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Ralf Rangnick (l.) und Marvin Compper freuen sich über den Sieg in Köln © imago

Hoffenheim zeigt in Köln, dass es auch die "Schweinespiele" gewinnen kann. FC-Trainer Daum hadert mit dem Schiedsrichter.

Von Thorsten Mesch und Matthias Gante

Köln/München - Die Ereignisse des 4. Mai hatten die Hoffenheimer nicht vergessen. Damals hatten sie 1:3 in Köln verloren und noch um den Aufstieg zittern müssen.

Doch mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen setzten sie sich schließlich noch vor den FC und stiegen auf.

Am Samstag beglich die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick eine alte Rechnung mit dem FC und schob sich nebenbei auch in der Bundesliga wieder ganz nach oben.

Rangnick gibt Zurückhaltung auf

"Ich bin natürlich sehr zufrieden mit dem Spiel und dem Ergebnis", freute sich Rangnick. "Die Jungs haben gezeigt, dass sie sich im Vergleich zum Spiel vor fünf Monaten weiterentwickelt haben", stellte der Coach fest.

Rangnick war so zufrieden, dass er sogar seine Zurückhaltung in Bezug auf die obligatorische Frage nach den Titelambitionen seines Teams zumindest ansatzweise aufgab.

"Wenn wir am Schluss Meister werden, wehren wir uns auch nicht dagegen", sagte der 50-Jährige, "aber es macht keinen Sinn über Ziele zu reden, die in fünf Monaten liegen."

Das nächste Ziel sei, "am Samstag gegen Bielefeld den nächsten Sieg einzufahren. Und das wird schwer genug."

Video als Motivationshilfe

Die drei Punkte in Köln mussten sich die Hoffenheimer hart erarbeiten. Hatte der FC die Gäste im Frühjahr noch mit robustem Zweikampfverhalten niedergerungen, hielten die Hoffenheimer nun von Beginn an dagegen.

"Letztes Mal hat Köln uns den Schneid abgekauft. Aber wir sind ein halbes Jahr gereift und haben gezeigt, dass wir nicht nur schönen Fußball spielen, sondern auch kämpfen können", stellte Hoffenheims Kapitän Marvin Compper fest.

"Wir haben uns vor dem Spiel ein Video mit Ausschnitten aus der letzten Saison angeschaut und waren sofort richtig heiß auf das Spiel. Das war Motivation pur", meinte Mittelfeldspieler Tobias Weis.

Ibisevic fast schon beängstigend

Den Unterschied machten aber wieder einmal Hoffenheims Angreifer aus. Nach Vorarbeit von Vedad Ibisevic brachte Demba Ba die Gäste in der 32. Minute in Führung.

Mit seinen Saisontoren 15 und 16 setzte der überragende Ibisevic (67./88.) schließlich eine Marke, die zuletzt Gerd und Dieter Müller vor 30 Jahren erreicht hatten.

"Ganz ehrlich, das finde ich ganz nicht normal. Es macht mir auch ein bisschen Angst", sagte Ibisevic nach seinem fünften Doppelpack in dieser Saison.

Trotz aller Euphorie blieb der Bosnier, der am Mittwoch zwei Tore zum 4:3-Sieg seiner Nationalmannschaft in Slowenien beigesteuert hatte, auf dem Boden.

"Ich werde nicht vom internationalen Geschäft reden. Ich bin froh, dass ich in dieser Mannschaft spielen darf, und das ist es, was für mich zählt", sagte der 24-Jährige.

"Müssen mit diesem Elan weitermachen"

"Mit 31 Punkten hat noch nie jemand etwas erreicht", betonte auch Neu-Nationalspieler Compper. "Wir müssen weiter mit diesem Elan und der Geilheit auf drei Punkte weitermachen. Dann werden wir unseren Weg weiter gehen."

Nach dem Heimspiel gegen Bielefeld müssen die Kraichgauer zu den Bayern nach München. Deren Manager Uli Hoeneß erklärte am Samstag sogar, er schätze Hoffenheim "auf jeden Fall stärker" ein als Leverkusen.

Daum als schlechter Verlierer

Dass Hoffenheim am Samstag stärker war als Köln, wollte FC-Trainer Christoph Daum so nicht stehen lassen.

"Wir haben 60:40 Prozent Ballbesitz und gestalten das Spiel über weite Strecken offen. Und wenn Novakovic kurz vor Schluss trifft, geht Hoffenheim in die Knie", sagte der Coach. Es traf aber lediglich Mittelfeldspieler Petit (78.).

Daum zeigte sich vielmehr als schlechter Verlierer. "Hoffenheims Saubermann-Image hat einen Fleck bekommen. Was da von der Bank gekommen ist, war das Unfairste, was ich in diesem Stadion je gesehen habe", erklärte der 55-Jährige.

Grund für Daums Aufregung war ein Tackling von Kevin McKenna gegen Sejad Salihovic, das der Schiedsrichter Deniz Aytekin mit Rot ahndete (52.). "Die Entscheidung wurde maßgeblich von der Hoffenheimer Bank beeinflusst", behauptete Daum.

"Diesen Schuh ziehen wir uns nicht an"

"Von uns hat kein einziger Rot gefordert", entgegnete Rangnick, "diesen Schuh, den man uns vor die Tür stellen will, ziehen wir uns nicht an."

Die Kölner hingegen hätten jedoch nach einem Foul von Luiz Gustavo an Adil Chihi sehr wohl die Gelb-Rote Karte gefordert.

"Ich beschwere mich nicht über solche Entscheidungen. Aber erst, als fünf Kölner Spieler auf den Referee zuschossen und die Karte quasi aus der Hosentasche zogen, gab es Gelb-Rot. Das ist merkwürdig."

Köln einfach weggeputzt

Am Ende bleib die Erkenntnis, dass die Hoffenheimer mittlerweile auch die berüchtigten "Schweinespiele" gewinnen können. "Es war ein weiterer Schritt, sich in Auswärtsstadien auch zu wehren und nicht nur attraktiven Fußball zu spielen", meinte Rangnick.

Oder wie es Christoph Daum zusammenfasste: "Von der Einstellung her war ich mit dem Spiel meiner Mannschaft zufrieden. Vielleicht haben wir uns heute auch etwas wegputzen lassen."

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