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Der Signal-Iduna-Park bietet 80.720 Zuschauern Platz © getty

Das BKA vereitelt einen Anschlag auf die Arena des Tabellenführers BVB und hebt zwei Depots mit Sprengstoff und Waffen aus.

München/Dortmund - Das Bundeskriminalamt hat möglicherweise einen Sprengstoff-Anschlag auf das Stadion von Borussia Dortmund vereitelt.

Drei sprengstoffverdächtige Gegenstände seien laut BKA "im Nahbereich" des Stadions gefunden worden. Sie wurden "unschädlich gemacht bzw. gesichert".

Tatverdächtig sei ein 25 Jahre alter deutscher Staatsbürger.

"Die kriminaltechnischen Untersuchungen zur Frage einer möglichen Funktionsfähigkeit der sprengstoffverdächtigen Gegenstände sowie der möglichen Verwendbarkeit der aufgefundenen Chemikalien dauern an", teilte das BKA mit.

"Nach einer ersten Einschätzung war jedoch nicht von einer akuten Gefährdung der Bevölkerung auszugehen."

Spiel gegen 96 findet statt

Daher soll das Liga-Heimspiel des BVB gegen Hannover 96 im mit 80.720 Plätzen größten deutschen Fußballstadion wie geplant am Samstag um 15.30 Uhr stattfinden.

"Mit den heute vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Ermittlungsergebnissen, der Festnahme eines Tatverdächtigen und der Sicherstellung der sprengstoffverdächtigen Gegenstände sieht die Dortmunder Polizei keine Gefährdung für die Besucher des Signal-Iduna-Parks", erklärte die Dortmunder Polizei.

Allerdings unter erschwerten Bedingungen für die Fans.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

"Um den ungefährdeten Besuch aller Fans beim Spiel am Samstag zu ermöglichen, wird der BVB vorsorglich seine Sicherheitsmaßnahmen rund um den Signal Iduna Park in Absprache mit der Polizei ab sofort noch einmal verschärfen", kündigte Dortmunfs Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke an.

Derweil wies der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn darauf hin, dass "wir in den Bundesligastadien einen extrem hohen Sicherheitsstandard haben".

Der Verband stehe "mit den Behörden und Vereinen in engem Kontakt", um sich ein genaues Bild zu machen.

Chemikalien sichergestellt

Nach Informationen mehrerer Medien wurde auf dem Parkplatz C an der Endhaltestelle der U-Bahn-Station ein verdächtiges Paket mit Zeitzünder gefunden.

Der Bereich um die Haltestelle und die nahegelegene Helmut-Körnig-Leichtathletikhalle wurde gesperrt.

Am Nachmittag waren auf dem Weg von der Station zur Arena nur einige kahlgeschlagene Stellen im Gebüsch zu sehen, durchtrennte Absperrbänder lagen auf dem Boden.

Bei der Durchsuchung der Wohnräume des Mannes waren neben "einem Laptop, externen Speichermedien, schriftlichen Unterlagen und umfangreichen Chemikalien" ebenfalls drei sprengstoffverdächtige Gegenstände sichergestellt worden.

Auch diese wurden inzwischen unschädlich gemacht.

Botschaft in Pakistan erhielt Hinweis

Laut Pressemitteilung des BKA hatte der Sachverhalt seinen Ausgangspunkt im Februar 2011, als "ein anonymer Hinweisgeber per E-Mail Kontakt zur Deutschen Botschaft in Islamabad/Pakistan mit der Absicht aufnahm, Informationen zu zwei zeitlich gestaffelten Anschlägen in Deutschland zu liefern".

Später habe er auch von einem angeblich geplanten Anschlag im Bereich des Dortmunder Westfalenstadions gesprochen.

Das BKA nahm dann Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens auf.

Erpressungsversuch?

Der anonyme Hinweisgeber geriet in der Folge selbst in Verdacht, zum Zwecke einer Erpressung ein Anschlagsszenario heraufbeschworen zu haben.

Er wurde am Dienstag in einem Kölner Hotel festgenommen und gab an, der Hinweisgeber zu sein und die geplanten Anschlagsszenarien in Deutschland erfunden zu haben.

Gleichzeitig erklärte er aber, im Bereich des Dortmunder Stadions drei Sprengsätze abgelegt zu haben und auch in seiner Wohnung drei Sprengsätze zu lagern.

Dies bestätigten die Ermittlungen. Das Tatmotiv wird vom BKA als "bislang offen" bezeichnet.

Laut "Bild" soll der Festgenommene in ersten Vernehmungen islamistische Aussagen gemacht haben.

Weiterer ungelöster Fall

Eine linguistische Analyse der vom Tatverdächtigen formulierten E-Mails spreche aber "mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenhang zu einem weiteren bislang ungelösten versuchten Erpressungsfall zum Nachteil eines Wirtschaftsunternehmens aus dem Jahr 2010".

Dieser Verdacht sei bei der Wohnungsdurchsuchung dann bestätigt worden. Zuvor sei der Mann aber polizeilich nicht in Erscheinug getreten.

Weitere Auskünfte will das BKA mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen vorerst nicht geben.

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