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Hans Meyer (r., mit Ex-Spieler Michael Beau- champ) trainierte den Club von 2005 bis 2008 © getty

Der 1. FC Nürnberg klopft an die Tür zu Europa. Im SPORT1-Interview spricht Ex-Trainer Hans Meyer über das Erfolgsgeheimnis.

Von Christian Stüwe

München - Hans Meyer war der Vater des letzten großen Höhenflugs beim 1. FC Nürnberg.

Der Trainer führte den Club 2007 zum Gewinn des DFB-Pokals und auf den sechsten Platz in der Bundesliga.

In der darauffolgenden Saison spielten die Nürnberger letztmals im internationalen Geschäft, stiegen in der Liga dann aber ab.

Aktuell streben die Franken wieder nach Höherem.

Platz fünf ist drin

Sollte der Club am Sonntag mit zwei Toren Unterschied in Köln (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) gewinnen, wird sich die Truppe von Trainer Dieter Hecking auf Platz fünf vorschieben.

Ex-Coach Hans Meyer spricht im SPORT1-Interview über die starke Saison der Nürnberger, wie Julian Schieber seine Erwartungen sprengte und welche Parallelen er zu seiner Zeit beim Club sieht.

SPORT1: Herr Meyer, der 1. FC Nürnberg klopft an die Europa-League-Plätze. Denken Sie, der Club kann sich in dieser Saison für das internationale Geschäft qualifizieren?

Hans Meyer: So wie die Nürnberger momentan in der Liga stehen, kann man es den Fans nicht verübeln, wenn sie fest daran glauben und es sich wünschen. Ich denke, dass die Nürnberger dieses Jahr noch nicht so richtig beachtet wurden von der Fachpresse. Das liegt an anderen Themen, die offensichtlich schwerwiegender und interessanter waren. Aber was Dieter Hecking mit der Mannschaft in diesem Jahr gemacht hat, ist über jedes Lob erhaben.

SPORT1: Wo sehen Sie die Gründe für den Erfolg?

Meyer: Sie haben eine fantastische Mischung aus erfahrenen Leuten und jungen Spielern. Die erfahrenen Leute wie Andreas Wolf, Javier Pinola und Raphael Schäfer sind wirklich wieder eine echte Stütze geworden. Und mit Nilson und Simons ist die Mannschaft sinnvoll verstärkt worden. Die jungen Leuten wie Julian Schieber, Ilkay Gündogan, Jens Hegeler oder Mehmet Ekici sind systematisch aufgebaut worden. Was die Nürnberger in diesem Jahr gemacht haben, war ganz, ganz große Klasse.

SPORT1: Ist es vielleicht auch ein Vorteil, nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen?

Meyer: Wenn man gewinnt ist es immer schön im Fokus zu stehen. Aber wenn einem zuviel auf die Schulter geklopft wird, verträgt das der eine oder andere von den Jungens gar nicht.

[kaltura id="0_43xceq1h" class="full_size" title="Hans Meyer zu Gast bei Bundesliga Aktuell"]

SPORT1: Der Anteil von Dieter Hecking ist also recht groß?

Meyer: Ich sage immer, du kannst das nicht ohne Jungs mit Charakter und guten Möglichkeiten schaffen. Irgendwo ist das, was ein Trainer zu tun hat, um die Einzelspieler zum Team zu formen, die richtige Mischung und die richtige Ansprache zu finden, nicht in Prozenten messbar. Aber im Laufe der Saison potenziert es sich und dann hat am Ende so eine Mannschaft wie Nürnberg ganz klar die Handschrift von Dieter.

SPORT1: Erinnert Sie der aktuelle Aufschwung an Ihre erfolgreiche Zeit in Nürnberg? Ist dem Team ähnliches zuzutrauen?

Meyer: Das kann man schlecht vergleichen. Ich weiß nur, wenn ich bei Dieters Training zuschaue, sehe ich ähnlich viel Begeisterung und konzentriertes Arbeiten wie ich es eigentlich die ganzen Jahre mit den jungen Menschen erlebt habe. Da ist momentan schon ein guter Geist und ein guter Zug drin.

SPORT1: Ist es ein Problem, in gewisser Weise von Leihspielern wie Julian Schieber und Mehmet Ekici abhängig zu sein?

Meyer: Das ist im Grunde etwas, das man nie vorhersehen kann. Wenn Sie mir im Sommer gesagt hätten, dass Julian Schieber in dieser Saison so eine Entwicklung durchlebt bei Nürnberg und so eine zentrale Rolle einnimmt, hätte ich gesagt, Sie sind verrückt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass ich im vorigen Jahr, in meinem Weltreisejahr, gar nicht so nah dran war an diesem Talent. Er hat das davor in Stuttgart noch nicht so nachgewiesen, dass man hätte sagen könne: Das wird eine Rakete. Ich glaube aber, dass er jetzt eine Entwicklung genommen hat, die uns alle sehr optimistisch für seine weitere Zukunft stimmen kann.

SPORT1: Wäre es überhaupt gut, sich für die Europa League zu qualifizieren? Nachdem der Club letztmals international gespielt hat, ist er abgestiegen.

Meyer: Soweit sind wir doch noch nicht. Lassen wir die Jungs die Serie erstmal sauber zu Ende spielen und dann sind sie vielleicht Sechster oder Siebter. Dann wäre das eine ganz große Sache. Ich glaube, dass man den Trainer und die Spieler im Moment gar nicht belasten sollte. Martin Bader hat das ganz gut gesagt: Es wäre eine wunderbare Sache. Aber wenn es nicht klappt, hat Nürnberg trotzdem genügend Grund, diese Saison positiv zu betrachten.

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