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Thomas Kessler ist derzeit vom 1. FC Köln an St. Pauli ausgeliehen © imago

St.-Pauli-Keeper Kessler bleibt vorm Abstiegskracher cool. Bei SPORT1 spricht er über Verletzungspech und den Abstiegskampf.

Von Mathias Frohnapfel

München/Hamburg - Die Aussichten sind düster, der FC St. Pauli ist tief in den Tabellenkeller gerutscht und steht auf dem Relegationsrang (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Zudem klebt das Verletzungspech hartnäckig an der Defensive der Hamburger. Außenverteidiger Moritz Volz fällt genauso wie die Abwehrspieler Carlos Zambrano, Bastian Oczipka, Carsten Rothenbach und Fabio Morena bis zum Saisonende aus.

Torwart Thomas Kessler will sich davon vor dem Spiel gegen Schalke (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) aber nicht unterkriegen lassen.

Der Keeper spielt trotz der Serie von fünf Niederlagen in Folge eine gute Saison, verdient sich immer wieder gute Noten.

Jetzt muss Kessler eine neu zusammengesetzte Viererkette dirigieren und zugleich im Abstiegskampf die Nerven und den Optimismus bewahren.

Im SPORT1-Interview spricht der 25-Jährige über den Kampf um den Klassenerhalt und den Kracher gegen S04.

SPORT1: Herr Kessler, St. Pauli steckt tief im Abstiegskampf. Was macht Sie zuversichtlich, dass das Ziel Klassenerhalt erreicht wird?

Thomas Kessler: Die Geschlossenheit in der Mannschaft ist ja nach wie vor vorhanden. Wir wussten alle, dass es in dieser Saison um den Klassenerhalt gehen würde. Wir arbeiten mit voller Konzentration daran, unser Ziel zu erreichen und genau diese Tatsache stimmt mich auch positiv.

SPORT1: Nach der jüngsten Pleitenserie ist das Selbstvertrauen stark angekratzt. Hat das Team die Länderspiel-Pause auch für gemeinsame Aktionen genutzt, um so den Kopf etwas frei zu bekommen?

Kessler: In erster Linie haben wir die Zeit genutzt, um zu arbeiten. Wir hatten in der vergangenen Woche viele Einheiten. Hinzu kam der Testtag, an dem unter anderem Laktatwerte festgestellt wurden. Danach kamen zwei Tage mit jeweils zwei intensiven Einheiten und am Wochenende folgte ein Testspiel. Wir haben die Zeit aber auch genutzt, um den Kopf etwas frei zu bekommen und waren unter der Woche mit dem gesamten Team beim Curling.

SPORT1: Einige Beobachter sagen, dass die Euphorie nach dem Derbysieg über den HSV der Mannschaft geschadet habe. Wie sehen Sie das?

Kessler: Für den Verein, die Fans und die Stadt war der Derbysieg ein hoch emotionales Ereignis und wir sind alle stolz darauf. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man die negative Phase nicht mit dem Sieg in Verbindung bringen kann. Wir wussten, dass es zu solchen Phasen in der Saison kommen würde.

SPORT1: Wie schätzen Sie den kommenden Gegner Schalke ein?

Kessler: Schalke hat eine gute Mannschaft, die individuell stark besetzt ist. Ich erwarte einen angriffslustigen Gegner, der mit einem neuen Trainer nun auch zeigen will, dass sie zu unrecht unten mit im Abstiegskampf stecken. Wir werden Freitag alles aufbieten müssen, um die wichtigen drei Punkte hier am Millerntor zu behalten.

SPORT1: Worauf kommt es gegen Königsblau an?

Kessler: Das Team muss alles in die Waagschale werfen und neben unseren fußballerischen Qualitäten auch das kämpferische einbringen. Wir müssen Schalke von der ersten Minute an zeigen, dass sie bei uns nichts zu holen haben. Mit unseren Fans im Rücken bin ich mir sicher, dass sie mit uns auf einen unangenehmen Gegner treffen werden.

SPORT1: St. Pauli scheint das Verletzungspech zu verfolgen, fünf Defensivspieler fallen langfristig aus. Wie reagiert man auf solch eine Pechsträhne?

Kessler: Natürlich ist es bitter, auch für mich, wenn man gerade im Abwehrbereich so wichtige Stammkräfte verliert. Allerdings haben wir die ganze Saison nicht lamentiert und wollen nun auch nicht damit anfangen. Unser Kader ist in der Breite gut aufgestellt - die Jungs sind heiß und wollen Ihre Chance nutzen, darauf arbeiten sie das ganze Jahr hin. Ich habe Vertrauen in die Jungs, die bisher eher im zweiten Glied gestanden haben.

SPORT1: Musste in der Abwehr zu viel improvisiert werden?

Kessler: Natürlich muss improvisiert werden, wenn so viele Ausfälle vorliegen. Allerdings arbeitet man tagtäglich miteinander und kennt sich untereinander sehr gut. Es kann nicht immer alles funktionieren, wenn viel durcheinander gewürfelt werden muss, aber im Großen und Ganzen kennt jeder die Abläufe, deswegen dürfte es für die nächsten sieben Spiele auch kein Problem sein.

SPORT1: Wie kann die Viererkette trotz der veränderten Besetzung mehr Stabilität erlangen?

Kessler: Durch Ablaufschulung im Training. Es ist ja nicht so, dass wir eine fest eingespielte Mannschaft haben, die auch so im Training zusammen arbeitet. Jeder Spieler in unserem Kader weiß genau, was er zu tun hat, wenn er auf der Position spielt.

SPORT1: Hat sich durch die Umstellungen Ihre Rolle als Keeper verändert? Müssen Sie noch mehr dirigieren als vorher?

Kessler: Man geht ja sowieso jeden Spieler anders an. Ich kenne die Jungs und weiß, dass der eine ein bisschen mehr und der andere ein bisschen weniger braucht. So kann man sich auf die Spieler einstellen. Aus diesem Grund ist es nicht mehr oder weniger, sondern nur ein wenig anders.

SPORT1: Sie haben mit guten Leistungen von sich reden gemacht. Würden Sie auch im Fall des Abstiegs beim FC St. Pauli bleiben?

Kessler: Ich beschäftige mich zu keinem Zeitpunkt mit dem Abstieg. Wir tun alles dafür, um dem Klub und den Fans auch in der kommenden Saison wieder Erstligafußball bieten zu können.

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