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Klaus Toppmöller (l.) wurde mit Leverkusen und Michael Ballack 2002 Vizemeister © getty

Bayer wurde 2002 von Dortmund trotz großem Vorsprung noch abgefangen. Toppmöller glaubt bei SPORT1 nicht, dass es zur Revanche kommt.

Von Christian Stüwe und Andreas Berten

München - Der Vorsprung von Borussia Dortmund schmilzt.

Zwischenzeitlich war der BVB Bayer Leverkusen bis auf zwölf Punkte enteilt, nach dem 1:1 gegen Mainz am Wochenende ist das Polster innerhalb von acht Tagen auf sieben Zähler geschrumpft.

Die Werkself hingegen ist das beste Team der Rückrunde.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Da werden Erinnerungen wach. Wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen.

In der Saison 2001/2002 führte Leverkusen die Tabelle noch am 31. Spieltag mit fünf Punkten Vorsprung an, doch am Ende wurde Borussia Dortmund Meister.

Gelingt nun die Revanche? Klaus Toppmöller, der mit Leverkusen den Titel damals denkbar knapp verpasste, glaubt im Gespräch mit SPORT1 nicht daran.

"Das ist eine ganz andere Situation. Wir waren im DFB-Pokal-Endspiel dabei und standen im Champions-League-Finale", erinnert sich Toppmöller.

"Dann kamen die Verletzten dazu", erzählt der 51-Jährige: "Jens Nowotny hatte einen Kreuzbandriss, Bernd Schneider eine Zerrung. Die entscheidenden Spieler sind ausgefallen, sonst hätten wir das nicht mehr hergegeben."

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"Das Quäntchen Glück fehlt"

Am Ende der Saison standen drei zweite Plätze für Bayer unter dem Strich. Der wenig schmeichelhafte Spitzname "Vizekusen" war geboren und verfolgt die Werkself bis heute.

Sollte der BVB, der in der öffentlich Wahrnehmung längst als Meister gehandelt wird, doch noch patzen, wäre die Situation sicherlich mit der von Leverkusen vor neun Jahren vergleichbar.

Toppmöller glaubt aber nicht daran.

Dass die Youngster der Borussia in der Rückserie die Punkte nicht ganz so konsequent einfahren wie in der Hinrunde, will der 59-Jährige nicht überwerten.

"Das Quäntchen Glück fehlt", sagt Toppmöller: "Aber es ist normal, dass man auch mal einen negativen Lauf hat. Aber die Dortmunder haben soviel Substanz und keine Verletzten, die ziehen das durch."

Früher Pokal-K.o. als Vorteil?

Im Gegensatz zu Leverkusen damals, könnte es für Dortmund im Titelendspurt ein Vorteil sein, relativ früh in Europa-League und DFB-Pokal ausgeschieden zu sein.

Seine Mannschaft habe damals 70 Spiele gemacht, der Kader sei nicht dafür ausgelegt gewesen, auf drei Hochzeiten zu tanzen, erklärt Toppmöller.

"Im Nachhinein wäre ich froh gewesen, wenn wir in der ersten Runde im DFB-Pokal ausgeschieden wären", sagt Toppmöller: "Dann hätten wir uns die Spiele gespart und hätten uns auf die Bundesliga konzentrieren können."

Beim BVB gibt man sich angesichts des schmelzenden Vorsprungs gelassen.

Eben so konsequent wie in der Hinrunde nicht von der Meisterschaft gesprochen wurde, lassen die Schwarzgelben nun zumindest nach außen keine Panik aufkommen.

Keine Kampfansage von Rolfes

"Das Unentschieden bringt uns definitiv nicht ins Wanken", sagte der BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im SPORT1-Doppelpass.

"Wir haben ein Projekt, da gibt es noch keine Erfahrungswerte" erklärte Watzke: "Wir haben eine so junge Mannschaft, die auch erstmal mit so einer Situation umgehen lernen muss. Wir werden nicht die Nerven verlieren, da braucht sich keiner Hoffnung machen."

Selbst die Leverkusener machen sich nicht allzu große Hoffnungen. Kapitän Simon Rolfes gab nach dem Sieg gegen Schalke als Ziel aus, "den Vorsprung auf Rang drei weiter zu vergrößern."

Selbstbewusste Borussen

Die Dortmunder Spieler haben hingegen ihre Selbstsicherheit angesichts der jüngsten Ergebnisse nicht verloren.

"Alle sagen, dass wir eine Krise haben. Aber das interessiert uns nicht. Weil wir keine Krise haben", sagt Marcel Schmelzer.

Davon geht auch Trainer Jürgen Klopp in der "Bild" fest aus. "Wir werden kein Nervenflattern kriegen", sagt der 43-Jährige bestimmt, "wer das nach einem Unentschieden gegen starke Mainzer behauptet, den kann ich nicht ernst nehmen."

Kommt die Länderspielpause zur rechten Zeit?

Der erfahrene Sebastian Kehl jedoch erklärt gegenüber SPORT1, warum die Länderspielreise beziehungsweise -pause für seine jungen Teamkollegen wichtig sein könnte:

"Für die Jungs wird es mal ganz gut sein, den Kopf ein bisschen frei zu kriegen und dann zu versuchen, mit neuer Kraft gegen Hannover den nächsten Dreier einzufahren."

Nach der Rückkehr nach Dortmund stehen für die jungen Borussen dann noch sieben Spiele auf dem Programm.

Das Dortmund die Qualität hat, ist unbestritten. Nun muss nur noch der Kopf mitspielen, um für die Meisterschaft noch benötigten Punkte auch einzufahren.

Denn ansonsten wäre die tolle Saison letztlich nichts wert.

"Im Nachhinein wird man als Verlierer hingestellt"

"Im Nachhinein wird man als Verlierer hingestellt", blickt Toppmöller noch mal auf die Saison 2001/02 zurück: "Wir haben im Pokalfinale gestanden, im Champions-League-Finale eine Riesenspiel gegen Real Madrid gemacht und waren in der Meisterschaft vorne dabei."

Doch das einzige was den Leverkusenern von der überragenden Saison am Ende blieb, war der lästige Ruf des ewigen Zweiten.

Ein ähnliches Fiasko will Klopp mit seiner Elf auf jeden Fall vermeiden.

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