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Franck Ribery (l.) ist mit sieben Vorlagen der beste Rückrunden-Vorbereiter der Bundesliga © getty

Der Franzose zeigt Führungsqualitäten und erinnert sein Team ans "Mia san mia". Im Gegensatz zu Robben, der sich auswechseln lässt.

Von Andreas Berten

München/Freiburg - Lange genug hat es gedauert, bis Franck Ribery sich dazu entschieden hat, seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Damit er Interviews auch auf Deutsch führen kann.

Seit seiner Vertragsverlängerung in München, wo ihn der FC Bayern stets hofiert und in brenzligen Situationen bedingungslos unterstützt hat, wirkt der 27-Jährige viel mehr wie ein fester Bestandteil des Rekordmeisters.

Bei den Bayern nimmt ein Auswärtsspiel beim SC Freiburg im Saisonkalender für gewöhnliche eine geringere Bedeutung ein.

In der aktuellen Situation aber ist es eine ganz wichtige Partie für die Münchner.

Und so war es der Franzose, der sich beim 2:1 im Breisgau am sichtbarsten auf dem Rasen dagegen stemmte, in dieser Pleitensaison auch noch die Teilnahme an der Champions League zu verspielen. 367308(DIASHOW: Der 27. Spieltag)

"Wichtig für Fans, Spieler und Klub"

"Das war ein ganz wichtiger Sieg für die Fans, die Spieler und den ganzen Klub", sagte Ribery, nachdem ihm in Freiburg in der 88. Minute der 2:1-Siegtreffer geglückt war.

Dass der Mittelfeldspieler in die Einordnung des elften aufeinander folgenden Sieges über Freiburg den Anhang und den Verein mit einbezog, ist zumindest erwähnenswert.

Nicht selten machte er in den vergangenen Jahren den Eindruck einer Diva, die den persönlichen Erfolg über das Interesse der Mannschaftskollegen und der Verantwortlichen stellte.

An diesem Samstagnachmittag unternahm Ribery dagegen alles, das FC-Bayern-Motto "Mia san mia" wiederzubeleben, um nicht noch weiter an Boden auf Leverkusen und Hannover zu verlieren. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Robben sorgt für Wirbel

"Ich bin froh, dass ich der Mannschaft und dem Verein mit dem Tor helfen konnte", sagte er. "Natürlich muss Bayern im nächsten Jahr in der Champions League spielen."

Daran hatte auch Arjen Robben nach dem unsäglichen Achtelfinal-Aus gegen Inter Mailand keine Zweifel gelassen.

Der Niederländer ging in den vergangenen Tagen an fast keinem Mikrofon vorbei, ohne hinein zu posaunen, wie sehr das Verpassen der Königsklasse seinen Verbleib in München gefährden könne.

Auswechslung nur Vorsichtsmaßnahme

An der Dreisam wirkte Robben wie derjenige Bayer, der den Inter-Schock noch am allerwenigsten verdaut hatte.

Griesgrämig schlich der 26-Jährige in der 30. Minute nach nur vier Ballkontakten mit Adduktorenproblemen vom Rasen.

Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie die Bayern später erklärten, Robben hat seine Teilnahme an den Länderspielen der "Elftal" allerdings abgesagt.

Robben die pure Unlust zu unterstellen, ginge definitiv zu weit. Wie einer, der aber die Ärmel hochkrempelt und fürs Team kämpft, wirkte der Niederländer an diesem Tag nicht.

Rückendeckung von Rummenigge

Der Vereinschef tritt Robben allerdings zur Seite und verweist mögliche Abwanderungsgedanken ins Reich der Fabeln.

"Diese ganze Geschichte ist an den Haaren herbeigezogen und lächerlich. Arjen hat überhaupt nicht vor, den FC Bayern zu verlassen. Ganz im Gegenteil"; so Karl-Heinz Rummenigge.

"Er wird jetzt, wie alle Spieler, alles geben, um das große Ziel Teilnahme an der Champions League zu erreichen. Keiner will an der Europa League teilnehmen", sagte er in einem Interview auf der Internetseite des Rekordmeisters.

"Da war Freiburg klar besser"

Bis zu diesem Zeitpunkt, es stand nach Toren der beiden Golagetter Mario Gomez (Saisontreffer Nummer 19) und Demba Papiss CIsse (Nr. 18) 1:1, roch es nämlich stark nach der nächsten Pleite.

Die Freiburger setzen ihre Gäste unter Druck, zwangen sie zu Fehlern und stellten vor allem Luiz Gustavo, der für den gesperrten Breno in der Innenverteidigung spielte, ein ums andere Mal bloß.

"In der ersten Halbzeit hatten wir Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten sind", gab Trainer Louis van Gaal unumwunden, "da war Freiburg klar besser."

So viel scheint sicher: Die großen Defensivprobleme werden die Münchner noch bis zur letzten Spielminute der Saison begleiten.

Lahm: "Heute hatten wir das Glück"

Doch von all dem Schwung, dem Offensivgeist nahmen die Freiburger nichts mit in die zweite Halbzeit. Angetrieben von Ribery verdienten sich die Münchner den Dusel-Sieg.

"Wir hatten in dieser Saison schon so viele Spiele, in denen wir besser waren und verloren haben", war Philipp Lahm dementsprechend erleichtert, "heute hatten wir am Ende das Glück."

Und weiter: "Man muss nicht immer schön spielen. Wir brauchen Erfolg, brauchen immer die drei Punkte, dann werden wir am Ende auch die Champions League erreichen."

Gute Stimmung? Nicht einfach

Doch dazu bedarf es mehrere Siege in den verbleibenden sieben Spielen.

"Diese Niederlage gegen Inter war ein schwerer Schlag für uns alle", erklärte van Gaal. "Wir mussten im Training wieder für gute Stimmung sorgen, das war nicht einfach."

Womöglich feilt Arjen Robben jetzt in der Länderspielpause noch ein wenig an seiner Laune.

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