vergrößernverkleinern
Marco Pezzaiuoli führte die deutsche U-17- Nationalmannschaft 2009 zum EM-Titel © getty

Hoffenheims Remis-Könige bringen ihren Trainer mit müdem Gekicke gegen den HSV in die Bredouille. Hamburgs Oenning ist unzufrieden.

Sinsheim - Rückendeckung ja, Jobgarantie nein:

Für Trainer Marco Pezzaiuoli sind bei 1899 Hoffenheim mit der enttäuschenden Nullnummer gegen den Hamburger SV endgültig die Wochen der Wahrheit angebrochen.

Nach nur einem Sieg in den letzten sieben Spielen und hartnäckigen Pfeifkonzerten der Fans gegen seine Person wird die Luft für den 42-Jährigen spürbar dünner. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Hoffenheims Manager Ernst Tanner jedenfalls wollte Pezzaiuoli, der bereits bei der Vorstellung vor der Partie ausgepfiffen wurde, keinen Freibrief mehr ausstellen. "Wenn Marco gut arbeitet, ist es logisch, dass wir mit ihm in die neue Saison gehen", sagte Tanner.

Er verweigerte aber eine genaue Interpretation seiner vermeintlichen Bedingung. Treueschwüre und klare Bekenntnisse zum Trainer hören sich anders an.

Beck: "Die Stimmung ist down"

Für 1899-Kapitän Andreas Beck war die Krisenstimmung in der Rhein-Neckar-Arena förmlich greifbar. "Wir sind in einer schweren Phase, die Fans sind ungeduldig. Die Stimmung ist down", sagte der Nationalspieler. 373533(DIASHOW: Der 28. Spieltag)

Defensivspezialist Andreas Ibertsberger bemühte bereits Durchhalteparolen: "Man muss auch dem Trainer Zeit geben."

Spekulationen um Stanislawski

Pezzaiuoli selbst ist ungeachtet der aufkommenden Unruhe beim Tabellenneunten überzeugt, sicher im Sattel zu sitzen.

"Der Vorstand hat mir Rückendeckung gegeben, in dem er mich mit einem Vertrag bis 2013 ausgestattet hat", erklärte der frühere Assistenztrainer. Die Unterzeichung des Kontraktes ist allerdings zwei Monate her.

Zuletzt hatte es Spekulationen über eine Verpflichtung von Trainer Holger Stanislawski vom FC St. Pauli zur neuen Runde gegeben. "Das belastet mich nicht. Der Verein weiß um meine Qualitäten", versichert Pezzaiuoli aber.

Zwölf Punkte in elf Spielen

Vielleicht auch unter dem Druck der Situation hatte der Coach vor dem Spiel ein Zeichen gesetzt und überraschend Mittelfeldkämpfer Sejad Salihovic suspendiert. Der Bosnier hatte sich unter der Woche im Training einen Zwist mit Abwehrchef Marvin Compper geleistet.

Dass vor allen Dingen die Punkteausbeute das entscheidende Indiz für gutes Arbeiten ist, weiß auch Manager Tanner. Seit Pezzaiuolis Amtsantritt in der Winterpause haben die Kraichgauer in elf Rückrundenspielen zwölf Punkte geholt.

Trainer wie Führungsetage verweisen immer wieder auf die schmerzhaften Abgänge von Demba Ba (West Ham United) und Luiz Gustavo (Bayern München) in der Winterpause.

Tristes Mittelmaß

Doch die Anhänger sind besonders mit der biederen Hoffenheimer Spielkultur unzufrieden. Die Remis-Meister der Bundesliga (zehn Unentschieden) stehen längst für tristes Mittelmaß statt wie einst für berauschenden Offensivzauber.

Die Herbstmeisterschaft im Aufstiegsjahr 2008/2009 erweist sich im Rückblick als Bürde.

"Dadurch ist die Erwartungshaltung ins Unermessliche gestiegen", meinte Tanner, der die verkorkste Saison bereits abgehakt hat: "Es ist klar, dass wir jetzt extrem nach vorne schauen."

Für die neue Saison soll vor allen Dingen die Offensive verstärkt werden.

Auch Oennings Zukunft ist ungewiss

So ungewiss wie für Pezzaiuoli in Hoffenheim ist für Michael Oenning die Zukunft als Trainer in Hamburg.

Die Norddeutschen verpassten es durch die Nullnummer, ihre Chancen auf die Qualifikation für die Europa League zu verbessern. Oenning machte für den lethargischen Auftritt auch die Wetterfühligkeit seiner Spieler verantwortlich.

"Wir haben bei vier Grad trainiert und hier hatte es 28 Grad", meinte der 45-Jährige, der in den anstehenden Heimspielen gegen Borussia Dortmund und Hannover 96 seine Chancen auf eine Weiterbeschäftigung verbessern will.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel