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Hans Meyer trainierte Gladbach von 1999 bis 2003 und von 2008 bis 2009 © getty

Hans Meyer spricht über die Situation bei seinem Ex-Klub Gladbach, das Bayern-Spiel und den Streit zwischen Vogts und Eberl.

Von Christian Stüwe

München - Hans Meyer weiß, wie es geht.

Im Herbst 2008 übernahm er Borussia Mönchengladbach, der Aufsteiger stand damals mit nur vier Punkten aus acht Spielen abgeschlagen am Tabellenende.

Der Trainer baute den Kader um, holte im Winter neue Spieler und schaffte am Ende den Klassenerhalt - mit lediglich 31 Punkten.

Weniger Zähler reichten noch nie zum Ligaverbleib - doch Meyer krönte mit der Rettung seine zweite Amtszeit bei der Borussia.

Aktuell liegen die "Fohlen" wieder am Tabellenende. Allerdings sind nur noch sieben Spiele zu spielen.

Michael Frontzeck wurde entlassen, der Schweizer Lucien Favre hat übernommen.

Doch die Lage scheint beinahe aussichtslos.

Sechs Punkte fehlen schon zu den Nicht-Abstiegsplätzen, zudem steht das schwere Auswärtsspiel bei Bayern München (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) an.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Hans Meyer im SPORT1-Interview, zeigt sich aber über die Situation bei seinem Ex-Klub beunruhigt.

Der 68-Jährige spricht auch über die verbalen Schlagabtausche zwischen Borussia-Legende Berti Vogts und Sportdirektor Max Eberl sowie das Trainerkarussell in der Bundesliga.

SPORT1: Ihr Ex-Klub Mönchengladbach steckt tief im Abstiegskampf. Ist die Borussia noch zu retten?

Hans Meyer: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich weiß, dass die Gladbacher alleine mit der Leistung in der Rückrunde auf einer Position stehen würde, die für ihr Leistungsvermögen normal ist - nämlich ein Mittelfeldplatz. Sie schleppen aber das Punktemanko vom Herbst noch bis zum Schluss mit sich. Und sie haben jetzt immer wieder Spiele nicht gewonnen, wo es gegen unmittelbare Kontrahenten ging. Das belastet zusätzlich. Aber Manager und Trainer wären schlecht beraten, wenn sie die Flinte ins Korn werfen.

SPORT1: Und jetzt steht das Spiel bei den Bayern an?

Meyer: Natürlich wird das Programm nicht leichter. Gerade wenn man sieht, dass jetzt am Wochenende die Bayern auswärts vor der Nase stehen. Die Situation dort unten ist sehr, sehr prekär. Ich hoffe weiterhin, dass sie es schaffen. Und es gibt genügend Beispiele, wo es mit der richtigen Einstellung und auch Glück, das gehört immer mit dazu, noch gepackt wurde. Wobei da unten die Abstände zu den rettenden Plätzen bedenklich gewachsen sind.

SPORT1: Tut Ihnen die Situation bei der Borussia weh?

Meyer: Ja. Ich kann zwar schlafen. Aber wenn ich an Gladbach denke - der Klub ist mir schon ein bisschen ans Herz gewachsen - dann ist das für mich schon beunruhigend. Noch dazu weil ich dort noch genügend Leute kenne mit denen ich noch zusammengearbeitet habe und die ich sehr schätze. Der Abstieg wäre bitter.

SPORT1: Einige Borussia-Idole wie etwa Berti Vogts haben öffentlich harsche Kritik geäußert, gerade auch an Sportdirektor Max Eberl. Können Sie das nachvollziehen? Ist das angebracht?

Meyer: Ich habe mit Max Eberl als Spieler und Manager zusammengearbeitet und da kann ich nur das Beste sagen. Und ich habe Berti Vogts in unseren Begegnungen immer als besonnenen und bodenständigen Menschen erlebt. Grundsätzlich halte ich von verbalen Rundumschlägen, wo für Außenstehende nicht nachvollziehbare Motivationen zugrunde liegen, nichts. Ich verstehe solche Umgangsformen nicht.

SPORT1: Wen meinen Sie?

Meyer: Ich finde es unnötig, dass die, die Verantwortung tragen für das, was auf dem Platz passiert, dem Boulevard unnötig Futter geben. Ich denke, dass wir schon genug zu tragen haben im Fußball. Viele Schöne Dinge, aber auch Lasten. Wir müssen Druck aushalten, da müssen wir es dem anderen nicht noch unnötig schwer machen. Ich werde so etwas deshalb auch nicht kommentieren.

SPORT1: Zuletzt dreht sich das Trainerkarussell sehr schnell, gerade bei den Abstiegskandidaten. Können die neuen Trainer überhaupt noch etwas bewirken?

Meyer: Da müsste man jeden einzelnen Trainerwechsel separat betrachten. Es gibt Beispiele, wo der neue Trainer kommt und zumindest für die Anfangsphase eine richtig positive Wirkung hat. Das gilt vor allem für Mannschaften, wo zwischen Trainer und Spieler ein zerrüttetes Verhältnis bestand. Das kommt vor - aber nicht sehr häufig. Man hat natürlich auch genügend Beispiele, wo sich die Wirkung sehr in Grenzen hält.

SPORT1: Auch Sie wurden im Zusammenhang mit Wolfsburg gehandelt. Warum hatten Sie kein Interesse am dem Job?

Meyer: Wie alt bin ich jetzt? Ich bin 68. Wie lang man arbeiten möchte, ist eine Sache, die man jedem selbst überlassen sollte. Irgendeine Zeitung, die es immer ganz genau weiß, wusste angeblich schon, was ich in Wolfsburg verdienen sollte. Darauf habe ich einfach so verzichtet, weil ich keine Beziehung zum Geld habe. (lacht)

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