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Marcell Jansen wechselte 2008 vom FC Bayern zum Hamburger SV © imago

Der Abwehrspieler ist unzufrieden und denkt an einen Abschied. Trainer Oenning kontert. Der Klub packt die Kaderplanung an.

Hamburg - Nationalspieler Marcell Jansen hat den Hamburger SV für sein Fehlen im DFB-Kader für die anstehenden Länderspiele verantwortlich gemacht.

"Schlimm ist für mich, dass ich mich zuletzt nicht für die Nationalmannschaft empfehlen konnte. Da hat mir der Verein Steine in den Weg gelegt. Das ist ganz bitter", sagte der 25-Jährige dem "Hamburger Abendblatt": "Denn meine Leistungen waren immer okay."

Jansen stand in den vergangenen drei Bundesligaspielen insgesamt nur 70 Minuten auf dem Platz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Man wollte meine Hilfe nicht"

"Ich werde auf der Straße und selbst auf dem Spielfeld gefragt, was denn da los sei. Und ich habe keine Antwort", äußerte Jansen, der unter Trainer Michael Oenning beim 6:2 am vergangenen Wochenende gegen den 1. FC Köln nicht einmal im Kader stand.

"Irgendwie wollte man meine Hilfe hier bislang nicht. Aber ich überlasse es jedem einzelnen, sich selbst eine Meinung darüber zu bilden."

Jansens Hauptkritik scheint sich jedoch auf Oennings Vorgänger Armin Veh zu richten.

"Es kann sein, dass es da ein Problem gab", gestand der WM-Teilnehmer und kokettiert offenbar mit einem Wechsel im Sommer: "Bis dahin werde ich alles genau beobachten. Ich merke mir, wie man mit mir umgeht."

Oenning rügt Jansen

Jansen ist noch bis 2013 an den HSV gebunden.

Die Hamburger reagierten mit Unverständnis auf die Aussagen des Flügelspielers, der auch in den vergangenen Monaten immer wieder von Verletzungen geplagt worden war.

"Natürlich hat es eine Geschichte, dass Marcell im Moment nicht optimal in Form ist", meinte Oenning in der "Welt":

"Aber ihm fehlt auch eine selbstkritische Einschätzung seiner Leistung. Er wäre gut beraten, auf sich zu gucken."

Acht Verträge laufen aus

Doch nicht nur Jansen denkt über seine Zukunft nach. Beim HSV laufen die Verträge von acht Spielern aus.

HSV-Interimboss Carl-Edgar Jarchow und der im Hintergrund werkelnde künftige Sportchef Frank Arnesen stehen vor schwierigen Entscheidungen - zumal der finanzielle Spielraum noch nicht abgesteckt werden kann.

Ohne die Qualifikation für das internationale Geschäft müssen Gehaltseinsparungen im einstelligen Millionenbereich vorgenommen werden.

Müssen Spieler gehen?

"Wir stehen vor einer schwierigen Saison. Keine Frage. Erreichen wir wieder nicht den Europapokal, müssen wir unseren Gehälter-Etat runterfahren", sagte Jarchow der "Bild" und schloss auch Spielerverkäufe nicht aus.

"Wenn Angebote kommen, müssen wir uns ernsthaft mit denen auseinandersetzen", betonte der 55-Jährige, der die Amtsgeschäfte in der vergangenen Woche von Bernd Hoffmann übernommen hatte: "Und dann abwägen, ob der Spieler für uns sportlich unersetzbar ist oder nicht. Oder ob uns die Ablösesumme neuen Handlungsspielraum geben würde."

Allerdings betonte Jarchow auch, dass der Verein finanziell "solide" aufgestellt sei.

Arnesen setzt auf Sparsamkeit

Die Philosophie der Sparsamkeit trägt auch Arnesen mit.

"Wir werden nur das Geld ausgeben, das vorhanden ist", sagte der Däne der "Sport Bild": "Der Verein muss finanziell immer gesund bleiben."

So soll künftig vor allem auf den Nachwuchs gesetzt werden.

"Wir müssen kreativ und intelligent sein, die besten Talente finden und bei uns weiterentwickeln. Unser Ziel sollte sein, pro Jahr zwei Spieler in den Profikader einzubauen", meinte der 54-Jährige: "Das wäre fantastisch und spart Geld."

Van Nistelrooys Zukunft ungeklärt

Neben Perspektivspielern sollen aber auch weiter gestandene Profis zum Zuge kommen. Diese brauche man für den Erfolg, erklärte Arnesen.

Jarchow kündigte an, Gespräche mit den Routiniers Ze Roberto und Frank Rost suchen zu wollen. Die Verträge der beiden Oldies laufen im Sommer aus.

Dann endet auch van Nistelrooys Kontrakt.

Der niederländische Nationalspieler hatte vor zwei Monaten zwar seinen Abschied vom HSV verkündet, rudert nun aber zurück.

"Ich habe noch keine Gespräche mit dem HSV geführt. Erst dann kann man eine Entscheidung treffen", sagte der Angreifer der "Sport Bild".

Ob die Hamburger mit dem 34-Jährigen verlängern wollen, scheint aber ungewiss.

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