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Uli Hoeneß ist seit November 2009 Präsident des FC Bayern München © getty

Der Bayern-Präsident poltert gegen Daum, BVB und DFB. Viel interessanter: Zwischen den Zeilen skizziert er den neuen Bayern-Kader.

Von Matthias Becker

München/Düsseldorf - Uli Hoeneß war gut aufgelegt, als er am Montagabend im Düsseldorfer Kulturforum auf dem Podium mit Reporter-Legende Manni Breuckmann Platz nahm.

Nichts mehr zu spüren von der Schockstarre, in der er in den dunklen Wochen seines FC Bayern zu verharren schien.

In bester Tradition der "Abteilung Attacke" ging Hoeneß auf alles und jeden los:

Den DFB, Initimfeind Christoph Daum und Tabellenführer Borussia Dortmund.

Bei den launig vorgetragenen Angriffen ging aber eines fast unter: Zwischen den Zeilen signalisierte Uli Hoeneß, in welche Richtung die Personalplanungen bei den Bayern laufen.

Deutliches Signal in der Torwart-Frage

Um ein weiteres titelloses Jahr zu verhindern, muss vor allem die bayerische Defensive gestärkt werden.

Wichtiger Baustein dafür soll offenbar unter allen Umständen Nationaltorwart Manuel Neuer werden.

"Wie Sie ja wissen, darf man zu diesem Zeitpunkt noch keine Spieler unter Vertrag nehmen", erklärte Hoeneß dem Gesprächspartner zwar, fügte aber mit verschmitztem Lächeln hinzu:

"Man kann Ideen entwickeln und das tun wir derzeit. Wir denken auch über einen Torwart nach. Und ich würde sagen, euer (Moderator Breuckmann gilt als Schalke-Fan, Anm. d. Red.) ist gefährdet."

Das überrascht kaum, erinnerte aber auffallend an jenen Auftritt von Hoeneß, als er 2009 im SPORT1-Doppelpass die anstehende Verpflichtung von Mario Gomez bekanntgab.

Coentrao und Vidal auf dem Weg nach München?

Auch in Sachen Linksverteidiger scheinen die Bayern voranzukommen.

Die Verhandlungen mit Benfica Lissabon über Fabio Coentrao sollen weit fortgeschritten sein, berichtet das portugiesische Fachblatt "O Jogo".

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Demnach könnten sich die Vereine auf eine Ablöse von 25 Millionen Euro für den 23-Jährigen einigen, an dem die Bayern auch vergangenen Sommer schon interessiert waren.

Während es über die Verpflichtung von Jerome Boateng von Manchester City derzeit nur Spekulationen gibt, machte der angeblich umworbene Arturo Vidal den Münchnern schöne Augen.

"Bayern ist ein großer Verein. Jedem würde es gefallen, dort zu spielen. Wenn ich nach Deutschland zurückkehre, werde ich mich mit dem Thema beschäftigen", sagte der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen der chilenischen Zeitung "La Cuarta".

Klose-Abschied rückt näher

Da aber auch die Bayern nicht über unbegrenzte Mittel verfügen, muss im Gehaltsbudget Platz für die möglichen Neuen geschaffen werden. Oberster Streichkandidat: Miroslav Klose.

"Miro verdient unheimlich viel Geld bei uns. Ich glaube nicht, dass er bereit sein wird, auf viel Geld zu verzichten", sagte Hoeneß:

Das müsste wohl notwendig sein, um überhaupt eine Basis für eine Vertragsverlängerung zu finden."

Kloses Vertrag läuft im Sommer aus, ihm sollen unter anderem Angebote von Tottenham Hotspur, Juventus Turin und Benfica Lissabon vorliegen.

Butt empfiehlt

Schluss ist nach dieser Spielzeit wohl für Torhüter Jörg Butt, auch wenn der sich noch ein Hintertürchen offen hält. Zunächst kuriserten Aussagen des 36-Jährigen, die auf ein sicheres Karriereende im Sommer hindeuteten. Butt stellte aber klar: "Der genaue Zeitpunkt dafür ist noch offen."

Einen Ersatztorhüter müssen die Bayern im wahrscheinlichen Fall von Butts Abgang so oder so suchen: Bleibt Thomas Kraft, fehlt Butt. Für den Fall dass Neuer kommt, hat Kraft seinen Abschied bereits angekündigt.

Butts Präferenz ist klar.

"Ich halte Manuel Neuer für einen überragenden Torhüter mit viel Erfahrung, obwohl er noch so jung ist. Er ist ein sehr interessanter Mann für den FC Bayern - ich kann ihn mir hier gut vorstellen", sagte er.

Kraft, der Butt im Winter als Nummer eins verdrängt hatte, müsse sich dagegen noch weiterentwickeln.

Hilfe für Heynckes

Der Kader, den die Bayern Hoeneß-Freund Jupp Heynckes zur Verfügung stellen wollen, nimmt also Konturen an. Schließlich erwarten die Bayern viel vom alten Freund.

"Wir alle werden ihm helfen, am Ende seiner tollen Laufbahn noch einen riesigen Erfolg draufzusetzen", kündigte Hoeneß an.

Welchen Erfolg er im Blick hat ist klar: Das Champions-League-Finale 2012 im eigenen Stadion.

Zweifel an BVB-Meisterschaft

Um das zu erreichen, müssen die Bayern aber unter die ersten Drei der Bundesliga kommen. "Realistisch ist, dass wir Hannover überholen und noch Dritter werden", erklärte Hoeneß.

Deshalb drücke er am kommenden Spieltag auch Borussia Dortmund im Duell mit den Niedersachsen die Daumen.

Eine Spitze gegen den nur noch sieben Punkte vor Leverkusen liegenden Herbstmeister konnte er sich aber nicht verkneifen:

"Wenn ich in schwarz-gelben Unterhosen schliefe, würde ich langsam unruhig werden."

Bruchhagen gelassen, DFB genervt

Die Angriffe auf Frankfurt-Boss Heribert Bruchhagen wegen der Verpflichtung von Hoeneß-Intimfeind Christoph Daum ("Pulver im Kaffee") und auf den DFB wegen des Testspiels gegen Australien rundeten einen launigen Abend ab.

Bruchhagen reagierte recht gelassen ("Uli kennt die Nöte und Sorgen der Bundesliga nicht mehr"), schließlich habe Hoeneß "aus einer Weinlaune heraus" gesprochen.

Der DFB antwortete dagegen scharf.

"Ich darf Uli Hoeneß in aller Sachlichkeit daran erinnern, dass die Nationalmannschaft zweimal für den FC Bayern in München angetreten ist - zur Eröffnung der Allianz-Arena und beim Abschiedsspiel für Oliver Kahn", kommentierte Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Hoeneß wird es zu Kenntnis genommen haben - und sich freuen, dass er mit seinen Worten immer noch solch große Wirkung erzielen kann.

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