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Rangnick (l.) trainiert S04 nach der ersten Amtszeit von 2004 bis 2005 zum zweiten Mal © imago

Rangnick steht vor seinem S04-Debüt auf St. Pauli. Höwedes berichtet bei SPORT1 vom veränderten Training, Thon erwartet Offensive.

Von Andreas Berten und Thorsten Mesch

München - Als Schalke-Fan mag man sich dieser Tage die Augen reiben, wenn man die Königsblauen beim Training beobachtet.

Als Felix Magath noch die Gelsenkirchener trainierte, beobachtete er das Geschehen zumeist wohlwollend an der Seite. Mal kam ein Spieler zum Einzelgespräch, ansonsten umgab sich der 57-Jährige zumeist mit seinen Assistenten.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile hat Ralf Rangnick das Sagen beim Noch-Vize-Meister, und wenn man ihn bei der Arbeit mit der Mannschaft beobachtet, scheint der neue Coach vor allem auf eines zu setzen: reden, reden, reden.

Was bei den Spielern offenbar sehr gut ankommt. "Der Trainer ist ein sehr kommunikativer Mensch, der sehr viel mit seinen Spielern redet", sagt Benedikt Höwedes vor dem Debüt Rangnicks beim FC St. Pauli (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) zu SPORT1.

Ralf Rangnick hat in den vergangenen Tagen öffentlich gemacht, was bei Schalke alles im Argen liegt: Die Mannschaft sei nicht fit, das Trainingsrasen einer Profi-Mannschaft unwürdig, das Sprachen-Wirrwarr auf dem Platz unbeschreiblich.

Es liegen viele Aufgaben vor Rangnick, und Höwedes hat den Eindruck, dass alles nach und nach abgearbeitet wird: "Wir trainieren explizit auf die Dinge hin, die er gerne sehen möchte: Pressing, kompaktes Mannschaftsverhalten."

Ganz anderes Schalke gegen St. Pauli?

Wenn der Eindruck nicht täuscht, steht schon in St. Pauli ein ganz anderes Schalke auf dem Platz als zuvor. Nicht unbedingt personell, aber definitiv von der Einstellung her.

"Ralf Rangnick ist fast ein Perfektionist", berichtet Höwedes über das Zusammenwirken mit dem neuen verantwortlichen Mann. Der Innenverteidiger hofft nun, selbst davon profitieren zu können: "Wir haben Einzelgespräche geführt. Ich weiß, was er von mir verlangt und ich denke, dass ich das auch umsetzen kann und werde."

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Bis zu dieser Saison war nämlich vor allem die Abwehr das Prunkstück der Schalker. 33 Gegentore in dieser Saison sind auch nicht wirklich schlecht, aber gemessen am königsblauen Standard eben ausbaufähig.

"Ich denke, dass sich unsere Abwehrleistung in den letzten Monaten verbessert hat", sagt Höwedes, "wir hatten Probleme zu Beginn der Saison, aber wir haben hart an ihnen gearbeitet und sind voran gekommen."

Bei Niederlage droht Abstiegskampf

Auch wenn in der kommenden Woche schon das Highlight in der Champions League mit dem Viertelfinale gegen Inter Mailand wartet, sind die Schalker momentan in Gedanken einzig und allein beim Bundesliga-Gegner: "Wir müssen uns auf St. Pauli konzentrieren. Wir wollen dort punkten und dafür sorgen, dass wir nicht weiter nach unten abrutschen."

Rangnick hatte bereits gesagt, dass sich der Tabellenzehnte im Falle einer Niederlage ernst mit dem Thema Abstieg auseinander setzen müsse.

Doch daran glaubt auf Schalke so recht niemand. "Die Qualität ist da, Schalke wird sich auf jeden Fall in der Liga halten", sagt SPORT1-Experte Olaf Thon, "aber in den nächsten drei Spielen gegen St. Pauli, Wolfsburg und Stuttgart muss Schalke mindestens einen Sieg einfahren."

Der einstige Eurofighter kennt Rangnick noch aus seiner Zeit als Mitglied des Aufsichtsrates. Und für Thon ist er genau der richtige Mann:

"Er hat eine große Qualität, ist aber kein Träumer. Ich glaube, dass die Schalker eine andere Handschrift bekommen werden, aber das braucht noch ein bisschen Zeit. Die Veränderungen werden sich erst in der neuen Saison einstellen."

Thon rechnet mit offensiverer Ausrichtung

Kurzfristig hält Thon große Veränderungen für unwahrscheinlich, zumal mit Klaas-Jan Huntelaar trotz dessen Ladehemmungen ein wichtiger Stürmer ausfällt.(SPORT1 Bundesliga Manager: Jetzt Team aufstellen)

"Wie ich gehört habe, lässt Ralf Rangnick wohl offensiver spielen", so Thon, "aber ob Rangnick dann mit drei Spitzen spielt, was er teilweise auch in Hoffenheim gemacht hat, kann ich nicht sagen."

Gespannt ist Thon, ob St. Pauli es ausnutzen kann, dass sich Rangnick noch nicht allzu lange mit seinem Team beschäftigen konnte. "Vor allem Gerald Asamoah wird versuchen, Schalke einen Strich durch die Rechnung zu machen."

Es ist davon auszugehen, dass der "Fast-Perfektionist" Rangnick dies in seiner Spielvorbereitung beachtet hat.

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