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Louis van Gaal gewann 1994/95 mit Ajax Amsterdam die Champions League © getty

Louis van Gaal kann die rasanten Wechsel der Kollegen nicht verstehen. Seiner Handschrift will er im Saisonendspurt treu bleiben.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Louis van Gaal hat seinen Kampfgeist noch nicht verloren.

Zwei Tage nach dem bitteren Aus in der Champions League präsentierte sich der Bayern-Trainer angriffslustig.

Er verteidigte vor der Partie in Freiburg (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) den offensiven Stil seines Teams, das er nach der Inter-Pleite in vielen Einzelgesprächen versucht hat wieder aufzurichten.

"Das attraktive Spiel ist und war meine Handschrift", erklärte er auf SPORT1-Nachfrage.

Der Wunsch des im Sommer scheidenden Trainers ist, dass er damit in München in Erinnerung bleibt.

"Nicht wie eine Mannschaft gespielt"

"Wir haben gesehen, dass die Fans hinter unserem Team stehen, sie haben trotz des Ausscheidens am Dienstag uns nach dem Spiel applaudiert."

Und van Gaal erinnerte daran, dass die Spieler "in den ersten drei Monaten" seiner Amtszeit noch ausgepfiffen worden seien.

An der sportlich enttäuschenden Bilanz in dieser Saison ändert das nichts. (EINWURF: Bayerns Debakel ist van Gaals Debakel)

"Wir haben in der zweiten Halbzeit nicht wie eine Mannschaft gespielt", kritisierte er seine Profis scharf. Gegen Inter schenkten sie leichtfertig eine 2:1-Führung ab.

Offensive bekommt ihr Fett weg

Und auch die Offensivabteilung um Arjen Robben, Franck Ribery und Thomas Müller bekam eine Spitze ab. (241095DIASHOW: Planspiele des FC Bayern)

"Der Angriff fängt mit der Verteidigung an und umgekehrt", dozierte er.

[kaltura id="0_n6u5ufoh" class="full_size" title="Van Gaal Die Welt ist verr ckt "]

Doch das Spiel gegen Mailand ist auch für den stolzen Fußballlehrer passato und finito. "Wir wollen nicht in die Europa League, sondern in die Champions League", forderte van Gaal.

Und dann zeigte der Niederländer noch einmal das Gesicht des erfolgshungrigen "Feierbiests" aus der Vorsaison. "Wenn wir ab jetzt jedes Spiel gewinnen, dann haben wir 69 Punkte", sagte er und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: "Das ist utopisch, aber wir probieren es."

"Ist das gut für den Fußball?"

Van Gaal hat klare Vorstellungen vom Fußball, um so irritierter reagierte er jetzt auf den rasanten Wechsel von Schalkes Ex-Coach Felix Magath zum VfL Wolfsburg.

"Die Welt ist verrückt", sagte er angesichts des sich immer schneller drehenden Trainerkarussells in der Bundesliga. "Wir müssen uns fragen, ob das gut ist für den Fußball."

Aus seiner Sicht grenzt es an "Wettbewerbsverzerrung", wenn Trainer wie Ralf Rangnick (erst Hoffenheim, jetzt Schalke) oder Magath in der gleichen Saison zwei Teams coachen.

"Es gibt auch Transferfenster für Spielerwechsel, das sollte auch für die Trainer gelten", meinte van Gaal.

"Zu 99 Prozent ein Sabbatjahr"

Den Trainerkollegen Rangnick und Magath ließ er indirekt wissen, was er von deren Entscheidung hält. Die hänge auch mit der "Persönlichkeit" zusammen, "aber unsere Welt erlaubt das."

Zu seiner eigenen Situation nach Saisonende sagte van Gaal: "Ich werde zu 99 Prozent ein Sabbatjahr nehmen."

Van Buyten und Robben auf der Kippe

Im Alltagsgeschäft wird die Begegnung in Freiburg für Bayern und van Gaal die nächste Bewährungsprobe. "Sie werden mit viel Pressing agieren wie im Hinspiel", erklärte van Gaal mit Blick auf die Breisgauer, die zuletzt dreimal in Folge verloren haben.

Gegen den Sportclub hofft van Gaal auch wieder auf die angeschlagenen Daniel van Buyten und Arjen Robben, eine endgültige Entscheidung über ihren Einsatz steht aber noch aus.

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