Jupp Heynckes ist der Herausforderung FCB gewachsen, dafür gibt es gute Gründe. Die Trainerrochade hat aber ein Geschmäckle.

Einen Innovationspreis darf der FC Bayern für die Verpflichtung von Jupp Heynckes nicht erwarten.

Bereits zum dritten Mal in seiner Laufbahn übernimmt der 65-Jährige den wohl aufregendsten Trainer-Job der Bundesliga.

Die Bayern-Verantwortlichen einigten sich bei ihrer Entscheidung gewissermaßen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Nach dem "Experiment Jürgen Klinsmann" (O-Ton Uli Hoeneß) und dem eigenwilligen Offensivprediger Louis van Gaal folgt nun ein Trainer, von dem keine spektakulären taktischen Rochaden zu erwarten sind, dafür aber beste Fachkenntnis.

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Das größte Plus von Jupp Heynckes: Er kennt den Rekordmeister bestens, weiß, was ein kaiserliches Donnerwetter bedeutet und auch ein Glas Rotwein mit Freund Uli am Tegernsee.

Der ehemalige Torjäger hat enorm dazu gelernt, ist längst für seine Spieler nicht mehr unnahbar.

Stattdessen geht er auf sein Personal ein, hält nichts von allzu hierarchischen Führungsstrukturen.

Zur nunmehr beim FC Bayern flacheren Hierarchie um Kumpel-Kapitän Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sollte das passen, zumal Heynckes auch ein Gespür für Talente hat.

Unter ihm entwickelte sich Toni Kroos bei Bayer Leverkusen zum Nationalspieler, er ist bereits Heynckes-Fan.

Die Offensivkünstler Franck Ribery und Arjen Robben dürften indes gespannt sein, ob es ihr künftiger neuer Chef schafft, dem Team eine klare defensive Aufgabenverteilung zu verpassen.

Denn Wege nach hinten wird auch Heynckes den beiden Superstars abverlangen. In Leverkusen hat er zuletzt gezeigt, dass er im Zweifelsfall den Konflikt mit einem Star wie Michael Ballack nicht scheut.

Am 9. Mai wird Jupp Heynckes 66 Jahre alt.

Zum Abschluss seiner Trainerkarriere erwartet ihn noch einmal eine ganz große Aufgabe bei einem Klub aus der europäischen Luxusklasse.

Und natürlich will Heynckes mit seinem neuen Team in der Champions League spielen, alte Bekannte von Real Madrid und Co. wiedertreffen.

Doch pikanterweise wetteifert er als aktueller Leverkusener Coach noch mit dem FCB um einen Königsklassenplatz.

Das große Duell steigt am 17. April.

Es war dennoch richtig, dass die Beteiligten schon jetzt die Einigung verkündet haben. Alles andere wäre unehrlich gewesen.

Dass die Leverkusener Bosse um Sportdirektor Rudi Völler ihren "Don Jupp" kampflos ziehen lassen mussten, zeigt dass der Werksklub gegen Verlockungen aus München weiter chancenlos bleiben wird.

Das gilt eben nicht nur in Sachen Spielertransfers.

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