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Oenning (r.) und sein Co-Trainer Cardoso jubeln, FC-Coach Schafer ist bedient © imago

Beim 6:2 gegen Köln gelingt Hamburgs Trainer ein Traumeinstand. An seine Zukunft denkt er noch nicht. Ein Star stichelt gegen Veh.

Von Thorsten Mesch und Jürgen Blöhs

München/Hamburg - Michael Oenning hatte gut lachen.

"Alles haben wir nicht richtig gemacht. Wir haben zwei Gegentore bekommen", sagte der neue Trainer des Hamburger SV nach dem 6:2 (4:0) gegen den 1. FC Köln bei LIGA total! mit einem Grinsen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Eine Woche nach dem Debakel beim FC Bayern, das die Trennung von Armin Veh und Oennings Beförderung vom Assistenten zum Cheftrainer zur Folge hatte, präsentierten sich die Norddeutschen wie ausgewechselt.

0:6 von München "eindrucksvoll" repariert

"Die Mannschaft war in der Bringschuld. Sie wollte das 0:6 in München reparieren, und das hat sie sehr eindrucksvoll gemacht", meinte Oenning, der bei seinem Einstand als Chefcoach des HSV eigentlich doch alles richtig gemacht hatte.

Der lange verletzte Dennis Diekmeier feierte ein gelungenes HSV-Debüt, und mit Ze Roberto als Zehner hinter den Spitzen Mladen Petric und Ruud van Nistelrooy hatte sich Vehs Nachfolger für eine angriffslustige Ausrichtung entschieden.

"Wir wussten, dass wir nur eine Chance haben, Sympathien zurück zu erobern, wenn wir den Mut haben, nach vorne zu spielen. Deswegen haben wir die offensive Variante gewählt, und sie ist aufgegangen", erklärte Oenning bei "Sky".

"Das darf keine Eintagsfliege sein"

Maßgeblichen Anteil daran hatte Mladen Petric.

"Natürlich freue ich mich über meine Tore und den Sieg. Der Erfolg war gut für unsere Köpfe", sagte der Dreifach-Torschütze, der seinen Ruf als Köln-Schreck bestätigte und nun bereits acht Bundesligatreffer gegen die Rheinländer erzielt hat.

Der Sieg dürfe aber "nicht nur eine Eintagsfliege sein", warnte der kroatische Nationalspieler und erinnerte an die bisherige Achterbahnfahrt des HSV. 367308(DIASHOW: Der 27. Spieltag)

Van Nistelrooys Seitenhieb gegen Veh

"Immer, wenn wir dran waren, haben wir diese Saison versagt. Wir müssen in Hoffenheim nachlegen", forderte Petric mit Blick auf die nächste Partie nach der Länderspielpause.

"Was dieser Sieg wert ist, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen", meinte auch van Nistelrooy und schob einen deutlichen Seitenhieb in Richtung Ex-Trainer Veh nach:

"Es macht wieder Spaß, Fußball zu spielen."

Jubilar Ze Roberto glänzt in neuer Rolle

Ze Roberto, der in der ungewohnten Zehnerposition überzeugte, lobte Oennings Taktik ausdrücklich.

"Das System mit den zwei Spitzen und meiner Position gefällt mir", sagte der Brasilianer, der einen besonderen Tag erlebte.

Mit seinem 330. Bundesligaspiel stellte er den Rekord von Ex-HSV-Star Sergej Barbarez als Ausländer mit den meisten Erstliga-Einsätzen ein, und mit einem eiskalt verwandelten Foulelfmeter erzielte er den Treffer zum 6:1.

"Wir haben sehr engagiert und immer nach vorne gespielt", sagte der Routinier, richtete den Blick aber sofort nach vorn: "Wir haben noch sieben schwere und wichtige Spiele vor uns."

Oenning: Keine Gedanken an die Zukunft

Auch Oenning wollte den Erfolg nicht überbewerten. "Wir haben erst ein Spiel gewonnen", betonte der Coach.

Zwar sei der Sieg zum Einstand sei "natürlich eine tolle Grundlage, um Vertrauen zueinander zu bekommen", doch gehe man "den Weg der kleinen Schritte. Wenn die Ergebnisse kommen, dann können wir uns andere Gedanken machen".

Was seine eigene Zukunft betrifft, mache er sich "jetzt keine Gedanken", beteuerte Oenning. "Ich genieße einfach erstmal, dass wir heute erfolgreich gestartet sind."

FC-Coach Schaefer schwer angeschlagen

Alles andere als ein Genuss war das Spiel für Kölns Trainer Frank Schaefer.

"Diese Niederlage hat gesessen und tut richtig weh", sagte Schaefer zu SPORT1 und sprach von einem "Rückschlag".

"Wir waren nach dem 0:1 völlig überfordert und haben taktisch und mannschaftlich ganz schlecht reagiert", meinte Schaefer, der in der Schwäche seines Teams auf fremden Plätzen "schon eine Auswärtsdramatik" sah.

Heimstärke als Plus

Mit nur einem Sieg, drei Remis und zehn Niederlagen liegen die Kölner in der Auswärtstabelle abgeschlagen auf dem letzten Platz.

"Für mich ist die Auswärtsschwäche unerklärlich, aber die Niederlage wirft uns nicht um", sagte Christian Eichner zu SPORT1.

"Vor drei Wochen hätte ich mir bei so einer Klatsche Sorgen gemacht", gab sich der Linksverteidiger trotz des Debakels gelassen und verwies auf Kölns Heimstärke:

"Gegen Nürnberg werden wir gewinnen."

Der siebte Heimsieg in Serie wäre für den FC, der nur vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, enorm wichtig im Kampf um den Klassenerhalt.

HSV schielt wieder auf Platz fünf

Während Köln aufpassen muss, nicht doch wieder unten rein zu rutschen, verkürzten die Hamburger den Rückstand auf Platz fünf, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, auf vier Punkte.

"Nach wie vor stehen mehr Heim- als Auswärtsspiele an, und somit haben wir auch immer noch die Chance, weiter oben ranzukommen", sagte Oenning.

Wenn seine Mannschaft in den nächsten Spielen alles richtig macht, könnte das sogar gelingen - und dem Trainer den Job verlängern.

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