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Michael Ballack lieferte gegen Schalke die Vorarbeit zum 1:0 durch Eren Derdiyok © imago

Ballack feiert Bayers Sieg gegen Schalke mit den Fans feiern und stimmt Schmähgesänge gegen Köln an. Heynckes äußert sich am Montag.

Von Nikolai Kube

München/Leverkusen - Michael Ballack genoss es sichtlich.

Er kletterte auf den Zaun, schnappte sich das Megafon und heizte den Fans ein. 367308(DIASHOW: Der 27. Spieltag)

"Sie haben nach Michael gerufen. Dann hat er halt ein bisschen mit ihnen gefeiert", sagte Teamkollege Simon Rolfes. Nach dem überzeugenden 2:0-Sieg gegen Schalke 04 herrschte bei Bayer Leverkusen eitel Sonnenschein.

Alles schien für einen Moment vergessen: Die nervigen Diskussionen um den Leistungsstand von Ballack, der wahrscheinliche Abgang von Trainer Jupp Heynckes.

Allerdings ließ sich Ballack auch zu Schmährufen gegen den rheinischen Rivalen 1. FC Köln hinreißen, wie im Internet aufgetauchte Videos belegen.

Gegen Werder Bremens Torwart Tim Wiese wurde in einem ähnlichen Fall ("Scheiß HSV!") einst eine Geldstrafe verhängt. Ob die Aktion für Ballack Folgen hat, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

"Darüber reden wir morgen"

Der guten Stimmung bei der Werkself konnte dies keinen Abbruch tun. Kapitän Rolfes fasste es treffend zusammen: "Der Sieg hat allen im Verein gut getan." Auch Heynckes, der sich bezüglich seiner Zukunft allerdings weiter bedeckt hielt.

"Über die Frage, die mir jeder stellt, reden wir morgen", sagte der 67-Jährige.

Dann will der beim FC Bayern hoch gehandelte Heynckes eine Entscheidung über seine Zukunft bekanntgeben. Es ist allerdings kein großes Geheimnis mehr, dass der Trainer seinen im Sommer auslaufenden Vertrag in Leverkusen nicht verlängern wird.

Auch wenn Rolfes die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat ("Wir hoffen weiter, dass der Trainer bleibt"), steht nach SPORT1-Informationen mit Freiburgs Robin Dutt der Heynckes' Nachfolger bereits fest.

Dutt weicht aus

Dutt hatte nach der Freiburger 1:2-Niederlage gegen Bayern München auf die Frage nach seiner Zukunft ausweichend geantwortet.

"Da werden sie noch etwas warten müssen", sagte der 46-Jährige im "ZDF-Sportstudio". Die Nachfrage, ob es eine Tendenz gebe, beantwortete Dutt nebulös: "Vielleicht."

Rund eine Million Euro soll Leverkusen als Ablöse für den Trainer-Aufsteiger zahlen. Kommt Dutt, übernimmt er eine Mannschaft, die auch in der kommenden Saison um den Titel mitspielen wird.

Lob für Ballack

Gegen Schalke zeigte Leverkusen - insbesondere in der ersten Halbzeit - eine beeindruckende Leistung. Und das, obwohl die Werkself noch am Donnerstag-Abend beim FC Villarreal (1:2) in Spanien aus der Europa League ausgeschieden war.

"Wir haben überragend gespielt", sagte Eren Derdiyok, der Bayer mit einem Sonntagsschuss auf die Siegesstraße brachte.

Ballack hatte aufgelegt. Schon zur Pause heimste der Nationalmannschaftskapitän Lob ein: "Das war toll gespielt von Michael", fand Sportdirektor Rudi Völler. Einzig ein Tor blieb dem fleißigen und spielstarken Ballack verwehrt.

Meisterschaft wieder spannend

Das besorgte stattdessen Christoph Metzelder mit einem Eigentor. Und so geriet der Bayer-Sieg nie in Gefahr.

Zu "jeder Sekunde" habe man die Kontrolle über das Spiel gehabt, sagte Rolfes und fügte an: "Die zweite Halbzeit war dann recht entspannt."

Tabellenführer Dortmund drückte an diesem Nachmittag Schalke die Daumen, alleine es half nichts. Der Vorsprung schmilzt. Nur noch sieben Punkte fehlen Bayer auf die Spitze. Wird der Titelkampf tatsächlich noch einmal spannend?

Platz zwei bleibt das Ziel

"Wir wollen ab jetzt jedes Spiel gewinnen", drohte Rolfes der Borussia, verschwendet an die Meisterschaft aber weiterhin - zumindest öffentlich - keinen Gedanken. Ziel bleibe weiterhin Champions-League-Platz zwei. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir müssen den Vorsprung auf Rang drei weiter vergrößern", forderte Rolfes.

Ähnliches gilt für Schalke. Dort geht es allerdings um den Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz 16.

Neuer warnt vorm Abstiegskampf

Denn der beträgt nach der Niederlage in Leverkusen nur fünf Punkte, das große Zittern beginnt. Die Entlassung von Felix Magath zeigte keine Wirkung - zumindest keine positive.

"Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unter reinrutschen", ermahnte Keeper Manuel Neuer seine Kollegen. Man habe zwar gekämpft, "aber das war einfach zu wenig".

Die Hoffnungen ruhen auf Ralf Rangnick, der am Montag das Ruder auf Schalke übernehmen wird.

Assistieren wird Rangnick in den kommenden Monaten Seppo Eichkorn, der in Leverkusen als Interims-Chefcoach auf der Bank saß.

Eichkorn wird Rangnicks Assistent

"Ich werde meinen Vertrag bis 2013 erfüllen und habe mit Ralf bereits alles besprochen. Ich werde Assistenz-Trainer bleiben", verriet Eichkorn bei LIGA total!. Zehn Jahre lange hatte der 54-Jährige an der Seite Magaths gearbeitet.

Eichkorn sucht keine neue Herausforderung. Im Gegensatz zu Heynckes, der wohl ab Sommer Louis van Gaal in München beerben wird.

Wenn es schlecht läuft, muss er dann mit dem FC Bayern in der Europa League ran - während Leverkusen mit Dutt in der Champions League für Furore sorgen könnte.

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