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Ralf Rangnick (links) wurde mit Schalke 2005 Vize-Meister hinter den Bayern © getty

St. Pauli, Inter Mailand und dann Wolfsburg - Ralf Rangnick steht bei seiner Rückkehr zu Schalke 04 vor großen Herausforderungen.

Gelsenkirchen - Ralf Rangnick kam ausgeschlafen, bestens gelaunt und völlig entspannt.

Der Stress vor einer knallharten Woche war dem alten, neuen Trainer von Schalke 04 im Presseraum der Arena am Donnerstag nicht ansatzweise anzusehen.

Zu legerer Kleidung trug er ein mildes Lächeln im Gesicht, plauderte eloquent daher und beantwortete sämtliche Fragen bis ins kleinste Detail.

Doch mit der neuen Idylle könnte es schnell wieder vorbei sein.

Selten in der Bundesliga-Geschichte stand ein Trainer in seinen ersten Amtstagen vor einer ähnlichen Herausforderung. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Freitag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) beim FC St. Pauli zunächst Abstiegskampf, am Dienstag Champions League bei Titelverteidiger Inter Mailand.

Und dann am Samstag das Wiedersehen mit seinem Vorgänger Felix Magath, der mittlerweile den VfL Wolfsburg trainiert. Mehr geht nicht.

Nur St. Pauli - "alles andere spielt keine Rolle"

Zunächst, natürlich, gilt alle Aufmerksamkeit St. Pauli und den Details. Alles andere, sagt Rangnick, "spielt keine Rolle".

Er leitet nicht sofort den großen Umbruch ein, sondern dreht an den kleinen Stellschrauben, leistet sich aber in schöner Regelmäßigkeit immer wieder kleine Sticheleien gegen Vorgänger Magath.

Die will er so aber nicht verstanden wissen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Trainingsplätze jedoch seien in sehr schlechtem Zustand, "mit einer Bundesliga-Mannschaft kann man dort nicht trainieren. Und im alten Parkstadion flogen mit jedem Schritt Grasnarben, das sah aus wie beim Kugelstoßen."

Mit dem Kleinbus geht es deswegen nun jeden Tag von der Umkleide zum ausfahrbaren Rasen an der Arena-Südtribüne.

Riesiges Sprachgewirr auf dem Platz

Zudem sah Rangnick die Einstellung eines Dolmetschers als notwendig an, denn, so meinen Beobachter, Magath hat Schalke mit seiner Transferpolitik ein Sprachgewirr von babylonischen Ausmaßen hinterlassen.

Klaus Lammerdinger steht deswegen nun immer am Spielfeldrand und übersetzt die Anweisungen.

"Das werden wir so handhaben, bis mich alle verstehen", sagte Rangnick; wieder eine Spitze. Magath hatte stets auf Übersetzungen verzichtet.

[kaltura id="0_zdz071le" class="full_size" title="Rangnick und der etwas andere Ton"]

Dass dies vielleicht nicht die richtige Lösung war, zeigt ein anderes Detail: Der Sprachunterricht wird individualisiert. (SPORT1 Bundesliga Manager: Jetzt Team aufstellen)

Hier die Japaner um Atsuto Uchida, dort die riesige spanischsprachige Fraktion - Raul, Jose Manuel Jurado, Jefferson Farfan und Co.

Vom Geschassten zum Liebling

Auch ansonsten gilt: Es wird sortiert.

Spieler auf dem Abstellgleis wie Ciprian Deac und Nicolas Plestan dürfen weiter dabeisein, von Magath zuletzt ausgemusterte wie Alexander Baumjohann, ein erklärter Liebling Rangnicks, sind wieder erste Wahl.

"Ich werde nicht vier, fünf oder sechs Spielern sagen: Packt eure Koffer und geht. Ich schaue mir alle an", sagt Rangnick.

Der Mannschaft in acht Tagen eine neue Spielweise zu vermitteln, sei sowieso unmöglich: "Das geht nur mit Geduld und viel Fingerspitzengefühl." Autsch, Herr Magath.

Bei einer Niederlage droht der Abstiegskampf

Die zweite Premiere beim FC Schalke wird für Rückkehrer Rangnick selbstverständlich "aufregend und spannend".

Während der Hoffnungsträger in seine zweite Amtszeit geht, fürchtet der FC St. Pauli, seinen Erfolgstrainer zu verlieren.

Holger Stanislawski verliert kein Wort über seine Zukunft, er könnte für 200.000 Euro zum Saisonende den Kiezklub verlassen.

Zunächst jedoch hat er eine Mission zu erfüllen: Den Klassenerhalt.

Rangnick wiederum will vom Abstiegskampf zumindest bis zum späten Freitagabend nichts wissen. "Wenn wir nicht gewinnen, müssen wir uns damit beschäftigen", sagt er jedoch.

Ab Samstag ist dann aber Kontrastprogramm. Denn er will vor dem Champions-League-Viertelfinale eventuell noch spontan bei Inter Mailand vorbeischauen - ganz entspannt.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

St. Pauli: Kessler - Lechner, Thorandt, Gunesch, Kalla - Daube, Lehmann - Kruse, Takyi, Bartels - Asamaoh

Schalke: Neuer - Utchida, Höwedes, Metzelder, Escudero - Kluge, Annan (Matip), Farfan, Draxler - Raul, Gavranovic

Schiedsrichter: Deniz Aytekin

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