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Max Eberl (r.) im Gespräch mit SPORT1-Redakteur Thorsten Mesch © getty

Max Eberl spricht bei SPOR1 über Gladbachs Kampf um die Klasse, den neuen Coach und die öffentlichen Angriffe von Berti Vogts.

Von Thorsten Mesch

Mönchengladbach - Max Eberl ist kein Lautsprecher.

Seit 2008 ist der 37-Jährige Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach.

Unüberlegte Aussprüche oder polemische Parolen hat man seitdem von ihm selten vernommen.

Eberl arbeitet am liebsten still im Hintergurnd.

Nachdem ihn Borussia-Legende Berti Vogts allerdings in aller Öffentlichkeit hart anging, stand der Sportdirektor plötzlich im Fokus.

Im Interview mit SPORT1 vor dem schweren Auswärtsspiel bei Bayern München (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) bezieht Eberl dazu Stellung.

Außerdem schätzt der frühere Münchner die Chancen seines Vereins im Kampf um den Klassenverbleib ein und liefert Gründe für den enttäuschenden Saisonverlauf.

SPORT1: Herr Eberl, Sie sind gebürtiger Niederbayer, haben fast 20 Jahre in München gelebt, aber Sie sprechen reines Hochdeutsch. Wo ist eigentlich Ihr Dialekt?

Max Eberl: Ein Dialekt war nie da. Meine Mutter ist Fränkin, mein Vater ist Sudetendeutscher. Er war bei der Bundeswehr, wir sind viel umgezogen und ich kam erst mit dem vierten Lebensjahr nach München. Auch in der Schule wurde Hochdeutsch gesprochen. Und ich bin schon wieder 18 Jahre weg aus München.

SPORT1: Welchen Bezug, welche Erinnerungen haben Sie noch an den FC Bayern?

Eberl: Sehr gute Erinnerungen. Ich habe in München meine Jugend verbracht und von klein an beim FC Bayern gespielt. Ich war eins der Gründungsmitglieder der Bambinis und habe es geschafft, als Erster von der F-Jugend bis zu den Profis alles zu spielen. Das war zur damaligen Zeit etwas Besonderes. Markus Babbel kam in der E- und Didi Hamann in der D-Jugend dazu. Bayern München wird immer einen großen Teil in meinem Leben einnehmen.

SPORT1: Wer ist noch alles aus Ihrer Zeit beim FC Bayern?

Eberl: Karl Hopfner, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge durfte ich kennenlernen, Hermann Gerland, Mitarbeiterinnen aus der Geschäftsstelle oder Uwe Lienau, der Greenkeeper. Es sind noch viele Menschen da, die mich lange begleitet haben.

SPORT1: Und von den damaligen Spielern?

[kaltura id="0_ssvsi5ax" class="full_size" title="Robben: "Es kann alles passieren""]

Eberl: Christian Nerlinger, er kam damals in der D-Jugend, und Harald Czerny, der heute Jugendtrainer ist. Der Fußball ist halt eine kleine Familie, in der man sich immer wieder über den Weg läuft. Das ist auch schön so.

SPORT1: Ist es überhaupt noch etwas Besonderes, wenn Sie in Ihrer Funktion als Sportdirektor auf die Bayern mit Sportdirektor Nerlinger treffen?

Eberl: Es ist jetzt das vierte Spiel gegeneinander, von daher nichts ganz Besonderes mehr.

SPORT1: Aufgrund der sportlichen Situation ist das Spiel am Samstag aber speziell: Für Gladbach geht es gegen den Abstieg, und die Bayern brauchen jeden Punkt, um zumindest Platz drei zu erreichen.

Eberl: Wir versuchen, den Klassenerhalt noch zu schaffen. Obwohl es für viele Außenstehende unmöglich scheint, werde ich nicht müde daran zu glauben. Natürlich hängen die Trauben in München sehr, sehr hoch. Aber: Auch andere Mannschaften haben es Bayern schwer gemacht, und wir werden alles daransetzen, es ihnen auch schwer zu machen. Gerade zum Ende einer Saison passieren die verrücktesten Dinge, gibt es die verrücktesten Ergebnisse.

SPORT1: Was stimmt Sie im Abstiegskampf zuversichtlich?

Eberl: Die schlechte Hinrunde hängt uns in den Kleidern, aber wir haben in der Rückrunde 13 Punkte gemacht. Das ist für uns sehr ordentlich.

SPORT1: Was waren die Gründe für die schlechte Hinrunde?

Eberl: Wir hatten eine eklatante Pesonalproblematik. Mit Dante und Brouwers ist unsere komplette Innenverteidigung ausgefallen, dazu auch Jean-Sebastien Jaures und Tony Jantschke. Vier potenzielle Stammspieler unserer Viererkette - und das nicht für ein, zwei Wochen, sondern für Monate. Wir haben in der Hinrunde sechs oder sieben Mal geführt, aber noch verloren. Das lag nicht daran, dass wir unterlegen waren, es lag daran, dass wir Fehler gemacht haben, die aufgrund der Personalsituation entstanden sind. Zudem hat sich Igor de Camargo, unser Top-Transfer verletzt und fiel dreieinhalb Monate aus. Das soll keine Ausrede sein, aber es sind gewichtige Gründe, die dazu geführt haben, dass wir in der Hinrunde zu wenig gepunktet haben.

SPORT1: Aber sie haben auch gewonnen. Zu Beginn der Saison: 6:3 in Leverkusen.

Eberl: Danach haben uns die Leute mit der Fohlen-Elf der Siebziger verglichen. Das Spiel hat gezeigt, dass das Potenzial da ist. Aber die Verletzungen haben uns zurückgeworfen. Ich vergleiche das Mal mit dem FC Bayern. Da haben fast die gesamte Hinrunde Robben und Ribery gefehlt. Zwei Spieler, die den Unterschied ausmachen. Bremen konnte den Weggang von Özil und die Verletzung von Naldo nicht kompensieren. Wer die größte Abweichung von seinen Zielen hat, hatte große personelle Probleme.

SPORT1: In Gladbach haben diese Probleme schließlich zur Trennung von Michael Frontzeck geführt. Sie haben Lucien Favre geholt. Werden Sie mit ihm auch in die Zweite Liga gehen?

Eberl: Wir haben uns entschieden, keinen Feuerwehrmann, sondern einen Konzept-Trainer zu verpflichten. Mit dem Ziel, den Klassenerhalt noch zu schaffen. Und wenn der Klassenerhalt nicht gelingen sollte, ist Lucien Favre der richtige Trainer für den Neuaufbau in der Zweiten Liga. Er kann und wird mit jungen Spielern arbeiten. Das ist der Weg, den Borussia Mönchengladbach gehen wird. Wir sind ein Ausbildungsverein, der mit vielen jungen Spielern gearbeitet hat und arbeiten wird.

SPORT1: Sie haben den aktuellen Kader zusammengestellt und dafür Kritik geerntet. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Eberl: Ich bin 2008 Sportdirektor geworden. Wir haben dann Hans Meyer geholt, gute Entscheidungen bei den Transfers von Dante, Galasek und Bailly gefällt, haben 2009 die Klasse gehalten. Danach haben wir Michael Frontzeck geholt, die Mannschaft mit Spielern wie Reus, Marx, Arango und Bobadilla weiter verstärkt und eine sehr gute Saison gespielt. Dazu haben wir unsere Nachwuchs-Akademie über Jahre hinweg aufgebaut und zu einer der besten in Deutschland gemacht. Daraus sind Spieler wie Jansen, Polanski, Compper, Marin und weitere hervorgegangen. Aktuell stehen Levels, Jantschke, Herrmann, Bäcker und ter Stegen in unserem Kader. Zu Beginn dieser Saison hatten wir im Kader ein Durchschnittsalter von 24,5 Jahren.

SPORT1: Die Vorwürfe sind also unberechtigt?

Eberl: Wenn ich im Sommer gewusst hätte, was ich jetzt weiß, nämlich dass wir so viele Verletzte haben würden, hätte ich noch gestandene Spieler dazu geholt. Aber dass man über Monate hinweg so viele verletzte Spieler hat, damit kann man im Sommer nicht planen. Das ist auch bei anderen Vereinen so und es kann dazu führen, dass man seine Ziele nicht erreicht.

SPORT1: Sie haben in Mönchengladbach gespielt, lange die Jugendarbeit geleitet, aber Sie wurden von der Gladbach-Legende Berti Vogts persönlich mit harten Worten angegriffen. Er hat gemeint, Sie seien kein Borusse.

Eberl: Dazu sage ich nichts.

SPORT1: Hans Meyer, mit dem Sie zusammengearbeitet haben, hat gesagt, er halte von solchen verbalen Rundumschlägen nichts. Tut es Ihnen gut, wenn Meyer sie verteidigt?

Eberl: Fußball lebt von Emotion, von Kommunikation. Jeder hat eine Meinung. Das macht den Fußball sehr öffentlich, aber auch sehr interessant. Wenn Experten diskutieren, ist es in Ordnung. Das sollte auf einer sachlichen Ebene geschehen und dabei sollte man es belassen. Das Spiel ist das Wichtige, das Entscheidende. Zu anderen Dingen, die vorgefallen sind, äußere ich mich nicht.

SPORT1: Welchen Satz würden Sie wählen: "Wir haben nichts zu verlieren" oder "Wir können in München nur gewinnen?"

Eberl: Für mich passt der Satz: "Du hast keine Chance, aber nutze sie."

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