vergrößernverkleinern
Schiedsrichter Deniz Aytekin steht bei der Partie am Millerntor im Mittelpunkt © getty

Aytekin beendet die Partie zwischen Pauli und Schalkevorzeitig, nachdem sein Assistent von einem Bierbecher getroffen wird.

St. Pauli - Ein Skandal um einen geworfenen Bierbecher hat den gelungenen Einstand von Trainer Ralf Rangnick bei Schalke 04 überschattet.

90 Sekunden vor Schluss der Partie zwischen dem FC St. Pauli und Schalke 04 hat Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach) das Spiel beim Stande von 2:0 (1:0) für die Gäste abgebrochen, weil sein Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner (Konstanz) von einem vollen Bierbecher im Genick getroffen worden war.

Zu diesem Zeitpunkt war die Partie eigentlich schon gegen die Hamburger entschieden, denen jetzt noch empfindliche Strafen durch den DFB drohen dürften.

Es ist der siebte Spielabbruch in der Geschichte der Bundesliga, erst der zweite nach einem geworfenen Gegenstand.

"Hatten keinen Spielraum"

"Es ist immer traurig, wenn ein Spiel vorzeitig zu Ende geht", sagte Aytekin: "Wir hatten überhaupt keinen Spielraum."

Sein Assistent sei völlig unerwartet im Nacken getroffen worden, ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, erklärte der Schiedsrichter.

"Schon in der ersten Halbzeit und auch in der zweiten waren die Assistenten mit Feuerzeugen und Münzen beworfen worden. Der Stadionsprecher wies die Fans darauf hin, dies zu unterlassen", erklärte Aytekin. Alles weitere entscheide jetzt das Sportgericht.

"Eine einzige Katastrophe"

"Man wirft in einem Fußball-Stadion keine Bierbecher aufs Feld. Dieser Drang irgendwas aufs Feld zu werfen ist schon krass. Das ist nicht zu erklären, über solche Szenen brauchen wir nicht zu diskutieren. Ich kann mich nur im Namen von St. Pauli beim Schiedsrichter-Assistenten entschuldigen", meinte St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski bei LIGA total!.

Und weiter: "Wenn man von sowas getroffen wird, ist das nicht witzig. Das ist eine einzige Katastrophe." 373533(DIASHOW: Der 28. Spieltag)

Für Sportdirektor Helmut Schulte war die Aktion "sehr, sehr ärgerlich und traurig. Das war kein guter Tag für den FC St. Pauli."

Der Bierbecher-Werfer wurde nach der Tat von der Polizei identifiziert und vorläufig festgenommen. Dies bestätigte St. Paulis Sicherheitsbeauftragter Sven Brux.

Rangnick will "solchen Leuten" keine Plattform geben

"So etwas ist traurig, aber ich möchte darüber gar nicht mehr lange sprechen und solchen Leuten noch eine Plattform geben", meinte Schalkes Trainer Ralf Rangnick.

Der Schalker Sportdirektor Horst Heldt hatte unmittelbar nach dem Abbruch Schiffner in der Schiedsrichter-Kabine aufgesucht. "Er ist voll getroffen worden. Jegliche Diskussion über den Spielabbruch ist unangebracht", sagte Heldt, der jetzt von "nichts anderem" als einer Spielwertung zugunsten der Gelsenkirchener ausgeht:

"Es war die 87. Minute, wir haben 2:0 geführt. Wir können nicht bestraft werden für eine solche Situation."

Entscheidung am Grünen Tisch?

Sportlich hatte Schalke den Abend dominiert. Der zwölfte Saisontreffer von Superstar Raul (26.) und ein Abstaubertor von Julian Draxler (66.) bescherten Rangnick eine gelungene Rückkehr auf die Schalker Trainerbank.

Während die Gäste mit diesem "Dreier", der wohl auch am Grünen Tisch bestätigt werden dürfte, eine Serie von drei Auswärtsniederlagen hintereinander beendeten, droht den Platzherren mehr denn je der Abstieg.

Neben den Punkten verloren sie auch noch Jan-Philipp Kalla (68.) durch eine Gelb-Rote sowie Fin Bartels (78.) durch eine Rote Karte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach einer präzisen Ecke von Jefferson Farfan war Raul per Kopfball erfolgreich, Draxler nutzte eine Verwirrung in der Deckung.

Sechste Pleite in Folge

Die Treffer waren gleichbedeutend mit der sechsten Niederlage für die Hamburger in Folge, der Tabellen-16. könnte schon am Sonntag auf den direkten Abstiegsplatz 17 abrutschen.

Die "Königsblauen" hingegen können den Kampf um den Klassenerhalt endgültig als erledigt abhaken, sie festigten Rang zehn.

Vier Tage vor dem Champions-League-Spiel beim Titelverteidiger Inter Mailand starteten die Gäste vor 24.487 Zuschauern im ausverkauften Millerntorstadion mit überfallartigen Angriffen, ohne jedoch zum erhofften schnellen Torerfolg zu kommen.

Pliquett rettet gegen Edu

St. Paulis Coach Holger Stanislawski, schwer gebeutelt von verletzungsbedingten Problemen in der Defensive, setzte wie schon beim 1:0-Triumph im Lokalderby gegen den HSV auf Ersatztorhüter Benedikt Pliquett.

Pliquett stand erwartungsgemäß mehrfach im Brennpunkt und konnte sich besonders bei einem gefährlichen Schrägschuss von Edu (25.) auszeichnen.

Nur 60 Sekunden später war er allerdings beim ersten Gegentor machtlos.

Doppelter Platzverweis

Nach dem Seitenwechsel bäumten sich die Platzherren noch einmal auf, entwickelten Druck, ohne jedoch klare Torgelegenheiten herausarbeiten zu können.

Wirklich schwere Aufgaben hatte Nationaltorhüter Manuel Neuer nicht zu meistern.

Endgültig entschieden war die Partie nach der Ampelkarte für Verteidiger Kalla, vier Minuten zuvor war überdies ein Tor der Braun-Weißen wegen einer Abseitsposition nicht anerkannt worden.

Bartels sah Rot nach einem rüden Foul gegen Farfan.

Asamoah glücklos

Keeper Pliquett, der mehrfach durch couragiertes Stellungsspiel weitere Torerfolge für den Tabellen-Zehnten vereitelte, sowie der trotz einer schmerzhaften Bänderverletzung kampfstarke Mittelfeldspieler Fabian Boll verdienten sich bei den Norddeutschen die besten Noten.

Glücklos hingegen agierte der Ex-Schalker und ehemalige Nationalspieler Gerald Asamoah.

Neben Raul gefiel bei Schalke Farfan, in erster Linie durch geschicktes Ballverteilen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel