vergrößernverkleinern
Für Kadlec (l.) und Leverkusen war es eine harte Landung auf der Alm © getty

Ungemütliche Witterungsbedingungen und eine geschickte Defensiv-Taktik stürzen die Leverkusener in Bielefeld vom Thron des Spitzenreiters.

Von Manuel Krons

München - Das Erfolgsrezept des klaren Außenseiters war denkbar einfach:

"Wir haben einfach kompakt hinten gestanden und nach vorne einfach Akzente gesetzt", erklärte Bielefelds "Alm-Bomber" Artur Wichniarek nach dem 2:1-Heimsieg gegen Bayer Leverkusen.

Er selbst hatte die Arminia (53.) mit seinem neunten Saisontor in Führung gebracht.

Das Schneechaos auf der Alm tat das Übrige, um die bis dato an der Spitze rangierenden Gäste aus dem Konzept und damit um Platz eins zu bringen. Beinahe wäre das Spiel sogar abgesagt worden.

Also hätten die Gäste aus dem Rheinland gewarnt sein müssen. Denn unter ähnlich ungemütlichen Witterungsbedingungen kam vor drei Jahren Bayern München ebenfalls als Tabellenführer (Ergebnisse und Tabelle) in Ostwestfalen mit 1:3 unter die Räder.

Schneekanone aus dem Sauerland?

Der neuerliche Triumph in der Schneeschlacht brachte den Präsidenten der Arminia gar auf eine kühne Idee: "Immer wenn Schnee liegt, schlagen wir einen Großen. Vielleicht sollten wir uns vor dem nächsten Spiel eine Schneekanone aus dem Sauerland ausleihen", sagte Hans-Hermann Schwick amüsiert.

In der Tat wirkten die Leverkusener angesichts des Platzverhältnisse und der von Arminia-Coach Michael Frontzeck ausgetüftelten Defensiv-Konter-Taktik ideenlos und überfordert.

"Dürfen uns nicht beschweren"

Nationalspieler Patrick Helmes übte nach dem schwachen Auftritt schonungslose Selbstkritik: "Wir dürfen uns letztendlich nicht beschweren, dass wir verloren haben", so der Bayer-Torjäger, der für die Gäste immerhin den Anschlusstreffer (78.) erzielte.

Vor allem sein DFB-Teamkollege Rene Adler hatte drei Tage nach seinem unglücklichen Auftritt im Länderspiel gegen England erneut einen schlechten Tag erwischt. Seine zu kurze Faustabwehr ermöglichte Daniel Halfar den Treffer zum 2:0 (69.). "Ich nehme das Tor auf meine Kappe. Es war einfach nicht meine Woche", gestand Adler.

Der Bayer-Keeper (Spielerporträt) zog im Vergleich mit seinem glänzend aufgelegten Gegenüber Dennis Eilhoff deutlich den Kürzeren.

Labbadia in Rage

Die Misere aus Sicht der Werkself wurde durch eine Rote Karte gegen den eingewechselten Sascha Dum (87.) komplettiert.

Die Entscheidung des Unparteiischen versetzte Trainer Bruno Labbadia gehörig in Rage: "Dafür brauchte ich nicht einmal eine Zeitlupe. Auf der Bank habe ich noch gedacht, man kann vielleicht Gelb geben. Nachdem ich es im Fernsehen gesehen habe, muss ich sagen: Es war nicht einmal das."

Schwarze Serie beim Angstgegner

Allerdings dürfte der Platzverweis angesichts von fünf sieglosen Leverkusener Spielen in Folge auf der Alm nicht Labbadias größtes Ärgernis sein. Seit 1999 hat Bayer nicht beim "Angstgegner" in Bielefeld gewinnen können.

Das Abrutschen auf den zweiten Tabellenplatz wollte Labbadia aber nicht dem leidenschaftslosen Auftritt seiner Elf ankreidene. Man habe "viel richtig, aber zwei individuelle Fehler zu viel gemacht", so die Analyse des Coachs.

Intakte Bielefelder Moral

Die Bielefelder hingegen haben sich mit dem zweiten Saisonsieg aus der Abstiegszone befreit und rangieren nun mit zwölf Punkten auf Platz 14.

Für Trainer Michael Frontzeck war es ein Anzeichen für die intakte Moral seines Teams: "Es ist natürlich immer schwierig den Glauben hoch zu halten, wenn man gut spielt, aber immer nur mit einem oder null Punkten vom Platz geht", beschrieb er das Dilemma der letzten Wochen.

"Heute haben wir gegen eine der spielstärksten Mannschaften gespielt und am Ende nicht ganz unverdient gewonnen."

Gegen Hoffenheim und Bayern

Für Arminias Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch ist es daher ein gutes Omen, dass das nächste Auswärtsspiel gegen den neuen Tabellenführer aus Hoffenheim geht: "Wo ist das Problem? Die Mannschaft hat doch gezeigt, dass sie Spitzenreiter schlagen kann."

Die geschlagenen Gäste müssen nun ausgerechnet gegen den wiedererstarkten FC Bayern am nächsten Wochenende (15. Spieltag) ihre Wiedergutmachung betreiben. "Dann müssen wir die drei Punkte eben da holen", sagte Helmes trocken.

Vielleicht sollten sie sicherheitshalber im Sauerland noch ein paar Schneekanonen bestellen.

Zum Forum - hier mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel