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Wolfgang Holzhäuser (r.) ist seit 2004 alleiniger Geschäftsführer von Bayer Leverkusen © getty

Offiziell stärken die Leverkusener ihrem künftigen Ex-Coach den Rücken. Doch Holzhäuser nimmt Heynckes bei SPORT1 in die Pflicht.

Von Matthias Becker

München - Seine Stimme hat Jupp Heynckes wiedergefunden.

Eine bakterielle Infektion hatte den Trainer von Bayer Leverkusen Ende der vergangenen Woche niedergestreckt und war ihm auf die Stimmbänder geschlagen.

Am Dienstag leitete Heynckes dann aber wieder normal den Trainingsbetrieb.

Trotzdem ist beim Tabellenzweiten vor den entscheidenden Wochen der Saison vieles anders als noch vor ein paar Tagen.

Wie geht es weiter mit Heynckes?

Denn am Ende der Spielzeit nimmt Heynckes Abschied von der jungen, talentierten Werkself und wird zum dritten Mal Trainer des FC Bayern München - eines direkten Konkurrenten um Platz zwei und das Saisonziel Champions League.

Wie geht es mit dieser Gewissheit nun weiter bei Bayer? Geht es nach den offiziellen Ankündigungen: wie immer.

"Jupp Heynckes wirkt so wie immer, sehr souverän und sicher", berichtet Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im Gespräch mit SPORT1.

Klimaveränderung zu spüren

Und doch ist die Klimaveränderung nach der Abschiedsankündigung des in Leverkusen hoch geschätzten Trainers zu spüren.

Auch wenn die Verantwortlichen die Saison mit Stil und Würde abschließen wollen.

"Wir werden mit Jupp Heynckes den Vertrag so zu Ende bringen, wie es vorgesehen ist", widerspricht Holzhäuser Spekulationen über eine frühzeitige Entlassung des Coachs wegen des drohenden Interessenkonflikts:

"2002 ist auch niemand auf die Idee gekommen, Michael Ballack zu beurlauben, weil sein Wechsel zum FC Bayern feststand."

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"Schon wegen seiner Glaubwürdigkeit"

Dass man einen Trainerwechsel kaum mit dem eines Spielers vergleichen kann - geschenkt.

Denn die Bayer-Bosse erhöhen vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern am Samstag (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) trotz aller Bekundungen den Druck auf ihren routinierten Übungsleiter - wenn auch sehr subtil.

"Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass er allein schon wegen seiner Glaubwürdigkeit daran interessiert ist, mit Bayer Leverkusen die Saison noch so zu beenden, wie wir uns das vorstellen", erklärt Holzhäuser.

Die Vorstellung ist klar: Platz eins bis drei.

Sportdirektor Rudi Völler glaubt: "Jupp Heynckes wird alles dafür tun, dass wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen, das ist für mich sonnenklar." (EINWURF: Mit 66 fängt das Leben an)

Moralkeule als Hilfsinstrument

Von Stil und Integrität ist viel die Rede in diesen Tagen. Eigenschaften die Heynckes besonders deutlich verkörpert.

Das versucht sich Bayer für die eigenen Planungen zunutze zu machen. Sicher werde Heynckes keine Spieler mit zum FC Bayern nehmen, erklärten Völler und Holzhäuser unisono. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

Auch erwarte man vom Coach, dass unter den Planungsgesprächen, die er mit dem neuen Klub führe, "das Arbeitsverhältnis und die Arbeitsintensität beim alten Verein nicht leiden dürfen".

Die Bayern wissen, was Heynckes möchte

Dem angeblichen Interesse der Münchner an Arturo Vidal, an Bayer bis 2012 gebunden, wird gleich ein Riegel vorgeschoben.

"Es entspricht nicht dem Stil von Jupp Heynckes, die Spieler zum Vertragsbruch zu verleiten. Das wird er nicht tun", versichert Holzhäuser SPORT1. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Heynckes stimmt sich nach Angaben der "Bild" derweil schon alles Wichtige mit seinem neuen Arbeitgeber ab: "Das Grobe haben wir besprochen. Der Verein muss jetzt versuchen, das umzusetzen."

Aus Respekt vor Louis van Gaal und Leverkusen werde er bis zum Saisonende nichts zu Bayern sagen:

"Wer mich kennt, weiß, dass ich jetzt nur an meine Spieler bei Bayer denke. Ich mache mir keine Gedanken über das, was in München passiert."

Herrmann-Entscheidung steht bevor

Auch die Leverkusener schreiten bei den Planungen für die kommende Spielzeit voran, logischerweise ohne Heynckes weiter einzubinden. Dabei musste sich Bayer den Vorwurf der Doppelmoral anhören. Mit Ömer Toprak wird darüber verhandelt, den Verteidiger schon 2011 im Doppelpack mit seinem jetzigen Freiburger Trainer Robin Dutt nach Leverkusen zu holen. Gleichzeitig zeigte man sich selbst überzeugt, Heynckes werde aus moralischen Gründen keine Spieler mit nach München nehmen.

Allerdings führen die Bayer-Verantwortlichen zurecht an, dass Toprak schon länger, unabhängig von der Trainerentscheidung für Dutt, beobachtet werde. Zudem sei Freiburg den Regularien entsprechend immer über das Intereresse am Spieler eingeweiht gewesen.

Wegen Vidal habe sich aus München dagegen noch niemand gemeldet, erklärte Holzhäuser.

Verbrieft ist dagegen Heynckes' Wunsch, Co-Trainer Peter Herrmann mit zu den Bayern zu nehmen. Den konterten Völler und Holzhäuser mit einem Vertragsangebot an das Leverkusener Urgestein für zwei Jahre plus Option auf ein weiteres.

Er habe Herrmann gebeten, "sich alsbald zu entscheiden", berichtet Holzhäuser.

Enttäuschung in der Mannschaft

In der Mannschaft herrscht derweil Enttäuschung, dass der Lehrmeister schon in diesem Sommer den Abflug macht, hatte er Leverkusen doch als "letzte große Herausforderung" seiner Karriere beschrieben.

"Aber ich habe auch den Eindruck, dass die Mannschaft Motivation daraus zieht, Jupp Heynckes den Abschied zu bereiten, den man sich vorgenommen hat", versichert Holzhäuser.

Platz eins bis drei eben. Der sportliche Erfolg ist letztlich der Kitt, der alles zusammenhält und darüber entscheidet, ob der geplante stilvolle Heynckes-Abgang gelingt.

Eine schöne Vorschau für den Coach auf das, was ihn in der kommenden Saison in München erwartet.

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