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Christoph Daum führte den VfB Stuttgart 1992 zur deutschen Meisterschaft © imago

Christoph Daum geht die Aufgabe in Frankfurt mit Feuer an - und würde am liebsten alles selbst machen. SPORT1 hat Daum beobachtet.

Aus Frankfurt berichtet Thorsten Mesch

Frankfurt/Main - Frankfurt, Tag eins nach der Präsentation des "Messias".

Am Trainingsplatz hinter der Haupttribüne der Commerzbank-Arena stehen nicht mehr 2000 Zuschauer, es überträgt auch kein Fernsehsender mehr live. 369622(DIASHOW: Daums Start in Frankfurt)

Aber immerhin fast 300 Fans sind bei strahlendem Sonnenschein zur Nachmittagseinheit am Donnerstag gekommen.

Sie wollen sehen, wie Christoph Daum, der am Mittwoch von einem Dutzend Kamerateams und zwei Dutzend Fotografen umzingelt wurde, die Eintracht wieder auf Vordermann bringt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Mit Assistent und Trillerpfeife

Um kurz nach 15 Uhr betritt Daum mit seinem Trainerstab um Assistent Roland Koch den Platz.

Koch trägt wie immer eine Schirmmütze. Heute auch eine Sonnenbrille. Und natürlich hat er seine Trillerpfeife dabei.

Die braucht er aber zunächst nicht. Während Koch mit den Spielern zuerst locker "Hoch das Bein" macht, stellt Daum höchstpersönlich die Hütchen auf.

Zuerst gelbe, dann weiße. Immer in einem Abstand von sieben Metern. Schließlich formiert sich das ganze zu einem großen Rechteck.

Persönlicher Sponsor darf nicht fehlen

Am wolkenlosen Himmel ziehen weiße Jumbo-Jets vorüber, doch dafür haben die Eintracht-Spieler kein Auge. Koch malträtiert sie mit Kräftigungsübungen, Daum beobachtet mit über der Brust verschränkten Armen.

Selbstverständlich sind auch zwei rote Aufkleber seines persönlichen Sponsors längst auf seinem dunkelblauen Trainingsanzug angebracht.

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Vier neongelbe und vier grün-orange-farbene Leibchen hat Daum, fast schon liebevoll, in dem von ihm abgesteckten Rechteck drapiert.

"Keine Pause!"

Die Übung: Zehn gegen vier. Der Ball muss direkt gespielt werden, die vier in der Mitte müssen ihn erobern. "Berühren reicht nicht", ruft Daum.

Seine Kommandos hallen über den Platz: "Ihr müsst sprechen, ihr müsst euch informieren!".

Dann ein Fehlpass. Ein Spieler bleibt kurz stehen. Daum rauft sich die Haare: "Keine Pause! Sofort umschalten!"

Eintracht-Spieler an der Grenze

Daum, der Motivator, peitscht seine Spieler nach vorn. "Ich kann das Feld noch kleiner machen. Dann wird es noch schneller, dann müsst ihr noch schneller umschalten!"

[kaltura id="0_lpds0t9h" class="full_size" title="Daum 25 Stunden am Tag f r die Eintracht "]

In der Vormittagseinheit hatte Daum auf dem halben Feld acht gegen acht spielen lassen, die Tore immer näher aneinander geschoben. (REAKTIONEN: Farbtupfer und Frikadelle)

Die Spieler sind an ihrer Grenze, einige taumeln fast über den Rasen. "Noch 30 Sekunden!", schreit Daum: "Gebt die Kugel nicht mehr ab!"

Der Rhythmus der Trillerpfeife

Die Übung ist vorbei, mit dem Ball arbeitet jetzt nur noch Torwart Ralf Fährmann. Kapitän Patrick Ochs, nach seiner Verletzung noch nicht im Mannschaftstraining, beendet seine lockere Laufeinheit.

Der Rest der Mannschaft wird hart rangenommen: Pärchenweise laufen sie um den Platz, Koch steht in der Mitte und gibt die Kommandos mit seiner Pfeife: Ein Pfiff: Tempo anziehen, zwei Pfiffe, locker weiterlaufen.

Anfangs unterhalten sich die Spieler noch, doch nach einer Viertelstunde redet niemand mehr. Als Koch nach mehr als einer halben Stunde abpfeift, ist den Profis die Anstrengung ins Gesicht geschrieben.

"Hier hält sich keiner zurück"

"Schon zu Kölner Zeiten hatten viele Spieler gesagt: Trainer, ihr Training ist sehr, sehr anspruchsvoll", hatte Daum, der nach einer kurzen Ansprache um 16.22 Uhr die Einheit beendet, zuvor erläutert.

"Ich kann meiner Mannschaft nur ein Kompliment machen. Heute haben die Spieler in beiden Einheiten sehr engagiert gearbeitet", sagt Daum vor dem Gang in die Kabine im Gespräch mit SPORT1 und ergänzt:

"Hier hält sich keiner zurück. Der einzige, der sich manchmal ein bisschen zurückhält, ist der Trainer, weil die Spieler so gut mitgehen, dass sie über die Leistungsgrenze hinausgehen. Dann muss ich ein bisschen bremsen."

Wolfsburg erstes Zwischenziel

Spätestens am kommenden Wochenende in Wolfsburg will Daum mit seinen Spielern, mit denen er in den kommenden Tagen viele Einzelgespräche führen will, aber richtig Gas geben.

"Wenn wir den Kopf wieder frei kriegen, dann marschieren wir."

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