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Felix Magath (l.) lässt seine Stars, wie den Brasilianer Diego (M.) schwitzen © imago

Felix Magath macht seinem Spitznamen alle Ehre und greift beim VfL Wolfsburg hart durch. Helmes muss zur Frühschicht antreten.

Von Nikolai Kube

München/Wolfsburg - Antreten um 6.45 Uhr.

Nein, Patrick Helmes hält nicht seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr ab. Er hat nur einen neuen Trainer - und der heißt Felix Magath.

Der Coach des VfL Wolfsburg poliert seinen Ruf als "Quälix" in diesen Tagen ordentlich auf.

Ein Teil der VfL-Profis, unter anderem Helmes und Neuzugang Tuncay Sanli, trainiert in der spielfreien Woche in der Schulturnhalle in Hattorf bei Wolfsburg.

Da die Halle ab 8 Uhr durch Schulklassen belegt ist, müssen die Spieler mit Trainingsrückstand in einer Superfrühschicht Kondition bolzen. Schleifer Magath.

Magath macht seine Drohungen wahr

Nach dem Last-Minute-Ausgleich am Sonntag in Stuttgart (1:1) hatte der 57-Jährige bereits angekündigt:

"In den nächsten Tagen steht Konditionsarbeit an. Der Zustand des Teams ist schlecht, körperlich fehlt viel."

Nun macht Magath seine Drohungen wahr. Seit Montag quält er seine Mannschaft mit kraftraubenden Einheiten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zu Wochenbeginn überraschte er die Spieler mit einer ungewöhnlichen Maßnahme: Ohne Frühstück schickte er sie zum Laufen - noch dazu eine Stunde früher als gewohnt.

"Ich habe nur das Programm umgestellt", meint Magath mit Unschuldsmiene:

"So haben wir nicht wie geplant um 9 Uhr gemeinsam gefrühstückt und um 19 Uhr trainiert, sondern haben eben erst gearbeitet und dann gemeinsam gegessen."

"Konzentrieren, Arbeiten!"

Am Dienstag stand zwar nur eine Einheit auf dem Programm, die hatte es aber in sich.

Um 9.55 Uhr rief er seine Schützlinge zusammen und ordnete intensives Zirkeltraining an: Zweimal 20 Minuten, 35 Sekunden dauerte jede Übung.

Als Arbeitsgerät dienten die von Magath geschätzten Medizinbälle, mit denen Grafite und Co. ihre Bauchmuskulatur aufbessern mussten.

"Konzentrieren, Arbeiten!", schrie Magath.

Und Co-Trainer Werner Leuthard ermahnte Helmes, dem anzusehen war, dass er Neuland betrat: "Tiefer, tiefer, tiefer, runter!"

[kaltura id="0_ddllc1te" class="full_size" title="Elf Freunde und der Medizinball"]

Eine Stunde Intervallläufe

Der Mittwoch begann gemächlich, ein Trainingsspiel sorgte für gute Stimmung. Die verflog aber schnell.

Denn anschließend mussten die Bundesliga-Stars über Hürden springen. 40 Minuten lang: erst vorwärts, dann seitwärts, dann einbeinig.

In der zweiten Trainingseinheit am Nachmittag bat Magath seine müden Jungs zu Intervallläufen. Über eine Stunde quälten sie sich.

Donnerstags ging es dann relativ entspannt zu. Zunächst ließ Magath seine Mannschaft Pässe üben, danach wurde Handball gespielt.

Allerdings mit Medizinbällen...

Am Abend steht ein Testspiel beim Regionalligisten TSV Havelse (ab 18.30 Uhr in Einblendungen im TV auf SPORT1) an.

"Hügel der Leiden" noch unberührt

Immerhin: Der "Hügel der Leiden" mit Treppen und Sprintrampen, den der Trainer in seiner ersten Amtszeit beim VfL extra zu Fitnesszwecken bauen ließ, blieb in den vergangene Tagen (noch) unberührt.

Trotzdem heißt die Mraschroute: Schuften für den Klassenerhalt.

"Die Spieler glauben, dass sie besser als der Tabellenplatz sind. Sie haben nicht registriert, dass sie auf einem Abstiegsplatz stehen", sagt Magath.

"Dafür muss das Bewusstsein geschaffen werden."

Und dies scheint zu gelingen, die Mannschaft lobt sogar die harte Gangart des neuen alten Bosses.

"Trainerwechsel motiviert uns"

"Ein bisschen Muskelkater habe ich ehrlich gesagt schon, aber es ist alles okay. Magath ist für uns in dieser Situation genau der richtige Mann", glaubt Kapitän Marcel Schäfer.

Teamkollege Diego sieht dies ähnlich:

"Das ist gut für uns. Magath ist ein Champion. Und mit Champions zu arbeiten, macht immer Spaß. Der Trainerwechsel motiviert uns."

Ein Mann hat sich besonders auf den Meistertrainer gefreut: Grafite.

Unter Magath war der Brasilianer in der Saison 2008/09 zu einem Top-Angreifer gereift und wurde wegen seiner unbändigen Kraft von Ex-Sturmpartner Edin Dzeko einst "Maschine" getauft.

Grafite kritisiert Magaths Vorgänger

Nun gesteht Grafite im "kicker": "Mir fehlt die Kraft - und ich brauche diese Kraft. Ich hoffe, Magath gibt sie mir."

Deutliche Kritik an den Ex-Trainern Steve McClaren und Pierre Littbarski.

Grafite geht sogar noch einen Schritt weiter: "Hätten wir so in der Saisonvorbereitung gearbeitet, wir würden unter den Top fünf in der Bundesliga stehen."

Aber bringt ein derart hartes Konditionstraining mitten in der Saison überhaupt etwas?

DFB-Fitnesscoach: Konditionstraining sinnvoll

"Kurzfristig lässt sich einiges rausholen", erklärt DFB-Fitnesscoach Dr. Andreas Schlumberger im "kicker".

Zwar könnten Grundlagen nicht nachhaltig verbessert werden.

Die Tempohärte, "das, was den Fußball ausmacht: wiederholte Sprintfähigkeit, kurze, explosive Aktionen", ließe sich in fünf intensiven Einheiten aber definitiv steigern, sagt Schlumberger.

Den Beweis müssen die Spieler in der nächsten Bundesliga-Partie antreten. Dann wartet Eintracht Frankfurt mit Christoph Daum. Ein Abstiegsduell.

Magaths Methoden lassen die Spieler in Wolfsburg aber bereits wieder träumen.

Sascha Riether sagt: "Wir sind 2009 Meister geworden, weil wir am Saisonende jeden Gegner überrannt haben..."

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