese Chancen womöglich gar nicht gehabt", sagt Lewandowski - und spricht zudem über die Rechenaufgabe Meisterschaft, die Chancen in der Champions League und die EM 2012 in der Heimat.

SPORT1: Der BVB hat beim 0:1 in Hoffenheim die erste Rückrunden-Niederlage kassiert? War das nur ein Ausrutscher?

Robert Lewandowski: Sowas passiert einfach. Es ist klar, dass man nicht alle Spiele gewinnen kann. In Hoffenheim konnten wir einfach nicht das abrufen, was wir können. Aber hoffen wir, dass so etwas die Ausnahme bleibt.

SPORT1: Jetzt kommen die auswärtsstarken Mainzer. Haben Sie Angst dass es bei einer erneuten Niederlage vielleicht noch mal spannend wird?

Lewandowski: Ich glaube nicht, dass wir verlieren werden. Wir sind zu Hause sehr gefährlich, weil wir dort immer besonders offensiv spielen. Wir hoffen natürlich, dass wir diesmal mehr Tore erzielen als in den letzten Heimspielen (Vier in den vier Heimspielen der Rückrunde, Anm. d.Red.).

SPORT1: Dortmund kommt der Meisterschaft immer näher. Zu wieviel Prozent sehen Sie den BVB bereits als Meister?

Lewandowski: So lange rein rechnerisch noch nichts entschieden ist, können wir noch nicht von der Meisterschaft sprechen. Es sind noch acht Spiele zu absolvieren und wir müssen uns auf jedes einzelne konzentrieren. Das ist das Wichtigste. Jedoch werden wir alles dafür tun, unseren Punktevorsprung zu halten und im besten Fall auszubauen.

SPORT1: Mit Mats Hummels hat ein weiterer Spieler langfristig verlängert. Glauben Sie, dass dieser Mannschaft in den kommenden Jahren in der Bundesliga die Zukunft gehört?

Lewandowski: Wir sollten uns erstmal auf diese Saison konzentrieren, die ist ja noch gar nicht beendet. Wir haben eine junge Mannschaft, die noch viel Potenzial hat, also hoffe ich schon, dass da noch was möglich ist. Dennoch konzentrieren wir uns erstmal auf unsere jetzigen Ziele. Der Rest ist noch zu weit weg.

SPORT1: Wie sehen Sie die BVB-Chancen nächstes Jahr in der Champions League?

Lewandowski: Ich denke wir haben gute Chancen, dort eine ordentliche Rolle zu spielen, wenn wir sie denn tatsächlich erreichen. Wir haben bereits in dieser Saison in der Europa League bewiesen, dass wir international mithalten können, auch wenn uns da noch etwas die Erfahrung gefehlt hat. Diese haben wir uns aber nun geholt.

SPORT1: Sie kamen vor der Saison von Lech Posen zur Borussia. Wie war das erste Jahr in der Bundesliga? Hätten Sie gedacht, dass Sie gleich so erfolgreich sein würden?

Lewandowski: Ich freue mich sehr darüber, dass es gleich so gut läuft. Rechnen konnte ich damit aber natürlich nicht, auch wenn ich bereits letztes Jahr in Posen Meister geworden bin. Ansonsten ist das erste Jahr im Ausland immer etwas schwer, man muss sich erstmal an alles gewöhnen. Das ist mir insgesamt sehr gut gelungen, und somit habe ich auch zunehmend Selbstvertrauen aufgebaut. Ich hoffe, dass ich mich noch besser eingewöhne, um besser zu spielen und mehr Tore zu schießen. Insgesamt fühle ich mich in Dortmund wohl.

SPORT1: Sie haben bisher sechs Tore erzielt, davon vier als Einwechselspieler. Wieso klappt es besser, wenn Sie von der Bank kommen?

Lewandowski: Ich weiß es nicht. Ich habe mich einfach auf dem Spielfeld gut gefühlt und dann auch meine Tore geschossen. Es war schade, dass ich dann trotz der Treffer nicht noch mehr Chancen bekommen habe zu spielen. Dann hätte es möglicherweise noch besser geklappt.

SPORT1: Die Chancenauswertung hat zuletzt beim BVB nicht immer gestimmt. Sie standen sinnbildlich dafür, haben öfters gute Chancen ausgelassen. Wie gehen Sie damit um?

Lewandowski: Ich sehe das anders. Hätte jemand anders gespielt, hätte er diese Chancen womöglich gar nicht gehabt. Es spricht für mich, dass ich überhaupt diese Gelegenheiten hatte. Schlimmer wäre es, wenn ich erst gar keine gehabt hätte.

SPORT1: Sie spielen zusammen mit Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek sowohl im Verein als auch in der polnischen Nationalmannschaft. Nächstes Jahr findet die EURO 2012 in ihrer Heimat und der Ukraine statt. Was trauen Sie der Mannschaft zu?

Lewandowski: Bis dahin haben wir noch etwas Zeit und auch viel Arbeit vor uns, doch wir hoffen, in die Rolle eines Geheimfavoriten zu schlüpfen. Wir wollen uns zunehmend steigern, dann wird auch das Selbstvertrauen steigen. Wir haben eine junge Mannschaft, doch man kann erkennen, dass es langsam immer besser wird.

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