vergrößernverkleinern
42 Sekunden, die Klaus Augenthaler in die Liste katapultieren: Der damalige Trainer des VfL Wolfsburgs gab eine...
Klaus Augenthaler war sieben Mal Deutscher Meister und Weltmeister 1990 © getty

Im Interview mit SPORT1 spricht Klaus Augenthaler über Bayerns Trainer und dessen Nachfolger Jupp Heynckes.

Von Tobias Hlusiak

München - Als Trainer ist Klaus Augenthaler bei der Spielvereinigung Unterhaching gelandet.

Nach Stationen in Österreich und bei drei Bundesligisten war für den Weltmeister von 1990 zuletzt Abstiegskampf in der Dritten Liga angesagt. Mit zehn Punkten aus den letzten fünf Spielen konnte sich die Mannschaft inzwischen aber Luft verschaffen.

Als Spieler gab es für "Auge" jedoch nur einen Verein: den FC Bayern.

Aus der eigenen Jugend gekommen, lief der ehemalige Weltklasse-Libero zwischen 1975 und 1991 in 404 Bundesliga-Spielen für den Rekordmeister auf.

Noch heute ist der 53-Jährige eng mit dem Klub verbunden, er verfolgt die Geschehnisse an der Säbener Straße genau und verfügt über beste Kontakte.

Im SPORT1-Interview spricht Augenthaler über die Verpflichtung von Jupp Heynckes und die Aussichten für die kommende Saison unter dem neuen Trainer.

SPORT1: Herr Augenthaler, ab nächster Saison sitzt Jupp Heynckes wieder auf der Bayern-Bank. Hat Sie diese Entscheidung überrascht?

Klaus Augenthaler: Das Verhältnis von Jupp Heynckes zum FC Bayern war schon immer gut. Bereits in seiner ersten Amtsperiode kam er dort gut zurecht. Durch sein kurzes Gastspiel vor zwei Jahren hat er wieder Lust bekommen. In München sind die Versuche mit Klinsmann und Louis van Gaal gescheitert. Nun hat sich Bayern wieder an die guten Erfahrungen erinnert.

SPORT1: Sie selbst haben beim FC Bayern unter Heynckes in seiner ersten Amtszeit zwischen 1987 und 1991 gespielt. Wie sind Ihre Erinnerungen an diese Zeit?

Augenthaler: Lothar Matthäus hat damals schon bei uns gespielt, der war vorher in Mönchengladbach, wo Heynckes Trainer war. Matthäus hat ein Vorurteil aufgebracht: 'Jetzt kommt einer, bei dem dürfen wir gar nichts mehr.' Udo Lattek hatte davor so ein bisschen auf laissez-faire gemacht. 'Jetzt gibt es keine Cola und kein Bier mehr und um halb elf ist Bettruhe.' Und so ähnlich war es dann auch. Heynckes hat auf alles sehr geachtet, hat mir zum Beispiel das Rauchen verboten. So ist er auch heute noch. Er ist korrekt und ehrlich, meint es aber nur zum Besten. Ich habe bis heute einen guten Kontakt zu ihm, weil er gesehen hat, dass ich alles für den FC Bayern gegeben habe.

SPORT1: Ist es die Akribie, die Heynckes auszeichnet?

Augenthaler: Ich glaube jeder Trainer arbeitet akribisch und hat seine Linie. Heynckes ist dazu ehrlich und absolut korrekt - ein Gentleman. Sein Wort hat Bestand. Er ist Ende der Achtziger sicher auch den ein oder anderen Kompromiss eingegangen mit dieser Truppe, die er bei Bayern vorgefunden hat. Danach ist es gelaufen.

SPORT1: Heynckes war einige Jahre raus aus dem Trainergeschäft, bevor er erst fünf Wochen zu Bayern und dann ins beschauliche Leverkusen ging. Denken Sie, er ist für die kommende Saison der richtige Trainer für die Bayern?

Augenthaler: Ich glaube, dass man nie raus ist. Auch wenn man sich mal eine Zeit lang zurückgezogen hat. Er war immer auf dem Laufenden. Heynckes weiß, worauf er sich einlässt. Er weiß was bei Bayern medial los. Da kommt ihm seine Erfahrung aus der Spanien-Zeit zu Gute. Dort ist es noch schlimmer und umfangreicher als bei den Bayern. In Leverkusen ist es etwas beschaulicher aber der Verein steht auch im Fokus.

SPORT1: Jupp Heynckes hat sich für seine Entscheidung viel Zeit gelassen, dadurch gab es in Leverkusen Unruhe. Was hat ihn dazu bewogen, das solange mit sich herumzutragen?

Augenthaler: Ich glaube wirklich, dass er lange überlegt hat. Bevor er in Leverkusen angefangen hatte, wollte er ein Jahr machen, dann hat er noch ein Jahr drangehängt. Ich denke, dass er mit dem Gedanken gespielt hat, aufzuhören. Und dann kam eben der FC Bayern, diese Verbindung von früher. Ich denke, das ist für ihn auch ein Traum und ein schöner Abschied.

SPORT1: Wodurch unterscheidet sich Heynckes von Louis van Gaal?

Augenthaler: Beide sind für den Betrachter unnahbar. Wenn man Heynckes aber kennt, weiß man, dass er ein sehr familiärer Mensch ist. Er kann genau trennen zwischen Job und Privatleben. Van Gaal, so hört man, hat von Anfang an alle Spieler gleichgestellt - das hat Jupp nicht getan. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man sich den Erfolg hart erarbeiten muss. Man kann einen Spieler, der vielleicht zehn oder 15 Bundesligaspiele gemacht hat, nicht mit einem Akteur vergleichen, der schon 50 Länderspiele hat. Bei Jupp war es schon so, dass man einen Bonus hatte. Trotzdem stand immer die Leistung im Vordergrund.

SPORT1: Meinen Sie Heynckes wird Spieler von Bayer Leverkusen mitbringen - Stichwort: Arturo Vidal?

Augenthaler: Man liest, dass Jupp keinen mitnimmt, nachdem er seinen Co-Trainer Peter Herrmann mitbringt. Aber was nächste Saison sein wird, ist wieder eine andere Sache. Heynckes muss das Spiel zwischen Leverkusen und den Bayern (17. April, Anm. d. Red.) abwarten. Wenn er weiß, wo die Mannschaften am Ende der Saison stehen, werden die Karten wieder neu gemischt. Vidal hat sich sehr gut entwickelt. Ich vergleiche ihn mit Mark van Bommel, der sehr intensiv spielt und technisch gut ist.

SPORT1: Denken Sie, die Personalie Michael Ballack hat mit dazu beigetragen, dass Heynckes nächste Saison nicht mehr Trainer bei Bayer Leverkusen ist?

Augenthaler: Ich glaube nicht, dass das ein Grund gewesen ist. Er hat wirklich lange gebraucht, um bei Bayern zuzusagen weil er schon mit dem Gedanken gespielt hat nach dieser Saison aufzuhören. Aber der FC Bayern ist noch eine Herzensangelegenheit von ihm. Ballack hat damit nichts zu tun.

SPORT1: Wo denken Sie wird der FC Bayern nächste Saison unter Heynckes landen?

Augenthaler: Erstmal muss man abwarten, wo sie diese Saison landen. Jupp hat aber die richtige Einstellung für Bayern. Dort geht es immer um Titel. Der Zweite ist schon der erste Verlierer.

SPORT1: Liebäugeln Sie eigentlich noch mit einem Trainerjob in der Bundesliga?

Augenthaler: Ich habe lange Jahre in der Bundesliga gearbeitet. Die Liga ist für mich noch immer interessant. Wenn ein Angebot von einem Klub wie dem FC Bayern kommen würde, müsste ich nicht lange überlegen.

SPORT1: In der Bundesliga gab es in letzter Zeit viele Trainerwechsel, wie bewerten Sie diesen Trend?

Augenthaler: Das ist schwer zu sagen. Ich habe im Fußball schon viel erlebt, aber es gibt immer wieder Dinge, die ich überraschend finde. Und so etwas wie das Trainerkarussell in dieser Saison gab es noch nie.

SPORT1: Mit Unterhaching sind sie in der Dritten Liga jetzt aus dem Gröbsten raus, haben acht Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze...

Augenthaler: Ja, das stimmt. Wir haben die Kurve bekommen. Mit dem Abstieg werden wir nichts zu tun haben. Ich denke viel darüber nach, wie es hier weitergeht. Wir suchen nach wie vor einen Sponsor. Die Basis hier wäre wirklich groß. Haching ist in der Zweiten Liga etabliert gewesen, hat tolle Trainingsplätze und ein nettes kleines Stadion. Das einzige was fehlt, ist eben ein Sponsor. Das letzte Jahr war turbulent. Die Maxime war: 'Mit aller Macht wieder hoch in die Zweite Liga.' Daraufhin hat man viel Geld ausgegeben, das dann nicht kam. Jetzt kämpfen wir eben hier unten.

SPORT1: Wollen Sie noch weiterkämpfen?

Augenthaler: Ja, ich war immer ein Kämpfer und das werde ich auch hier tun.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel