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Karlheinz Förster sagt Horst Heldt und Markus Babbel (v.l.) eine ungewisse Zukunft voraus © getty

Im Sport1.de-Interview äußert sich der Ex-Stuttgarter Karlheinz Förster zum VfB, den Veh-Nachfolgern und möglichen neuen Trainern.

Von Michael Schulz

München - Am Sonntag musste Armin Veh seinen Trainerposten beim VfB Stuttgart räumen. Markus Babbel und Rainer Widmayer übernehmen als Interimsduo sein Amt.

Karlheinz Förster kennt die beiden und den Verein, für den er von 1977 bis 1986 als Manndecker spielte und mit dem er 1984 Meister wurde.

"Es war der richtige Zeitpunkt und die richtige Lösung", sagt der 50-Jährige im Interview mit Sport1.de. Förster traut dem beiden zwar einiges zu, dennoch glaubt er, dass sich der Klub nach einem neuen Trainer umschaut. Einer seiner Kandidaten ist ein Mitspieler von 1984.

Anders als Toni Schumacher in der Sport1.de-Kolumne (aktuelle Kolumne) glaubt Förster an die Qualität des aktuellen Kaders und sieht den VfB weiterhin als einen Kandidat für den UEFA-Cup.

Sport1.de: Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung beim VfB Stuttgart?

Karlheinz Förster: Die Entlassung von Armin Veh war vorauszusehen und der Zeitpunkt war richtig. Der Verein war zum Handeln gezwungen und musste ein Zeichen setzen.

Sport1.de: Hat Veh seinen Rauswurf mit der Kritik vor und nach der Niederlage beim VfL Wolfsburg provoziert?

Förster: Mit den Aussagen hat er seinen Platz als Trainer nicht gefestigt und seinen Anspruch auf Vertragsverlängerung für nächste Saison nicht untermauert.

Sport1.de: Haben Sie eine Erklärung für den Niedergang vom Meisterjahr 2007 bis heute?

Förster: Es war eine schleichende Entwicklung, die schon letzte Saison mit der glücklichen Qualifizierung für den UI-Cup begonnen hat. Die Spieler, die man damals geholt hat, haben nicht eingeschlagen oder sind mittlerweile schon wieder weg. Dieses Jahr hat es recht gut angefangen, doch dann wurde es immer schlechter.

Sport1.de: Ist das eine Kritik an der Einkaufspolitik von Veh und Sportdirektor Horst Heldt?

Förster: Der VfB hat selbst eingestanden, dass unglückliche Verpflichtungen getätigt worden und der Erfolg ausgeblieben ist. Neue Spieler sollten den Verein verstärken, aber insgesamt hat der Verein sich sportlich ins Mittelmaß bewegt.

Sport1.de: Veh bemängelte, dass mit dem Titel Begehrlichkeiten geweckt wurden, ohne entsprechend in den Kader zu investieren - eine Schutzbehauptung?

Förster: Der VfB hat in den letzten 30 Jahren immer wieder Ambitionen gehabt unter der ersten Fünf zu spielen, war in dieser Zeit auch dreimal Meister und international vertreten. Es gab auch immer wieder Misserfolge, die Trainerentlassungen zur Folge hatten. Aber ein Trainer kann nicht auf der eine Seite mehr Investitionen fordern, wenn er zwei Jahre lang mit der Einkaufspolitik daneben lag. Das ist ein Widerspruch und daher war Misstrauen des Vereins, nicht mehr Risiko zu gehen, berechtigt.

Sport1.de: Hat Sportdirektor Heldt eine Mitschuld an der aktuellen Situation?

Förster: Er kann und hat sich nicht herausgenommen aus der Verantwortung. Aber der Trainer arbeitet täglich mit der Mannschaft und sagt, welche Spieler er haben will. Der Sportdirektor kann letztlich nur entscheiden, ob der Transfer bezahlbar ist.

Sport1.de: Toni Schumacher hat von einem Scherbenhaufen beim VfB und einer Mannschaft ohne Gesicht und Kampfschweine gesprochen?

Förster: Das ist eine zu harte Kritik. Der aktuelle Kader hat etliche Nationalspieler und durchaus Qualität. Außerdem gibt es mit Sebastian Rudy und Daniel Didavi zwei junge Spieler in der Hinterhand, die schnell in den Profikader integriert werden können. Sie können alle besser spielen, aber teilweise sind sie nicht in Form. Ich hatte oft das Gefühl, dass einige aus welchen Gründen auch immer unzufrieden waren und nicht mehr die Bereitschaft gezeigt haben, für den Trainer durchs Feuer zu gehen (Stuttgarts Kader) .

Sport1.de: Kann Markus Babbel diese Probleme bewältigen?

Förster: Er ist die richtige Lösung und hat mit Rainer Widmayer, den ich auch sehr gut kenne, einen guten zweiten Mann. Babbel ist unbelastet, kennt auch die jungen Spieler. Ob er auch einer für die Zukunft beim VfB ist, weiß man jetzt noch nicht. Jetzt ist aber erst einmal die Mannschaft gefordert, denn alle Unzufriedenen haben kein Alibi mehr. Der Trainer kann keine Spiele gewinnen.

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