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Klopp (l.) und Tuchel gerieten nach dem1:1 aneinander, beruhigten sich aber dann © getty

Bei Mainz' Ausgleich in Dortmund kochen die Emotionen hoch. Doch am Tag danach rudert BVB-Boss Watzke im Doppelpass zurück.

Von Andreas Berten und Christian Arias Losada

München/Dortmund - Am Vorabend sind sie sich beinahe an die Kehlen gegangen - am Tag danach wurde dann wieder die Friedenspfeife ausgepackt.

Die Art und Weise, in der Petar Sliskovic (89.) für Mainz 05 beim 1:1 in Dortmund den Ausgleichstreffer erzielt hatte, erhitzte die Gemüter und sorgte sogar für handfeste Tumulte am Spielfeldrand. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im SPORT1-Doppelpass schlägt Borussen-Chef Hans-Joachim Watzke nun wieder leisere Töne an.

"Thema ist durch"

"Das Thema ist durch, Mainz 05 ist ein großartiger Verein, wir sind ja eigentlich sehr mit ihnen befreundet", erklärte er da.

15 Stunden zuvor hatte den BVB-Geschäftsführer der Umstand, dass Mainz weiterspielte, als Neven Subotic nach einem Treffer in den Unterleib an der Strafraumkante liegen geblieben und Schiedsrichter Felix Brych nicht unterbrochen hatte, noch auf die Plame gebracht.

"Fairplay mit den Füßen getreten"

"Eine unfassbare Sauerei. Ich hätte das nicht für möglich gehalten, dass Mainz 05 so etwas tut. Da tritt man das Fairplay mit den Füßen", hatte Watzke beiLIGA total! geschimpft.

Dabei erregte die Westfalen sowohl die Mainzer Reaktion, bis zum 1:1 weiterzuspielen, als auch der Verzicht des Unparteiischen, die Partie abzubrechen.

Doch der widersprach.

"Ich habe Regel 5 angewandt, die besagt, dass ich ein Spiel nur dann unterbrechen muss, wenn eine schwere Verletzung vorliegt, die gesundheitsgefährdend ist", erklärte Brych:

"Das habe ich nicht gesehen und deshalb weiterspielen lassen."

Der Aufreger des Spieltags

Dennoch ist die Situation der große Aufreger des Spieltags und zieht eine noch ältere Diskussion als die Frage, ob Schiedsrichter technische Unterstützung erhalten sollen, hinter sich her:

Wo fängt Fair Play an und wo hört es auf?

Dass Mainz weiter gespielt hat, ist sicherlich grenzwertig. Es ist aber auch heuchlerisch, sämtliches Zeitspiel, das häufige Simulieren von Verletzungen in dieser Debatte auszuklammern.

Verständlich war jedoch allemal, dass bei den Trainern, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, die Emotionen überkochten.

Wutentbrannt stürmte Klopp nach dem Last-Minute-Gegentreffer auf die Mainzer Bank zu, kaum weniger aggressiv schallte es von dort zurück.

Ihr Wortgefecht führten die Streithähne dann auch an den Mikrofonen weiter, wenngleich die Schärfe bei jedem Wechsel der TV-Kameras abnahm.

Tuchel gegen Klopp

Beim ersten Duell im "Sky"-Studio flogen aber noch die Fetzen.

Tuchel zu Klopp: "Ich finde es nicht angebracht, jetzt hier den Moralischen zu geben, wenn ein Spieler von Dir den Ball in der Unterleib bekommt. Das ist kein Foulspiel."

Klopp zu Tuchel: "Es ist in der Geschichte des Fußballs schon anders reagiert worden. Es gibt Lerneffekte. Unser Lerneffekt ist: Wenn nichts gebrochen ist, dann musst du aufstehen. Ihr habt Subotic alle liegen sehen. Und alle waren sie da und haben gejubelt und es war scheißegal, dass da einer liegt. Ich wäre leicht beschämt gewesen in dieser Situation, ganz bestimmt."

Später räumte der Mainzer Coach immerhin gegenüber SPORT1 ein:

"Ich hätte mich an Dortmunder Seite genauso tierisch aufgeregt, wenn es uns passiert wäre. Ich habe völliges Verständnis dafür."

"Alibi-Ausrede-Gequatsche"

Trotzdem sah Watzke das Fair Play mit Füßen getreten: "Ich kann dieses Alibi-Ausrede-Gequatsche nicht mehr hören. Dann spielen wir wieder Wilder Westen und brauchen keine Fair-Play-Propaganda mehr."

Wie mit einer Stimme sprachen auch die Dortmunder Spieler, als sie das Verhalten der Mainzer als "unsportlich" bezeichneten.

Zugleich beteuerten sie, solch eine Situation immer zugunsten des Verletzten unterbrechen zu wollen.

"Ich würde mal sagen, dass wir in dieser Saison solche Bälle auch ins Aus gespielt haben", sagte Sebastian Kehl zu SPORT1.

Kehl übt Selbstkritik

Am Sonntag hatte sich dann der Pulsschlag aller Beteiligten wieder gelegt.

"Christian Heidel und ich haben uns noch ausgetauscht und ein Bier zusammen getrunken", so Watzke im Doppelpass.

"Wir haben uns nicht gestritten, sondern jeweils Verständnis für die Position des anderen aufgebracht."

Zumal es nichts bringt, sich länger als nötig mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Nach der Länderspielpause müssen sich die Dortmunder darauf konzentrieren, ihre Meisterschaft in trockene Tücher zu bringen.

"So können wir nicht weiter machen", kritisiert Kehl nach nur einem Punkt aus den letzten beiden Spielen. "Wir müssen wieder besser spielen, anders spielen."

Keine Panik in Dortmund

Dass die Abwesenheit zahlreicher Nationalspieler noch den Traum vom Titel und das große Zittern in Dortmund beginnt, glaubt Watzke jedoch nicht:

"Das Unentschieden bringt uns definitiv nicht ins Wanken. Wir werden nicht die Nerven verlieren, da braucht sich keiner Hoffnung machen."

Jürgen Klopp ist jedenfalls weit davon entfernt, in Panik zu verfallen.

"Diese großartige und hochtalentierte Mannschaft hat bisher 62 Punkte geholt. Ich habe schon Schlimmeres erlebt", sagte er.

Daran sollten auch die aufregenden Ereignisse gegen Mainz nichts ändern.

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