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Jupp Heynckes sicherte dem FC Bayern 2009 die Champions-League-Teilnahme © getty

Die Münchner entscheiden sich für Jupp Heynckes, weil sie dessen Qualitäten schätzen. Gegenüber van Gaal hat er einen Vorteil.

Von Mathias Frohnapfel

München - Er ist einer aus der Familie.

Und gerade deshalb trauen sie ihm zu, die Dinge zu richten beim FC Bayern.

Zum dritten Mal in seiner Laufbahn übernimmt Jupp Heynckes den Rekordmeister.

Und wenn der Trainer im Sommer nach München zurückkehrt, ist das auch so etwas wie Teil II der großen Wiedergutmachungsgeste von Präsident Uli Hoeneß.

(EINWURF: Mit 66 fängt das Leben an)

Die Heynckes-Entlassung aus dem Herbst 1991 hat der Bayern-Boss wiederholt als "meinen größten Fehler" bezeichnet und über jene dramatische Tage ehrlich berichtet:

"Wir haben geheult wie die Schlosshunde. Aber das hat unserer Freundschaft nicht geschadet."

Bereits vor zwei Jahren hat sich Hoeneß seines Freunds "Don Jupp" entsonnen und ihn zurück nach München beordert.

In wenigen Wochen gelang dem, die gröbsten Patzer der Nicht-Ära Klinsmann auszubessern und den FCB doch noch in die Champions League zu hieven.

(370533DIASHOW: Die Karriere von Jupp Heynckes)

"Jupp Heynckes kennt den Verein", weiß Bastian Schweinsteiger. Die "unglaubliche Gabe, jedem Mitarbeiter zu vermitteln, richtig wichtig zu sein", hebt indes Hermann Gerland in der "tz" als Heynckes' große Stärke hervor.

"Das Feuer brennt sehr in ihm"

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge schätzt ebenso den Arbeitsstil des neuen Cheftrainers, der anders als Vorgänger Louis van Gaal keine Fußballmannschaft von Co-Trainern mitbringen wird.

Nach den Vertragsgesprächen, die auf Heynckes' Bauernhof im niederrheinischen Schwalmtal stattfanden, sagte Rummenigge der "Bild": "Natürlich ist Jupp Heynckes 65, aber wenn er vor einem steht und spricht, so wie am Donnerstag, weiß man, dass das Feuer in ihm noch sehr brennt."

Seine charmante Vermutung: "Er hat offensichtlich eine biologische Uhr, die ihn wesentlich jünger macht."

Und natürlich ist Rummenigge überzeugt, dass die Roten "mit Jupp Heynckes eine erfolgreiche Zusammenarbeit haben werden".

[kaltura id="0_osc7mexy" class="full_size" title="Ende der Experimente"]

Gelassener - auch gegenüber den Medien

Die Herangehensweise des Fußballlehrers haben die Bayern-Verantwortlichen 2009 genau beobachtet - genauso wie seinen gewandelten Umgang mit den Medien.

Heynckes als HB-Männchen, wenn Schlagzeilen nervten, das war früher.

Stattdessen zeigt er mittlerweile mehr Gelassenheit, berichtete bei Pressegesprächen schon mal von seinem Hund Cando oder beklagt sich über die vermeintlich ungesunden Klimaanlagen in Spanien.

Auf seine neue Aufgabe freut er sich - auch wegen der guten Drähte zur Säbener Straße.

"Ganz abgesehen von den guten persönlichen Beziehungen zu den Verantwortlichen des FC Bayern hat mir immer imponiert, wie professionell dieser Klub geführt wird."

"Die Wetterkarte ist interessanter"

"Die Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit Jupp Heynckes", lästerte Christoph Daum einst als Kölner Coach über Widersacher Heynckes.

Hoeneß stellte sich wie ein wütender Wachhund vor ihn.

Und auch für die kommende Saison wird Heynckes diesen Schutz genießen.

Denn im Gegensatz zu van Gaal sucht er das Gespräch mit den ausgewiesenen Fußballexperten in der FCB-Spitze, nimmt auch mal einen Hinweis auf.

Das war es ja, was Hoeneß, aber auch Sportdirektor Nerlinger - etwa in der Torwart-Frage - an van Gaal ärgerte.

Hoeneß: "Nur Ratschläge gegeben"

"Es hat noch nie einen Trainer gegeben, dem wir reingeredet haben", erklärte Hoeneß unlängst.

"Wir haben Louis van Gaal nur Ratschläge gegeben. Wenn wir gemeinsam in den Dreck gegangen wären, in dem wir jetzt stecken, wären wir da rausgekommen."

Es gehört zu den Achterbahnfahrten im Mannschaftssport, dass auch auf Heynckes zwangsläufig schwere Zeiten zukommen werden.

Doch er weiß, was er am FCB hat, lobt die professionellen Strukturen und das "Klima, in dem dort gearbeitet wird".

Spielerbasis soll stimmen

Von Hoeneß und Co. wird Heynckes die größtmögliche Unterstützung bekommen - auch aus Selbstschutz, denn wenn ein ausgewiesener Fachmann wie Routinier Heynckes mit Bayern nicht glänzen kann, wer dann?

Auf dem Spielermarkt werden sich die Bayern gleichfalls umschauen, um Heynckes eine verheißungsvolle Basis zu liefern (241095DIASHOW: Bayerns Planspiele).

Von bis zu drei neuen Verteidigern ist die Rede und auch Heynckes Leverkusener Musterschüler Arturo Vidal wäre ein Typ für die Münchner.

Nur Kahn mäkelt

Nach Kritik an der Verpflichtung von Jupp Heynckes muss man schon suchen, doch auch sie gibt es.

"Ob das Ganze perspektivisch und nachhaltig ist - da bin ich mir nicht hundertprozentig sicher", sagte der ehemalige Bayern-Torwart Oliver Kahn.

An Heynckes, der mit einem Zweijahres-Vertrag ausgestattet ist, liegt es jetzt Kahn eines Besseren zu belehren.

Die Bayern-Familie hat er hinter sich.

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