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Unter Felix Magath wurde der VfL erst Fünfter und dann schließlich Deutscher Meister © getty

Der neue "Leitwolf" hat Socken, Unterhosen und die Glücks-Krawatte im Gepäck - und will sogar beim Abstieg bleiben.

Wolfsburg - Felix Magath schlürfte genüsslich seinen Tee und zog mit einem milden Lächeln seine grüne Wolfsburg-Krawatte glatt.

Als der Rückkehrer am Freitag vor 150 Journalisten als neuer Trainer des VfL Wolfsburg präsentiert wurde, wirkte er locker und gelöst.

Der 57-Jährige war sichtlich erleichtert, dass der Zoff mit seinem Ex-Klub Schalke 04 vorerst hinter ihm lag. Seine ganze Konzentration galt der neuen Mission Klassenerhalt in Wolfsburg.

"Es ist schwierig, wenn man zu so einem späten Zeitpunkt in der Saison eine Mannschaft übernimmt. Die Zeit ist knapp", sagte Magath, der einen Vertrag bis Sommer 2013 unterschrieb.

Der neue, alte Coach wird bereits am Sonntag (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) im Kellerduell beim VfB Stuttgart auf der Bank der "Wölfe" sitzen.

Beckenbauer begrüßt die Entscheidung

"Es ist wichtig, dass es sofort losgeht. Ich habe meine Socken und Unterhosen dabei", sagte der "Leitwolf". Auch Wolfsburgs Aufsichtsratsvorsitzender Francisco Garcia war erleichtert über den Coup.

Für seinen Klub gehe es nur noch um den Klassenerhalt. Nach dem Absturz auf Rang 17 habe man handeln müssen. "Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Die Verpflichtung von Felix Magath ist eine solche Maßnahme", sagte Garcia.

Auch "Kaiser" Franz Beckenbauer sprach von einer vielversprechenden Entscheidung.

"Seit dort der Notstand herrscht, hat man in Wolfsburg gedacht, es wird Zeit langsam umzudenken. Das haben die Verantwortlichen getan und versuchen, mit Felix da unten rauszukommen."

Plötzlich war Magath frei

Wie Garcia erklärte, habe man erst am Dienstagabend Kontakt zu Magath aufgenommen. "Er war plötzlich frei. Solche Geschichten gibt es nur im Fußball", sagte der Aufsichtsratsboss.

Dann ging alles sehr schnell.

Der neue Sportchef wurde wie schon in seiner ersten Amtszeit bei den Wolfsburgern (2007 bis 2009) mit großer Machtfülle ausgestattet.

[kaltura id="0_0dnhav1k" class="full_size" title="Magath War sofort Feuer und Flamme "]

Er ist einer von drei Geschäftsführern und verantwortet den Bereich Sport. "Ich war sofort Feuer und Flamme und wäre zu keinem anderen Verein gegangen", sagte Magath.

Deshalb würde den Verein auch im Falle eines Abstiegs begleiten: "Mein Vertrag hat auch für die Zweite Liga Gültigkeit."

Magath setzt bei seinem neuen Klub auf Kontinuität. "Es kommt nicht nur darauf an, wo wir am Ende der Saison stehen. Wichtig ist, was in zwei Jahren ist. Ich kann jetzt aber nicht innerhalb von zwei Jahren die Meisterschaft anvisieren."

Eichkorn schießt gegen Magath

Mit dem bisherigen Manager Dieter Hoeneß verständigte sich der Klub auf eine einvernehmliche Trennung. Hoeneß selbst wollte sich erst zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

Über die Rolle des bisherigen Interimscoach Pierre Littbarski wurde noch keine Lösung erzielt. Magath bringt Bernd Hollerbach als Assistenten mit.

Sein langjähriger Co-Trainer Seppo Eichkorn bleibt bei Schalke 04 und sitzt beim Spiel der Königsblauen am Sonntag (ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER) beim Tabellenzweiten Bayer Leverkusen als Trainer auf der Bank.

Der langjährige Weggefährte übte unterdessen Kritik an seinem ehemaligen Chef:

"Die Mannschaft hat keine klare Führungsstruktur." Zudem bemängelte er Magaths Einkaufspolitik: "Es gibt viele Spieler, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, es ist keine geschlossene Einheit."

Das letzte Wort haben Anwälte

Wenig auskunftsfreudig zeigte sich Magath über seinen Zoff mit Schalke: "Für mich persönlich ist das abgeschlossen. Aber ich habe noch Anwälte, die sich damit beschäftigen."

Der 57-Jährige hatte am Mittwoch seinen Vertrag in Schalke gekündigt, nachdem er durch den Aufsichtsrat von seinen Aufgaben entbunden worden war.

Ein Sonderkündigungsrecht erlaubte ihm, sich frei auf dem Arbeitsmarkt umzuschauen, ohne auf seine Forderungen verzichten zu müssen. Aus seinem Kontrakt bis 2013 stehen ihm angeblich noch zwölf Millionen Euro Gehalt zu.

Der Konzern musste handeln

Für die Partie gegen Stuttgart rechnet sich Magath durchaus Siegchancen aus. "Der VfB ist im Aufwind, doch wir sind bereit", sagte der Coach. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

In den nächsten Tagen will er viele Einzelgespräche führen. Aus der Meistermannschaft gehören noch Spieler wie Torwart Diego Benaglio, Marcel Schäfer, Sascha Riether, Josue und Grafite zum Kader.

Vorgänger Littbarski hatte in den letzten Wochen die Wende nicht geschafft. In fünf Spielen holte er nur einen Sieg. Insgesamt gab es für die Wolfsburger in der Rückrunde in neun Spielen sechs Niederlagen.

Auch für Hoeneß wurde die Luft immer dünner. Als er zuletzt noch dabei scheiterte, Oldie Hans Meyer als Retter zu verpflichten, musste der Verein handeln.

Denn einen Abstieg kann sich der Werksklub von Europas größtem Autobauer nicht erlauben, auch wenn Magaths Vertrag in der zweite Liga seine Gültigkeit behält.

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