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Vedad Ibisevic kam 2007 von Alemannia Aachen nach Hoffenheim © getty

Der bosnische Stürmer von 1899 Hoffenheim ist nicht zu stoppen. Selbst seinen Mitspielern und dem Trainer wird es langsam mulmig.

Von Felix Götz

München - So langsam wird der unglaubliche Lauf von Vedad Ibisevic seinen Mannschaftskollegen, seinem Trainer und vor allem ihm selbst unheimlich.

"Ganz ehrlich, das finde ich nicht normal. Es macht mir auch ein bisschen Angst", sagte der 24-jährige Bosnier mit fast zittriger Stimme, nach dem er beim 3:1-Sieg der Hoffenheimer beim 1. FC Köln bereits seinen fünften Doppelpack der laufenden Saison erzielte.

Insgesamt hat Ibisevic mittlerweile 16 Tore auf dem Konto. Zum Vergleich: Thomas Allofs, Roland Wohlfarth und Fredi Bobic wurden mit jeweils nur einem Treffer mehr am Ende einer kompletten Saison Torschützenkönig.

Attacke auf Müllers Uralt-Rekord

Damit nicht genug: Jetzt greift Ibisevic (Spielerporträt) den Uralt-Rekord von Gerd Müller aus der Saison 1971/72 an.

Der "Bomber der Nation" erzielte damals sensationelle 40 Tore für den FC Bayern München - ein Rekord für die Ewigkeit?

Fakt ist: Nur zwei Spieler haben in der Bundesliga-Historie mehr Tore nach 14 Spieltagen erzielt.

20 Tore in 14 Spielen

1967/68 schoss Peter Meyer für Borussia Mönchengladbach zum gleichen Zeitpunkt 17 Treffer.

Ein Jahr später hatte Gerd Müller nach 14 Spielen bereits 20 Tore auf dem Konto. Dem Weltmeister von 1974 gelang das Kunststück, 16 oder mehr Treffer nach 14 Spieltagen zu erzielen, insgesamt drei Mal - zuletzt 1976/77.

Seither wackelte Müllers 40-Tore-Rekord nie heftiger als aktuell. Der ehemalige Bayern-Stürmer hatte 1971/72, seiner Rekordsaison, nach 14 Spieltagen lediglich elf Tore erzielt.

Rangnick staunt nur noch

Die unfassbare Quote seines Angreifers wird jetzt selbst 1899-Coach Ralf Rangnick unheimlich.

"So etwas habe ich in meiner Karriere auch noch nicht erlebt. Das ist phantastisch für den Jungen. Auch im Training trifft er nach Belieben", schwärmt Rangnick.

Lob von der Konkurrenz

Auch von der Bundesliga-Konkurrenz wird Ibisevic mit Lob überhäuft. "Vedad macht Tore aus dem Nichts", sagt Leverkusens Sportchef Rudi Völler im "kicker".

"Er hat eine sensationelle Entwicklung genommen, mit der er selbst sicher nicht gerechnet hat und besitzt den nötigen Instinkt, genau dort zu stehen, wo der Ball hinkommt", erklärt Völler, der 1983 mit 23 Treffern Torschützenkönig wurde.

Beim 2:0 in Köln stand Ibisevic genau richtig, als Kölns Torwart Mondragon den Ball nach einem Salihovic-Schuss abgewehrt hatte, das 3:1 erzielte er eiskalt nach einem Alleingang aus der eigenen Hälfte.

Ibisevic bleibt bescheiden

Ibisevic selbst bleibt äußerst bescheiden, von Abheben keine Spur: "Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich in dieser Mannschaft spielen kann. Wir müssen auf unsere Entwicklung stolz sein."

Dieses von Rangnick geforderte, bescheidene Teamdenken ist ein wichtiger Grund für den Höhenflug der Hoffenheimer und mit Sicherheit auch eine Grundlage für den persönlichen Lauf von Ibisevic, der zu Beginn der vergangenen Saison von Alemannia Aachen nach Hoffenheim gewechselt war.

Jörg Schmadtke, der damalige Manager der Alemannia, entdeckte den Stürmer in der zweiten französischen Liga beim FC Dijon.

Als Flüchtling in die USA

Davor war Ibisevic, der seine bosnische Heimat mit seiner Familie aufgrund des Balkankrieges verlassen musste, beim FC Baden in der Schweiz.

Von dort aus verschlug es ihn über Saint Louis (USA) nach Frankreich, wo er zunächst ein Jahr bei Paris St. Germain (vier Spiele) unter Vertrag stand, ehe Ibisevic nach Dijon wechselte.

"Das ist der Wahnsinn. Wir sind froh, dass wir ihn haben und hoffen, dass er so weitermacht", staunt Verteidiger Marvin Compper über die Lebensgeschichte und vor allem die Tore.

Von der Meisterschaft redet keiner

Von der Meisterschaft spricht in Hoffenheim bisher trotzdem noch keiner. Manche, wie Ibisevic, wollen nicht einmal über das internationale Geschäft sprechen.

Dabei könnte doch gerade er der Hauptverantwortliche dafür sein, dass 1899 der Sprung auf den Liga-Thron gelingt. (Datencenter: Tabelle)

Immerhin wurde in der Bundesliga-Geschichte bereits 15 Mal das Team, welches den Torschützenkönig in seinen Reihen hatte, auch Deutscher Meister.

Zuletzt gelang das vergangene Saison dem FC Bayern mit Luca Toni. Der Italiener hatte nach 14 Partien "nur" neun Tore erzielt und schaffte insgesamt 24.

Die erfolgreichsten Torschützen nach 14 Spieltagen:

1. Gerd Müller (Bayern München) 20 Tore (1968/69)2. Gerd Müller (Bayern München) 19 Tore (1976/77)3. Peter Meyer (Borussia Mönchengladbach) 17 Tore (1967/68)4. Vedad Ibisevic (1899 Hoffenheim) 16 Tore (2008/09)4. Dieter Müller (1. FC Köln) 16 (1977/78)4. Gerd Müller (Bayern München) 16 (1972/73)

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