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Oliver Kahn gewann mit dem FC Bayern 2001 die Champions League © getty

Der "Titan" erklärt van Gaals Scheitern beim FC Bayern. Bei Heynckes ist er ein wenig skeptisch, bei Neuer optimistisch.

Von Daniel Rathjen

München - Vor gar nicht allzu langer Zeit tat Louis van Gaal seine Aussagen als "Papageienmusik" ab.

Mittlerweile steht fest, dass der Trainer den FC Bayern am Saisonende verlassen wird (241095DIASHOW: Bayerns Planspiele). Er ist mit seinem System gescheitert.

Oliver Kahn hat das zur Kenntnis genommen und sich seine Meinung gebildet.

Der "Titan" in der "Bild": "Van Gaal wirkt wie ein Mensch, der wenig bereit ist auch andere Standpunkte in seine Entscheidungen einfließen zu lassen."

"Van Gaal hat Defensive vernachlässigt"

Die Gründe für die Trennung liegen für ihn auf der Hand:

"Ich glaube, er ist daran gescheitert, dass er vernachlässigt hat, dass - bei aller Attraktivität des Spiels - die Titel immer aus einer stabilen Defensive heraus gewonnen werden."

Mit individuellen Fehlern bringen sich die Münchner in dieser Saison oft selbst in die Bredouille, bereits Mitte März sind sämtliche Entscheidungen gefallen.

Sehnsucht nach van Bommel

Aus im Pokal, Aus in der Champions League - und in der Liga 14 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Die Defensive hat es in diesem System nicht einfach. Wenn man phasenweise in der Rückwärtsbewegung so fahrlässig arbeitet wie Bayern, dann hat es auch die beste Abwehr schwer", weiß Kahn.

Der 41-Jährige vermisst Akteure mit Charisma und Ecken und Kanten wie Mark van Bommel, der im Winter aufgrund fehlender Perspektive zum AC Mailand flüchtete.

[kaltura id="0_ev4johdy" class="full_size" title="Lattek Kein guter Stil "]

"Die Bayern sind alle großartige Fußballer. Aber manchmal wirkt alles einen Tick zu brav. Typen wie ein van Bommel, Terry oder Gattuso braucht man einfach", betont der ehemalige Torhüter.

Mit ausschlaggebend für die Trennung von van Gaal ist sicherlich auch der Disput mit Präsident Uli Hoeneß, der seit dessen Vorwurf, der Niederländer sei "beratungsresistent", im Verein schwelt, auch wenn Kahn sich das kaum erklären kann.

Vorwürfe an van Gaal

"Hoeneß ist ein Mensch, der für einen Trainer durchs Feuer geht, wenn er das Gefühl hat, dass man für den Verein alles gibt. Ein Trainer ist immer noch der wichtigste Mann in einem Verein. Und gerade deshalb ist es zwingende Voraussetzung, dass ein Trainer die Fähigkeit besitzt auch sein Umfeld mitzunehmen und einzubinden", sagt er.

"Ich glaube, dass es sehr schwierig war, van Gaal davon zu überzeugen, gewisse Dinge zu tun. Wenn die Kommunikation nicht optimal funktioniert und man keine Übereinstimmung findet, wird das irgendwann problematisch."

Zweifel an Heynckes

Bei Jupp Heynckes, der als Top-Nachfolgekandidat gehandelt wird, wäre das wohl weniger der Fall.

"Er kennt den Verein und hat nach Klinsmann erfolgreich dort gearbeitet. Da macht man nichts groß verkehrt. Wenn Jupp Heynckes brennt, warum soll er es nicht machen, wenn Bayern es ihm anbietet?", meint auch Kahn.

Dennoch hat er so seine Zweifel: "Ob das Ganze perspektivisch und nachhaltig ist, da bin ich mir nicht hundertprozentig sicher", fügt er an.

Optimistisch bei Neuer

Optimistisch ist Kahn dagegen beim Thema Manuel Neuer. Obwohl er Thomas Kraft für hochtalentiert halte, gehe er davon aus, dass der Schalke-Keeper kommen werde.

Eine Spieler-Flucht, sollte Bayern auch noch das Minimalziel Champions-League-Qualifikation, befürchtet er indes nicht.

"Die Spieler haben einen Vertrag unterschrieben und in dem steht nicht, dass sie den Verein wechseln können, wenn sie nicht in der Champions-League spielen. Ich habe auch in der Europa-League gespielt - und ich kann versichern: Daran stirbt man nicht."

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