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Zweimal Felix Magath: In Wolfsburg gefeiert, auf Schalke gescheitert © getty

Während der Ex-Schalker und Wieder-Wolfsburger von Rangnick und Streit neue Kritik erntet, melden sich auch Fürsprecher.

Von Christian Paschwitz

München - Es knirscht irgendwie noch immer bei Königsblau.

Und dass, obwohl Felix Magath bereits seit einer Woche weg ist beim FC Schalke.

Doch noch immer produziert der vielfach als unrühmlich gewertete Abgang des Trainers und Manager seine Nachbeben.

Jetzt meldet sich beispielsweise der von Magath aussortierte Albert Streit zu Wort - und attackiert den 57-Jährigen scharf.

Streits Abrechnung mit Magath

"Ich hoffe, dass ich diesen Menschen nie wiedersehe. Dieser Mann hat meine Karriere kaputt gemacht?, zieht Streit in der "Sport Bild" bittere Bilanz.

Magath, pikanterweise nur einen Tag nach seinem Aus im Westen wieder beim VfL Wolfsburg angelandet, mit dem er 2009 Deutscher Meister wurde, sei "charakterlich unterste Schublade?.

In seiner Abrechnung nennt Streit neben seiner Verbannung zu den Amateuren und Gehaltsabzügen allerdings auch Dinge, die den Leidensdruck in den Augen mancher eher geringfügig erscheinen lassen.

Eintrittskarten und Auto-Wahl

Beispiel: "Alle Profis haben für die Heimspiele vier Eintrittskarten erhalten. Nur ich habe in einem Umschlag eine einzelne Karte vorgefunden", motzt Streit.

Und weiter: "Jeder Spieler darf sich einen VW Touareg bestellen. Nur ich durfte es nicht mehr. Ich durfte einen VW Golf oder einen VW Polo bestellen.?

Unbestreitbar jedoch: Streit ist nicht der Einzige, der mit Magath so seine Probleme hat(te).

Rangnick stichelt erneut

Zumal auch sein Nachfolger zum wiederholten Male Magath angeht.

Diesmal wegen dessen Heuern-und-Feuern-Mentalität, die zur Entfremdung zwischen Team und Anhängern geführt haben soll.

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"Durch die vielen Wechsel in den vergangenen 18 Monaten war es für die Anhänger schwer, sich mit dem Team anzufreunden. Als sie gerade ein Trikot beflocken ließen, war der Spieler schon wieder weg", kritisiert Rangnick in der "Sport Bild".

Magaths Konter: "Professor"

Der 52-Jährige gießt damit erneut Öl ins Feuer, nachdem er bei seinem Dienstantritt bereits den Zustand der Schalker Mannschaft kritisiert und damit Magaths Arbeit infrage gestellt hatte.

Was Magath süffisant konterte: "Zu mir hat Herr Rangnick nichts gesagt. Aber Herr Rangnick ist ja Professor. Er wird sich noch etwas einfallen lassen."

Es greift ohnehin zu kurz, dem introvertierten Magath nur den Stempel des Bösen anheften zu wollen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Grafite jubiliert

Denn trotz aller Kritik und Gegner sowie der Tatsache, bei seinen bisherigen Trainer-Stationen wenig Freunde zurückgelassen zu haben, weiß Magath auch Fürsprecher wie Anhänger an seiner Seite.

Wohl vor allem wegen seines Erfolgshungers, der auch Titel abwirft.

Wolfsburgs Stürmer Grafite schwärmt von seinem früheren Meistercoach: "Meine Frau hat mich gefragt: Jetzt bist du glücklich, oder? Ich habe gesagt: Ja, jetzt bin ich glücklich! Jetzt wird es hart für uns. Es ist aber gut für uns, dass er da ist. Mit Magath hatten wir viel Erfolg."

Auch Misimovic ist Magath-Fan

Auch Zvjezdan Misimovic lässt nichts kommen auf den "guten" Magath:

Bemerkenswert: Der Ex-VfL-Spielmacher hatte sich in seinen Vertrag einst gar eine Klausel einbauen lassen wollen, den Klub verlassen zu dürfen, wenn Magath geht.

Als Misimovic, über Galatasaray Instanbul inzwischen bei Dynamo Moskau gelandet, nun von Magaths Comeback in Wolfsburg erfuhr, soll er außer sich gewesen sein vor Wut, nicht mehr bei den "Wölfen" zu sein,

Scholl: "Für mich war Magath Gold wert"

Selbst "Quälix" Magaths zweifelhafte Trainingsmethoden wie die mit Medizinbällen sowie sein Ruf als wortkarger Schleifer, dem man auf Schalke zuletzt auch soziale Inkompetenz vorwarf, lassen Magath in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus auch positiv erscheinen.

"Für mich als Spieler war Felix Magath Gold wert", lobt Bayerns Ex-Profi Mehmet Scholl noch heute.

Manch einer benötigt vielleicht gerade Magaths knorrige Art, die ihn einst sagen ließ: "Profis stehen zu lange vor dem Spiegel. Der Gedanke, wie sie jubeln sollen, ist ihnen wichtiger als Tore."

Sogleich frenetischer "Wölfe"-Empfang

Das kommt an bei nicht wenigen Fans, spaltet die Anhängerschaft immer wieder in pro und kontra Magath, so zuletzt auch auf Schalke.

In Wolfsburg wurde der Fußball-Lehrer bei seinem Comeback gleich wieder herzlich von 1500 Kiebitzen am Trainingsplatz empfangen.

Magath selbst wiederum versucht neuerdings - entgegen seiner zumeist distanziert-unnahbaren Art - die Annäherung mittels neuer Medien.

Magaths Facebook-Abenteuer

Auf "Facebook" erklärte er nun: "Zunächst möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass ich mich länger hier nicht gemeldet habe. Ich habe in meiner Karriere manches erlebt."

Und weiter: "Die Erfahrungen der letzten Tage waren selbst für mich neu und müssen verarbeitet werden. Das braucht noch etwas Zeit."

Rangnick hat für die Kommunikation über soziale Netzwerke wenig übrig: "Das habe ich bisher nicht getan und werde es nicht. Ich bin ein Freund von Face-to-Face-Begegnungen und nicht von unpersönlichen E-Mails und Chats.?

So wie der eine Magath-Freund ist, der andere Magath-Gegner.

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