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Jupp Heynckes gewann mit Real Madrid 1998 die Champions League © imago

Der Leverkusener Trainer wechselt aller Voraussicht nach zum dritten Mal nach München. Eine sichere Wahl, aber nicht ohne Risiken.

Von Maik Rosner

München - Sieben Wochen waren es nur, doch sie hatten entscheidenden Einfluss auf die folgenden Jahre.

Nicht nur beim FC Bayern, sondern auch auf das Renommee des Trainers Jupp Heynckes.

Als der 2009 nach Jürgen Klinsmanns Rauswurf in München übernahm, führte er die Bayern nicht nur in die Champions League, sondern polierte auch sein angekratztes Image auf.

Nun haben sie sich an die Dienste des 65-Jährigen erinnert. Seine dritte Amtszeit gilt als so gut wie sicher.

Eine verlässliche Lösung als Nachfolger von Louis van Gaal. Doch sie birgt auch Risiken.

"Ich habe Prinzipien"

Noch zögert Heynckes zwar, doch bereits in dieser Woche sollen die voraussichtlich unkomplizierten Verhandlungen geführt werden.

"Ich lasse Bayern nicht zappeln. Ich habe Prinzipien. Ich wollte erst mit Bayer 04 klarkommen und nicht hinterrücks mit anderen verhandeln", erklärte Heynckes via "Bild", warum er seine Zukunft trotz des Angebots noch offen lässt.

Zudem befindet sich sein aktueller Verein ja auch noch in Konkurrenz zu den Bayern. Der Tabellenzweite Leverkusen muss am 17. April im Kampf um die Qualifikation für die Champions League noch zum Vierten aus München. 367308(DIASHOW: Der 27. Spieltag)

Van Gaal plus Sicherungen

Doch spätestens danach werden Heynckes und die Bayern wohl öffentlich machen, was bis dahin längst vertraulich geklärt sein dürfte.

In der Einigung eingeschlossen sein könnte dann auch der Assistent Peter Herrmann, den Leverkusen aber nicht ziehen lassen möchte.

Von Heynckes versprechen sie sich vieles, was sie von van Gaal nicht bekommen haben: Vor allem attraktiven Fußball, in den aber auch Sicherungen eingebaut sind und der deshalb konstanter ist.

Einen Plan B zu Heynckes, so ist zu hören, gebe es nicht. Schon deshalb werden sie ihm kaum Wünsche ausschlagen in den Verhandlungen, in denen offenbar ein Zweijahresvertrag anvisiert wird.

Heilsbringer oder Risiko?

Doch Heynckes als Heilsbringer zu betrachten, wäre vermutlich zu euphorisch.

Denn der bald 66-Jährige gilt zwar als absoluter Fachmann, als erfahren und gelassen durch seine Auslandserfahrungen, als taktisch ausgefuchst und mittlerweile auch als Förderer junger Profis.

Toni Kroos etwa profitierte davon in seiner Leihphase bei Bayer und dürfte sich auf Heynckes schon freuen.

Eigen im Umgang

Aber der Fußballlehrer gilt auch als durchaus eigen im Umgang mit gestandenen Spielern.

In Leverkusen hatte nicht nur Michael Ballack weniger Freude an der Zusammenarbeit mit "Don Jupp". Patrick Helmes floh gar im Winter nach Wolfsburg.

In seiner Frankfurter Zeit schmiss Heynckes sogar die drei Topspieler Anthony Yeboah, Jay-Jay Okocha und Maurizio Gaudino aus disziplinarischen Gründen raus.

Mit beheizten Boots

Zudem wird Heynckes am 9. Mai 66 Jahre alt. Vielleicht kam Schalkes ehemaliger Manager Rudi Assauer wegen des Alters schon 2004 auf die Idee, Heynckes als "Trainer der alten Schule" zu verunglimpfen.

In München sehen sie das anders, wenngleich Heynckes schon einmal des Trainerjobs überdrüssig war.

"Zu alt gibt es nicht. Es gibt nur gut oder schlecht", sagte beispielsweise Miroslav Klose. Und dass der Trainer zuweilen beheizte Boots in grimmiger Winterkälte trägt, werten sie als eine nette Schrulle.

Doch was, wenn Heynckes der tägliche Medienrummel, der ständige Erfolgs- und Termindruck im München auf die Dauer doch zu viel wird?

Auch mal ein Glas Rotwein

Uli Hoeneß ist überzeugt, dass es mit Heynckes in München wieder "juppt". Zumal der seinen Ruf als Disziplinfanatiker abgelegt hat, zwar weiterhin als hart in der Sache, aber auch warm im Umgang gilt.

Früher trank Heynckes überwiegend Wasser. Mittlerweile genehmigt er sich auch mal einen guten Rotwein.

Bald wohl auch mal wieder mit Freund Hoeneß. Am liebsten aus ihrer Sicht, wenn Heynckes mit den Bayern gelingt, was er 1998 mit Real Madrid geschafft hat: den Gewinn der Champions League.

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