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Ivica Olic (l. mit Guerrero) spielt seit Januar 2007 für den HSV © imago

Der Sieg im prestigeträchtigen Nordderby bringt Hamburg wieder auf Kurs. Bremen nimmt die Niederlage auf die leichte Schulter.

Von Jessica Pulter und Björn Huth

München/Hamburg - In Hamburg sind 73 Minuten gespielt als Ivica Olic sich auf der rechten Außenbahn den Ball schnappt.

Der Stürmer vom Hamburger SV zieht mit dem Rund nach Innen, legt sich den Ball auf den linken Fuß vor und setzt zu einem satten Schuss an.

Olics Schuss fliegt von der Strafraumgrenze aus ins hintere obere Eck von Werder Bremens Keeper Tim Wiese und dreht sich unhaltbar ins Netz.

Es ist der entscheidende Treffer zum 2:1 (1:1)-Heimsieg des HSV gegen Bremen, der die "Rothosen" auf Platz fünf und zurück auf einen UEFA-Cup-Platz bringt.

"Tor des Jahres"

"Das wird das Tor des Jahres werden. Da hat nichts mehr dazwischen gepasst im Lattenkreuz", meinte dann auch Wiese, der ausgerechnet von Olic mit so einem Tor überrumpelt wurde.

Der Kung-Fu-Tritt des Torwarts gegen den quirligen Kroaten war die Aktion, die das letzte Aufeinander der beiden Teams überschattet hatte.

Und nun gab Olic Wiese mit diesem herrlichen Tor die passende Antwort. Da konnte sich der Neu-Nationalspieler auch ein Lächeln nach dem Gegentreffer nicht verkneifen.

Kein verdienter Sieg

"Das war bisher mein bestes Tor. Aber wichtiger ist, dass wir die drei Punkte geholt haben", erklärte Olic zurückhaltend, der als Souvenir das Trikot des Bremer Keepers mit nach Hause nahm.

"Das wir das Spiel noch gewonnen haben, ist ein Traum für uns", sagte Joris Mathijsen zu Sport1.de.

Auch Trainer Martin Jol gestand: "In den ersten zehn Minuten waren wir die bessere Mannschaft. Danach hat Werder das Geschehen bestimmt. Man kann zwar nicht sagen, dass der Sieg verdient war. Aber ich bin natürlich trotzdem sehr zufrieden."

Führung durch Guerrero

So blieb auch das Tor eine der wenigen guten Szenen in der prestigeträchtigen Partie, in der beiden Mannschaften spielerisch nicht überzeugten und die Wurf-Attacke aus dem HSV-Fanblock gegen Bremens Frank Baumann einen negativen Höhepunkt fand.

Dabei hatten die Hamburger eigentlich einen perfekten Start hingezaubert, denn bereits nach sechs Minuten waren die Hausherren durch Paolo Guerrero in Führung gegangen.

Ironie im Spiel

Danach stellten sie allerdings ihre Offensivbemühungen ein, ließen Bremen viel Platz im Mittelfeld und lauerten nur auf Konter.

Bremen nutzte diesen Raum aber kaum, Diegos Tor (24.) zum Ausgleich fiel bezeichnenderweise nach einem Freistoß, und auch im restlichen Spielverlauf resultierten Werders Chancen zumeist aus Distanzschüssen.

Da ist es fast schon ironisch, dass Olic genau so das Spiel auf der anderen Seite entschied.

"Ein Traumtor - leider"

"Das war ein Sonntagsschuss, der passte genau oben rein. Ein Traumtor. Leider", meinte dann auch Bremens Trainer Thomas Schaaf, der ansonsten mit der Leistung seines Teams zufrieden war.

"Es war von unserer Seite ein sehr gutes Spiel, sehr aktiv. Nur der Abschluss war nicht so, wie es vielleicht hätte sein können."

Die Dominanz täuscht

Doch bei den Bremern lag mehr im Argen als nur der Abschluss. Hamburg ließ sich das Spiel freiwillig aus der Hand nehmen, und trotzdem schafften es die Bremer nicht, daraus Kapital zu schlagen.

"Unsere Dominanz hat uns getäuscht", erklärte Innenverteidiger Per Mertesacker, der mit seiner Mannschaft nur noch auf Platz neun in der Tabelle rangiert. "Wir waren immer am Drücker, immer gefährlicher als der Gegner. Doch uns hat der Spieler gefehlt, der vorne das Tor macht."

Gegen Famagusta zählt nur der Sieg

Für Bremen ist es damit bereits das vierte Auswärtsspiel ohne Sieg in Folge.

Kein gutes Omen für das Champions-League-Spiel bei Anorthosis Famagusta (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE ), das die Bremer dringend gewinnen müssen.

"Sonst haben wir keine Chance mehr, uns für die nächste Runde zu qualifizieren", weiß deshalb auch Sportdirektor Klaus Allofs.

"Für uns gibt es nur den Sieg am Mittwoch", meinte auch Baumann zu Sport1.de, der Zuversicht aus einer Tatsache gewinnt: "Wir brauchen die drei Punkte, aber wir können auch besser spielen als gegen Hamburg."

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