In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Kälte-Einbruch in der Bundesliga an Spieltag 14 - und zwei Klubs haben aktuell keinen Frost-Schutz: Werder Bremen und der VfB Stuttgart.

Die beiden Meister-Klubs früherer Jahre und traditionelle Bayern-Jäger stürzen im Winter 2008 in sich zusammen. Nur 18 Monate nach dem schwäbischen Titel-Triumph muss Trainer Armin Veh im "Ländle" gehen. Nach 5 Spielen ohne Sieg und einer schlimmen 1:4-Pleite in Volkswagen-City.

Und Werder?

Totaler Stillstand bei den coolen Arbeitern aus dem Norden, die sonst Ruhe und Souveränität ausstrahlen. Nichts geht mehr. Acht Punke Rückstand auf die Champions-League-Plätze, Mittelmaß. Festgefahren.

Was ist da nur los?

Stuttgart und Bremen - zwei Fußballmarken mit Wert im Tiefflug.

Die Bestandsaufnahme Werder:

Für mich ist der zentrale Nerv Super-Star Diego! Permanent kokettiert er (oder sein Berater-Vater) mit Angeboten aus dem Ausland: mal Real Madrid, mal Juve, mal Barca.

Er zaubert in Bremen und ist eigentlich schon täglich weg. Und so geht das seit Monaten. Bei Werder weiß wahrscheinlich keiner mehr, ob Diego morgens zum Training kommt?

Zum Saisonstart fehlte Diego wegen Olympia-Teilnahme. Der Kopf der Mannschaft war und ist nicht in seinen Gedanken bei Werder. Das spürt die Mannschaft - die eigentlich Ruhe gewohnt ist. Denn in Bremen gilt - seit Otto Rehhagel - die "Kein-Theater"-Politik. Klappe halten, arbeiten, bescheiden sein. Und Krisen mit Toren beantworten.

Diego funktioniert auch so - aber eben nicht mehr konstant. Sein Ausnahme-Talent blitzt mal auf und verzaubert Fans, Mitspieler und Trainer. Aber nur für den Moment. Er ist ein wunderbarer Kicker, aber kein "Herdentier", das die anderen mitreißt.

Diego: Bleiben oder gehen

Und weil Thomas Schaaf den Schrittmacher Diego braucht für sein Spielsystem, gerät er unter Druck. Immer öfter wird laut nachgedacht ob 10 Jahre Schaaf-Arbeit vielleicht abgenutzt, verbraucht haben. NEIN.

Schaaf hat Werder im Griff, hat seine Philosophie gradlinig durchgesetzt, mit Manager Klaus Allofs immer neue Spieler entwickelt. Deshalb gibt es für mich nur eine Lösung: Diego muss sich FINAL bekennen: Bleiben oder gehen. Sofort.

Die Bestandsaufnahme Stuttgart:

Das offensichtliche Problem: zu viele Fehleinkäufe, zu viele Problemfälle. Ob Jan Simak, Danijel Ljuboja, Khalid Boulahrouz, oder auch Jens Lehmann - kein Neuzugang hat gezündet. In der Vorsaison: Yildiray Bastürk, Gledson, Ewerthon. Wirkung NULL.

Die Meistermacher Veh und Manager Horst Heldt haben geglaubt, "schwierige" Spieler integrieren zu können in das "System VfB", Typen zu kreieren, die eine Mannschaft prägen. Mein Gefühl sagt mir: Die haben sich zu viel zugemutet oder zugetraut.

Ich meine das nicht persönlich: Aber wenn der Torwart zum Training mit dem Helikopter einfliegt und auch nach Niederlagen einen freien Sonntag erhält - das macht auf Dauer keine Mannschaft mit. Schon gar keine, die nicht gewinnt.

In der Winterpause korrigieren

Deshalb fällt meine "Fern-Diagnose" auch für die Schwaben bitterer aus als für Werder: In Bremen kommt man mit dieser Mannschaft schnell wieder auf die Beine und nach oben. Wenn man die Reißleine zieht und konsequent mit Diego eine Lösung anpeilt. Werder ist nämlich intakt und qualitativ gefestigt.

Der Scherbenhaufen Stuttgart ist größer.

Da passt nichts zusammen. Kein Chef, kein Gesicht, kein Kampfschwein. Auch weil mit Torjäger Mario Gomez eine zentrale Größe seit Monaten im Leistungskoma liegt. Schon seit der EM!

Die Transfer-Pokerei mit den Bayern hat einen echten Knipser völlig gelähmt. Wenn da in der Winterpause nicht korrigiert und die richtige Lösung erarbeitet wird, droht dem VfB eine bittere Saison. Egal ob mit Markus Babbel als Trainer oder wem auch immer.

Beispiel am BVB nehmen

Glühwein-Fußball hat an diesem Wochenende nur ein Klub für mich gezeigt: Borussia Dortmund. Der BVB ist das wärmende Beispiel in der Kältezone Bundesliga.

Aus einer Dauerkrise hat man die Lehren gezogen. Ein Trainer der mit Verstand und Gefühl für die Situation arbeitet, junge Spieler wie Neven Subotic und Tamas Hajnal in Rekordzeit ein- und aufbaut. Und das Management so aus der Schusslinie nimmt.

Vielleicht klappt das ja auch in Stuttgart?

Herzlichst

Euer Toni Schumacher

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