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Christian Schulz (l.) kam 2007 aus Bremen, Jan Schlaudraff ein Jahr später von den Bayern © imago

Der Rekordmeister umwirbt eine Stütze von Überraschungsteam Hannover. Schulz und Schlaudraff träumen vom ganz großen Wurf.

Von Martin Hoffmann und Nikolai Kube

München - Es ist ein Gerücht, über das sich Hannover 96 ärgern kann.

Gleichzeitig können es die Niedersachsen als größtmögliches Kompliment verstehen.

Der FC Bayern schielt auf ihren Abwehrturm Emanuel Pogatetz, heißt es in österreichischen Medien.

Es erinnert an ein altes Münchener Verhaltensmuster: Die besten Spieler eines Vereins zu umwerben, der ihnen gefährlich zu werden droht.

"Die Gegner nehmen uns mittlerweile ernst"

Bei 96 wird man es nicht ganz so deuten - zumindest nicht öffentlich. Aber seine Akteure haben auch so längst realisiert: "Die Gegner nehmen uns mittlerweile ernst."

Christian Schulz erklärt das im Gespräch mit SPORT1. Er merke es "im Kabinengang", wo er immer öfter von gegnerischen Spielern höre: "Ihr seid eine richtig gute Mannschaft geworden."

Schulz will das noch öfter hören, weshalb er in dieser Woche in Hannover verlängert hat - ebenso Sofian Chahed, Karim Haggui und Markus Miller.

Selbst Miller, der als dritter Torwart hinter Ron-Robert Zieler und Florian Fromlowitz ziemlich perspektivlos dasteht: An der Erfolgsgeschichte Hannover will offenbar jeder, der kann, weiter teilhaben.

Eine nie dagewesene Euphorie

"Es ist schön, die Anerkennung in der Stadt und von den Freunden zu spüren", meint Schulz.

Anerkennung, die sich der Klub in dieser Saison wohlverdient hat: Platz drei vor den Bayern, ein frühzeitig gebrochener Vereinsrekord von 50 Punkten, Kurs aufs internationale Geschäft, aktuell gar auf die Champions League - und eine nie dagewesene Euphorie (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Alle drei noch ausstehenden Heimspiele sind schon ausverkauft, was bei Hannover nicht selbstverständlich ist: Stadionchef Thorsten Meier hat in acht Jahren "noch nicht erlebt, dass zu so einem Zeitpunkt bereits alle Tickets vergriffen waren".

Das Erfolgsrezept funktioniert

Hannover hat eine neue Sogwirkung entfacht als heimstärkstes Team der Liga (31 Punkte) und durch die Handschrift, die Coach Mirko Slomka der Mannschaft verpasst hat:

Einsatzfreude, Aggressives Pressing, handstreichartiges Spiel nach vorne - das Erfolgsrezept funktioniert, auch nach Rückschlägen.

Nach dem 0:4 in Köln - von vielen Einbruchsprophezeihungen begleitet - siegte Hannover gegen Hoffenheim wieder, als wäre nichts gewesen.

"Der Trainer hat eine gute Mischung zwischen jung und alt, unerfahren und erfahren gefunden", befindet Stürmer Jan Schlaudraff bei SPORT1: "Das sieht man Woche für Woche."

Traumziel Europa

Hannovers Spieler sind angefüttert von der Kostprobe der großen Glorie: Sie tun alles, um die Chance, die diese Saison noch bietet, beim Schopf zu packen.

Stürmer Didier Ya Konan und Abwehrmann Steven Cherundolo verzichten wegen leichter Blessuren auf Länderspielreisen, um die Ziele in der Liga nicht zu gefährden.

Und Christian Schulz sagf: "Bayern hat natürlich großes Potenzial und gehört in die Champions League. Aber noch stehen wir da." International zu spielen, gleich ob in Europa oder Champions League "wäre das größte, was ein Fußballer erreichen kann".

Schlaudraff ergänzt: "Wenn wir am Ende in die Champions League kommen, werden wir eine ordentliche Feier starten." Und: "Jeder internationale Platz wäre eine Sensation und für mich eine Weltklassesaison."

Das Gerüst steht

Hinter den Kulissen arbeitet Hannover daran, dass es nicht bei einer Weltklassesaison bleibt.

"Die Mannschaft für die neue Saison steht im Wesentlichen", konstatiert Klubchef Martin Kind, der sich über "90 Prozent Planungssicherheit" freut:

Durch die Verlängerung mit Slomka, den "Lebenszeit-Deal" mit Erfolgs-Manager Jörg Schmadtke, Langzeit-Verträge mit Schlüsselspielern wie dem Sturmduo Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue (beide bis 2014).

Höchstens vier Neue

Ein Gerüst, dass Hannover auch für internationale Aufgaben nicht mehr groß ausbauen muss: Höchstens vier neue Spieler sollen kommen, so der Konsens zwischen Kind, Slomka und Schmadtke.

Hannover hat auch keine Lust, sein wichtigstes Kapital zu versilbern: "Wir haben die Verträge doch nicht verlängert, um die Spieler teuer abzugeben, sondern um mit diesen Spielern zu planen", sagt Kind.

Dass bei Interesse von einem Top-Klub dennoch einer weich werden kann, ist trotzdem nicht auszuschließen.

Schulz hofft, dass es Pogatetz nicht passiert: "Wenn Bayern ruft, kann es schon mal passieren, dass man ins Grübeln kommt. Aber er weiß, was er an Hannover hat."

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